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Europa

Trauer in Russland

Die ersten Opfer von Beslan wurden beerdigt. Mehr als 350 Tote und 700 Verletzte hat es bei der Geiselnahme in einer Schule gegeben. Und die Zahlen steigen. Putin hat Fehler zugegeben und Staatstrauer angeordnet.

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Beisetzung in Beslan

Das Ausmaß der Geiselnahme in Südrussland ist noch immer nicht absehbar. Die Behörden sprechen von mehr als 350 Todesopfern - Tendenz steigend. Etwa die Hälfte der Toten sind Kinder. Berichte, wonach die Bergungsmannschaften von bis zu 500 Toten ausgehen, blieben bislang unbestätigt. Am Sonntag (5.9.2004) wurden die ersten Toten in der Stadt Beslan beerdigt. Die Stadtverwaltung teilte zuvor mit, dass noch immer bis zu 260 Menschen vermisst würden, die meisten von ihnen Kinder.

Gefahr unterschätzt

Nordossetien Feuerwehrmann in der ausgebrannten Turnhalle Geiselnahme

Ein Feuerwehrmann in der verwüsteten Turnhalle der Schule in Beslan

Präsident Wladimir Putin hat sich nach der Geiselnahme in Südrussland für eine Reform der Sicherheitskräfte ausgesprochen. Internationale Terroristen hätten Russland den Krieg erklärt, sagte Putin am Samstag (4.9.2004) in einer Fernsehansprache an die Nation. In seiner ersten offiziellen Stellungnahme zu dem Drama räumte er ein, die dem Staat drohende Gefahr unterschätzt zu haben: "Wir müssen zugeben, dass wir die Komplexität und Gefahren der Prozesse, die in unserem Land und in der Welt ablaufen, nicht verstanden haben."

Die Reaktion auf das Geiseldrama bezeichnete Putin einen Tag nach dem Sturmangriff der Sicherheitskräfte als unangemessen: "Wir waren nicht in der Lage, adäquat zu reagieren." Vor seiner landesweit übertragenen Fernsehansprache war Putin am Samstag von einem Besuch in der Stadt Beslan zurückgekehrt.

Landesweite Staatstrauer

Wladimir Putin Fernsehansprache

Wladimir Putin bei seiner Fernsehansprache

Putin kündigte eine Neuordnung der Streitkräfte im Nordkaukasus an. Die Sicherheitskräfte in der Region würden umgruppiert, um die Koordinierung von Armee, Polizei und Inlandsgeheimdienst zu verbessern. Allein in der Teilrepublik Tschetschenien, die nicht größer als das Bundesland Schleswig-Holstein ist, stehen schätzungsweise 70.000 russische Soldaten. Zum Gedenken an die vielen Toten des Geiseldramas von Beslan hat Putin für Montag und Dienstag eine landesweite Staatstrauer angeordnet.

Mehr als 1000 Opfer

Trauender Mann Geiselnahme an Schule in Nordossetien - danach

Trauer in Beslan

Insgesamt soll es bei dem Geiseldrama mehr als 1000 Opfer gegeben haben: Neben mindestens 350 Toten sind laut Agenturangaben mehr als 700 Menschen verletzt worden.

Pro-tschetschenische Extremisten hatten die Schule in Beslan am Mittwoch (1.9.), dem ersten Schultag nach den Sommerferien, besetzt und etwa 1200 Kinder, Lehrer und Eltern als Geiseln genommen. Die Erstürmung durch Sicherheitskräfte war nach Angaben der Behörden nicht geplant. Mehr als 48 Stunden mussten die Geiseln unter dramatischen Bedingungen ohne Nahrung und Medikamente in dem Gebäude ausharren.

Stundenlange Feuergefechte

Geiselnahme an Schule in Nordossetien

Nach der Rettung

Nach einigen Explosionen am Freitag nutzten Geiseln die Gelegenheit zur Flucht, woraufhin die Extremisten das Feuer eröffneten. Sicherheitskräfte und bewaffnete Bewohner schossen zurück, um den Flüchtenden zu helfen. Schließlich stürmten Eliteeinheiten das Schulgebäude. Die Feuergefechte dauerten stundenlang an. Die Geiselnehmer sollen Sprengstoff und Bomben an mehreren Stellen im Schulgebäude verteilt haben, die aber nicht alle gezündet wurden. Während der Erstürmung stürzte das Dach der Turnhalle ein.

Der blutige Ausgang des Geiseldramas löste weltweit Erschütterung aus. Papst Johannes Paul II. äußerte sich entsetzt und erklärte, er bete für die Opfer und ihre Familien. Zugleich warnte Johannes Paul II. Moskau indirekt vor einer weiteren Zuspitzung der Lage im Kaukasus: "Die Spirale von Hass und Gewalt darf nicht die Oberhand gewinnen", sagte das katholische Kirchenoberhaupt. Der amerikanische Präsident George W. Bush sicherte Russland die Unterstützung der USA beim Kampf gegen Terroristen zu. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer verurteilten die Tat der Geiselnehmer als abscheuliches Verbrechen. (kap)

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