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Musik

Trauer um Kurt Masur

Nicht nur die Welt der Musik trauert um Kurt Masur, der am Samstag im Alter von 88 Jahren verstorben ist. Der deutsche Stardirigent wird als "Kulturbotschafter", "Humanist" und "musikalische Legende" gewürdigt.

Die Musik war für den

Dirigenten Kurt Masur

mehr als nur ein Beruf. "Wenn man alle Menschen der Welt in einen Konzertsaal setzen könnte, würden sie zumindest für zwei Stunden friedvoll sein", sagte er einmal.

Im fortgeschrittenen Alter versuchte er, sich von seiner Parkinson-Erkrankung nicht aufhalten zu lassen. Seine Liebe zur Musik brachte ihn immer wieder zurück ans Pult - sogar im Rollstuhl. Sein unerbittliches Engagement für die Musik und seine humanistischen Ideale werden nun von Leipzig bis New York gelobt.

Matthew VanBesien, Vorsitzender der New Yorker Philharmoniker, deren Chefdirigent Kurt Masur von 1991 bis 2002 war, würdigte den Maestro: "Mit Kurt Masur verliert Deutschland einen herausragenden Dirigenten, der national und international einer der besten Kulturbotschafter seines Landes war und auf der ganzen Welt als großer Maestro geschätzt wurde." Auf Twitter trauerte das Orchester:

Auf der Homepage des Klangkörpers war zu lesen, dass Masur seinen Einsatz, Humanimus durch Musik auszudrücken, gerade bei den Ereignissen des 11. Septembers 2001 eindringlich unter Beweis gestellt habe. Masur habe wenige Tage danach mit dem Orchester ein berührendes Konzert mit Brahms' "Ein deutsches Requiem" geleitet.

Auch der jetzige Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker, Alan Gilbert, nannte die Zeit unter Masur eine "goldene Ära für das Orchester". Er lobte Engagement und Hingabe des Dirigentenkollegen. Masur habe fest an die "Macht der Musik" geglaubt, dass sie Menschen einander näher bringen könne. Sein Glaube daran sei "unerschütterlich" gewesen, erklärte Gilbert. Über Twitter schrieb er: "Danke für alles, was du für New York City getan hast."

Nach elf Jahren als Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker wurde Masur zu deren Musikdirektor auf Lebenszeit berufen. Nur einem weiteren Dirigenten des weltberühmten Orchesters, Leonard Bernstein, ist ein solcher Ehrentitel zuerkannt worden.

Auch das London Philharmonic Orchestra, dessen Chefdirigent Masur von 2000 bis 2007 war, schrieb über den Kurznachrichtendienst:

In einer Erklärung des Leipziger Gewandhausorchesters, dessen Kapellmeister Masur von 1970 bis 1996 war, schreibt sein Amtsnachfolger Riccardo Chailly: "Die Musikwelt verliert einen bedeutenden Dirigenten und eine herausragende Musikerpersönlichkeit. Ich bin dankbar, dass Kurt Masur das Gewandhausorchester während seiner Amtszeit musikalisch so nachhaltig geprägt hat."

Gewandhausdirektor Andreas Schulz äußerte sich ähnlich: "Er hat unser Gewandhausorchester und das Gewandhaus geprägt wie kein Zweiter. Wir sind ihm alle zu tiefstem Dank verpflichtet. In seiner Zeit als Gewandhauskapellmeister hat er Maßstäbe im Repertoire, insbesondere der Werke Felix Mendelssohn Bartholdys, aber auch mit dem Bau des 3. Gewandhauses, gesetzt." Im Hauptfoyer von Masurs langjähriger Wirkungsstätte wurde ein Kondolenzbuch ausgelegt.

"Wir trauern um einen brillanten Musiker, einen großen Humanisten und einen engagierten Kosmopoliten", schrieb Joachim Gauck in einem Kondolenzschreiben an Masurs Witwe Tomoko Sakurai-Masur. Zudem würdigte der deutsche Bundespräsident den Dirigenten für seine Rolle während der Wendezeit. "Viele Menschen werden niemals vergessen, wie er sich im Herbst 1989 für grundlegende Veränderungen in der DDR, für die Freiheit der Menschen und die Demokratie eingesetzt hat."

Masur appellierte in einem öffentlichen Aufruf "Keine Gewalt" 1989 an die Staatsgewalt der DDR, in einen Dialog mit den Bürgern zu treten und bei der Montagsdemonstration auf Gewalt zu verzichten. So trug er zum unblutigen Ende der DDR bei. Er sprach den Aufruf der "Leipziger 6", der über den Leipziger Stadtfunk verbreitet wurde. Mehr als 70.000 Menschen hörten den Appell. Mit Masur gehörte auch der Autor und politische Kabarettist Bernd-Lutz Lange zu den Verfassern des historischen Aufrufs. Im Interview mit der Deutschen Presseagentur beschreibt Lange den Aufruf als "Durchbruch zur Redefreiheit". Er habe Masur bei der Aktion als "eher entschlossen" erlebt. "Ich habe ihn immer wieder getroffen. Er war ein Freund der Kleinkunst. Für Masur gab es nicht U- oder E-Kunst, sondern nur gute und schlechte. Er hatte so ein erfülltes Leben. Was will ein Mensch mehr erreichen? Er hat so gebrannt für die Musik, auch wenn ihm zuletzt seine Krankheit starke Grenzen gesetzt hatte. Voriges Jahr zum 25. Jahrestag der friedlichen Revolution habe ich ihn das letzte Mal gesprochen. Er saß im Rollstuhl - aber im Kopf war er voll da."

Ein Star, der keiner sein wollte

Kulturstaatsministerin Monika Grütters würdigte Masur als einen "der besten Kulturbotschafter seines Landes". Er sei "eine musikalische Legende. Wir werden ihn sehr vermissen."

Bundesminister Frank-Walter Steinmeier fand ähnliche Worte: "Er war ein großer Künstler, der in der Musik stets die Botschaft von Menschlichkeit und Verständigung suchte und fand. Er strahlte als einzigartiger Musiker weit über Deutschland hinaus."

Der Maestro selbst hätte diese Würdigungen womöglich für überzogen gehalten. Weggefährten wie Bernd-Lutz Lange schildern Kurt Masur als bodenständig. Statt sich auf die Gästeliste setzen zu lassen, habe Masur auch mal für den Kauf einer Kabarettkarte angestanden. Als "Star" wollte er nie bezeichnet werden. "Der Unterschied zwischen einem großen Musiker und einem Star ist eklatant", meinte der Dirigent. Er sagte über sich, er sei scheu und gehemmt - und hätte immer an seiner musikalischen Vollkommenheit gezweifelt.

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