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Musik

Trauer um Leonard Cohen

Der Kanadier Leonard Cohen galt als einflussreicher Songschreiber. Mit seiner zeitlosen Musik berührte er sowohl die Rebellen der 1960er Jahre, als auch die sinnsuchenden Romantiker der 2000er Jahre.

Wenn der Ministerpräsident eines großen Landes seine Bestürzung und seine Trauer über den Tod eines Künstlers ausdrückt, dann heißt das schon was. Und beim jungen, charismatischen Justin Trudeau wirkt das noch nicht einmal aufgesetzt. "Die Musik von niemand anderem klang oder hat sich so angefühlt wie die von Leonard Cohen. Trotzdem berührt sein Werk Generationen", teilte Trudeau über Twitter mit. Kanada und die Welt würden ihn vermissen. Das Label Sony Music Canada hatte zuvor vom Tod Cohens berichtet. Denis Coderre, Bürgermeister der Stadt Montreal, in der Leonard Cohen am 21. September 1934 das Licht der Welt erblickte, reagierte so: "Heute haben wir einen unserer größten Botschafter und eine unserer größten Ikonen verloren."

Ein melancholischer Song-Poet

Leonard Cohen war zweifellos einer der ganz Großen der poetischen Popmusik. Dass Cohen nur ein paar Wochen nach der Nachricht von der Verleihung des Literaturnobelpreises an Bob Dylan starb, ruft auch noch einmal in Erinnerung, dass Cohen ein begnadeter Texter war. "Nur Bob Dylan hat einen tiefgreifenderen Einfluss auf seine Generation gehabt und vielleicht nur Paul Simon und seine Landsfrau Joni Mitchell waren auf einer Stufe mit ihm als Song-Poet", urteilt das Musik-Magazin "Rolling Stone".

Leonard Cohen (picture-alliance/Keystone)

Leonard Cohen im Jahre 1976

Es war das Jahr 1967, als Cohen mit nicht mehr ganz so jungen Jahren sein Debüt auf der Bühne gab. Beim Newport Folk Festival beeindruckte der Sänger unter anderem den Produzenten John Hammond, der in dem Kanadier einen zweiten Bob Dylan sah. Das hatte seinen Grund. Vor allem weil Cohen zuvor schon als Texter aufgefallen war, der andere Pop- und Folkgrößen inspiriert hatte. Die US-Sängerin Judy Collins etwa hatte Cohens "Suzanne" interpretiert - der sollte später zu einem der erfolgreichsten Songs von Cohen selbst werden.

Karrierestart als Schriftsteller

Der Kanadier konnte mit einfachen Worten große Gefühle ausdrücken. Mit seinem weichen, dunklen Timbre, das fast immer von einer melancholisch, fast traurigen Stimmung durchtränkt war, riss er die Menschen mit. Die Grundlage aber waren die Texte. Ursprünglich hatte der junge Mann sogar vor gehabt, sein Geld ausschließlich mit Büchern zu verdienen. Einige Gedichtbände und Romane sind Zeugnis dafür.

Zu Beginn der 1960 Jahre war Cohen viel unterwegs, auch in Europa. Auf der kleinen griechischen Insel Hydra verbrachte er einige Jahre. Das hatte Folgen, auch für die Musik. Seine damalige Freundin, die Norwegerin Marianne Ihlen wurde zu seiner Muse. "So Long, Marianne" hieß der weltbekannte Song, den ihr Cohen später widmete.

Welthits "Suzanne" und "So Long, Marianne"

Nach dem geglückten Bühnendebüt konzentrierte sich Leonard Cohen auf die Musik. Bereits seine erste Platte mit dem schlichten Titel "Songs of Leonard Cohen" wurde zu einem großen Erfolg. "Suzanne" und "So Long, Marianne" wurden zu Evergreens. Vier Jahre später dienten US-Filmregisseur Robert Altman Cohens Songs als perfekte Untermalung für seinen melancholischen Spätwestern "McCabe and Mrs Miller".

