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Europa

Trauer um Klestil

Der Tod des österreichischen Bundespräsidenten Thomas Klestil hat europaweit Trauer ausgelöst. Klestil starb am Dienstagabend - nur einen Tag vor Ablauf seiner zweiten Amtszeit - an den Folgen eines Herzstillstands.

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Politiker würdigen Klestil als große Persönlichkeit


Österreichs Bundeskanzler Wolfgang Schüssel würdigte Klestil als große Persönlichkeit. Klestils bereits im April gewählter Nachfolger Heinz Fischer, der am Donnerstag vereidigt wird, sprach von einem "wirklich eindrucksvollen" Lebensweg, der "durch Pflichterfüllung bis zum letzten Atemzug" geprägt gewesen sei. Schüssel ordnete bis zum Begräbnis am Samstag Staatstrauer an.

Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler drückte der Witwe sein Beileid aus. Er habe mit großer Betroffenheit von Klestils Tod erfahren, schrieb Köhler in dem am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Beileidstelegramm. Als Bundespräsident habe sich Klestil in besonderer Weise um die deutsch-österreichischen Beziehungen und den europäischen Einigungsprozess verdient gemacht, schrieb Köhler.

Schröder würdigt Klestils Partnerschaft

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat seinem Wiener Kollegen Wolfgang Schüssel zum Tod des österreichischen Staatsoberhaupts Thomas Klestil kondoliert. In dem am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Schreiben erklärte Schröder, der Tod des Präsidenten erfülle ihn "mit Bestürzung und tiefer Trauer". Klestil habe die "Nachbar- und Partnerschaft zwischen unseren beiden Ländern gestärkt", schrieb Schröder.

Auch der scheidende Präsident des Europäischen Parlaments, Pat Cox, übermittelte der Familie Klestils und der österreichischen Bevölkerung sein Beileid. "Ich erinnere und würdige seine Hingabe, dem österreichischen Volk zu dienen, und seine ruhige und effektive Diplomatie", erklärte Cox in Brüssel.

Havel und Klaus bezeichnen Klestil als Freund

Der tschechische Präsident Vaclav Klaus und sein Vorgänger Vaclav Havel haben den gestorbenen österreichischen Bundespräsidenten Thomas Klestil als Freund Tschechiens gewürdigt. In einem Beileidstelegramm schrieb Klaus am Mittwoch: "Präsident Klestil hat sich zweifellos darum verdient gemacht, dass das Verhältnis zwischen Österreich und Tschechien trotz mancher Turbulenz zu einem Beispiel gutnachbarschaftlicher Beziehung wurde." Havel würdigte Klestil als "Politiker mit ausgeprägtem Gefühl für Kompromisse".

Klestil starb nach Angaben der behandelnden Ärzte im Kreis seiner Familie. Als Todesursache nannten sie multiples Organversagen. Der Gesundheitszustand Klestils hatte sich bereits am Dienstagvormittag dramatisch verschlechtert. Er war am Montag in die Klinik eingeliefert worden, nachdem er in seiner Villa einen Herzstillstand erlitten hatte. Die Ärzte hatten ihn in ein künstliches Koma versetzt.

Langjährige Gesundheitsprobleme

Der österreichische Bundespräsident litt schon seit Jahren unter Lungenproblemen. Im September 1996 wurde er mit einer so genannten atypischen Lungenentzündung ins Krankenhaus gebracht. Damals war das Staatsoberhaupt wochenlang ans Krankenbett gefesselt und kehrte erst im Januar 1997 in die Wiener Hofburg zurück. Im Juni

vergangenen Jahres wurde Klestil erneut wegen einer Lungenentzündung im Krankenhaus behandelt.

Als jüngstes von fünf Kindern wurde Klestil am 4. November 1932 in Wien geboren. Er studierte Wirtschaftswissenschaften und trat 1957 in den Staatsdienst ein. Als Mitglied der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) arbeitete er zunächst im Bundeskanzleramt, bevor

er 1959 für drei Jahre zur OECD nach Paris ging. Mehrere Jahre seines Berufslebens verbrachte Klestil in den USA. 1992 trat er die Nachfolge von Bundespräsident Kurt Waldheim an. Nachdem die ausländischen Kontakte unter Waldheim wegen dessen umstrittener Vergangenheit als Wehrmachtsoffizier abgekühlt waren, bemühte sich Klestil, die Beziehungen, besonders zu den europäischen Nachbarn, auf eine neue Basis zu stellen. So war er wesentlich an der Vorbereitung des österreichischen EU-Beitritts beteiligt. Bei seinem Staatsbesuch in Israel bekannte sich Klestil 1994 als erster österreichischer Bundespräsident zur Mitschuld seines Landes am Holocaust. (ali)

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