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Aktuell Asien

Trauer und Wut in Indien

Nach dem Tod der vor 13 Tagen in Indiens Hauptstadt brutal vergewaltigten Studentin rüstet sich Neu Delhi für neue Massenproteste. Premier Singh versucht, die Gemüter zu beruhigen.

Ministerpräsident Manmohan Singh rief seine Landsleute auf, ihre Emotionen in "konstruktives" Handeln umzuwandeln. "Es ist nun an uns, dafür zu sorgen, dass ihr Tod nicht umsonst war", erklärte Singh. Indien müsse zu einem besseren und sichereren Platz für Frauen werden. Mit Blick auf die Massenproteste der vergangenen Tage erklärte er, dies seien "verständliche Reaktionen" eines jungen Landes gewesen, das auf einen Wandel hoffe. Er sei tief traurig über den Tod der Frau. Der Familie des Opfers sprach Singh sein Beileid aus.

Mutmaßlichen Vergewaltigern droht die Todesstrafe

Die Polizei in Neu Delhi traf angesichts erwarteter Kundgebungen scharfe Sicherheitsvorkehrungen. Proteste im Regierungsviertel und rund um das Wahrzeichen India Gate wurden erneut untersagt. Spezialeinheiten der Polizei riegelten zahlreiche Straßen ab und wiesen den Demonstranten zwei Treffpunkte zu. Zehn Metro-Stationen blieben geschlossen, um Demonstranten vom Parlament und Präsidentenpalast fernzuhalten. Regierung und Polizei baten die Menschen, ruhig und friedlich zu bleiben.

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Indien: Vergewaltigungsopfer gestorben

Bereits kurz nachdem der Tod der jungen Frau bekanntgeworden war, gingen überall in Indien Menschen auf die Straße, um der 23-Jährigen zu gedenken. Mehrere hundert Demonstranten forderten in Neu Delhi Gerechtigkeit für den Tod der Frau und kündigten an, der Kampf gegen sexuelle Gewalt und für mehr Frauenrechte gehe weiter. Unterdessen wurde die Anklage gegen die sechs inhaftierten Verdächtigen auf Mord ausgedehnt. Den Männern drohe bei einer Verurteilung die Todesstrafe, sagte Polizeisprecher Rajan Bhagat in Neu Delhi.

Demonstranten werfen Regierung Untätigkeit vor

Der Regierung wird vorgehalten, zu wenig gegen den Missbrauch von Frauen zu tun. Frauenrechtlern zufolge werden in Indien Vergewaltigungen nur selten bestraft. Viele Teilnehmer der Protestaktionen der vergangenen Tage forderten die Todesstrafe für die Vergewaltiger. Ministerpräsident Singh war heftig dafür kritisiert worden, dass er sich lange nicht zu der Vergewaltigung geäußert hatte. Nach den Massenprotesten hatte er dann aber die Tat ein "monströses Verbrechen" genannt und "konkrete Schritte" versprochen, um Schutz und Sicherheit für Frauen in Indien zu gewährleisten..

Mehrfaches Organversagen

Dreizehn Tage lang hatte die Studentin, ums Überleben gekämpft. Am Freitag starb sie in Singapur an den Folgen der brutalen und menschenverachtenden Tat. Die Medizinstudentin erlag ihren inneren Verletzungen, teilte das behandelnde Mount Elizabeth Hospital in Singapur mit.

Sarg der Toten Studentin vor der Überfürhung nach Indien (Foto: dapd/AP)

Noch an diesem Samstag soll die Leiche der jungen Frau nach Indien überführt werden.

Krankenhausdirektor Kevin Loh sagte, der Zustand der Frau sei seit ihrer Einlieferung in der Nacht zum Donnerstag in die Spezialklinik für Organtransplantationen extrem kritisch gewesen. Sie hat tapfer um ihr Leben gekämpft, doch ihre Verletzungen waren zu schwer." Das behandelnde Ärzteteam stellte nach eigenen Angaben eine schwere Hirnverletzung sowie Infektionen der Lunge und innerer Organe fest, die schließlich versagten.

Tätern soll im Januar der Prozess gemacht werden

Die junge Frau war am 16. Dezember mitten in der Hauptstadt Neu Delhi von sechs Männern in einem öffentlichen Bus auf brutalste und grausame Art vergewaltigt, mit einer Eisenstange misshandelt und geschlagen worden, vor den Augen ihres Freundes.

Danach warfen die Täter das Paar aus dem fahrenden Bus. Den sechs inhaftierten Tätern aus dem Bus soll von Anfang Januar an in einem Schnellverfahren der Prozess gemacht werden.

Das begrüßen viele Demonstranten zwar, doch machten sie auf all jene Fälle aufmerksam, deren strafrechtliche Verfolgung oft jahrelang verschleppt wird. Rund 100.000 angezeigte Vergewaltigungsfälle sollen im ganzen Land juristisch noch unerledigt sein. Allein in Neu Delhi wird laut Polizeidaten alle 18 Stunden eine Vergewaltigung gemeldet. Die Dunkelziffer dürfte aber weit höher liegen. In Indiens streng konservativer Gesellschaft wird die Schuld an einer Vergewaltigung oft dem Opfer gegeben.

qu/GD (dpa, rtr, afp)

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