Bildergalerie 75. Geburtstag von Julie Christie McCabe and Mrs Miller (picture-alliance/United Archives/TopFoto)

Robert Altman nutze zahlreiche Cohen-Songs für den Film "McCabe and Mrs Miller".

Bis in die 1980er veröffentlichte Cohen alle zwei, drei Jahre neue Platten. Dann wurde es ruhiger um ihn. In diesem Jahr erschien sein letztes Album "You Want it Darker". Darin mag man schon eine Ahnung vom bevorstehenden Tod spüren. Die Songs sind noch eine Spur melancholischer als man sie sowieso schon von diesem Künstler gewohnt war. Einem Reporter des Magazins "New Yorker" diktierte er in den Notizblock: "Ich bin bereit zu sterben. Ich hoffe nur, es wird nicht zu ungemütlich. Das ist es dann auch schon für mich."

"Eine weitere magische Stimme ist verstummt", schrieb die Sängerin und Schauspielerin Bette Midler in Anspielung auf die vielen verstorbenen Sänger und Popstars der letzten Monate und Jahre. Diese unverwechselbare Stimme war es vornehmlich auch, die Leonard Cohen einzigartig gemacht hat in der jüngeren Pop-Musikgeschichte. Der immer leicht verschleppt wirkende Gesang machte viele Songs zu einer fast grüblerisch klingender Musik.

Auf Sinnsuche im Kloster

Das war es wohl auch, was den Sänger zwischenzeitlich für einige Jahre verstummen ließ: das Grübeln über die Welt, das Nachdenken über die Zeitläufte. Leonard Cohen hatte schon früh einen Hang zum Spirituellen. Sein Urgroßvater kam aus dem heutigen Litauen, war Lehrer an einer jüdischen Hochschule. Cohens Mutter war Tochter eines aus Russland eingewanderten Talmudgelehrten. Dass Leonard Cohen die Musik irgendwann nicht mehr genügte, darf man auch aus diesen Wurzeln erklären. In späteren Jahren sollte sich der etablierte Songschreiber in ein einsam gelegenes buddhistisches Kloster in den Hügeln in der Nähe von Los Angeles zurückziehen, und, glaubt man seine Biografen, wurde 1996 unter dem Namen Jikan (der Stille) auch zum Mönch ordiniert.

Leonard Cohen (picture-alliance/KPA)

Ein Souverän auf der Bühne: Cohen 1979

Doch es sollte kein spiritueller Rückzug für immer werden. Irgendwann tauchte Leonard Cohen wieder im Studio auf. Im Jahr 2001 erschien "Ten New Songs" und es sollte der Auftakt zu einer erfolgreichen zweiten Karriere werden. Negative Schlagzeilen machte der stille und nachdenkliche Musiker Leonard Cohen eigentlich nicht und als 2004 bekannt wurde, dass seine Managerin ihn um fast sein gesamtes Vermögen geprellt hatte, tropfte das am Image des Musikers ab. Er nahm weitere Alben auf, Filme wurden über ihn gedreht, seine Klassiker von zahlreichen Musikern gecovert. In Deutschland erschien vor zwei Jahren das Album "Poem - Leonard Cohen in Deutscher Sprache", bei dem unter anderem Tim Bendzko, Peter Maffay, Fehlfarben und Nina Hagen mitwirkten.

Beileidsbekundung aus dem Vatikan

Leonard Cohens Einfluss und Popularität waren immens, weit über die Musikszene hinaus. Und so verwundert es nicht, dass Beileidsbekundungen inzwischen auch von höchster christlicher Stelle eintrafen. Der Präsident des Päpstlichen Kulturrates, Kardinal Gianfranco Ravasi, verabschiedet sich von dem Kanadier indem er auf seinem Twitter-Account ein Zitat aus Cohens Hit "Hallelujah" postete: "I'll stand before the Lord of Song With nothing on my tongue but Hallelujah" ("Ich werde vor dem Gott der Lieder stehen, mit nichts auf meiner Zunge als Hallelujah").

jk/rey (mit Agenturen/Munzinger)

 

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