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Altkanzler Kohl ist tot

Trauer in Oggersheim

Zu seiner pfälzischen Heimat pflegte Helmut Kohl ein besonderes Verhältnis. Und so wurde der Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim, wo sein Haus steht, berühmt. Hier starb der Bundeskanzler im Beisein seiner zweiten Frau.

Helmut Kohl ist tot Trauer (picture alliance/dpa/U.Anspach)

Nachbarn erweisen dem Verstorbenen die Ehre und legen Blumen vor Kohls Haus ab

Es spricht sich auch in der Nachbarschaft in Oggersheim schnell herum, dass Altkanzler Helmut Kohl im Alter von 87 Jahren gestorben ist. Sichtbar wird das Ereignis zuerst vor allem durch das Anrücken der Polizei, die das Gelände um den unauffälligen Bungalow weiträumig absperrt. Neben vielen Pressevertretern, die darüber berichten, kommen auch einfache Bürger. Sie legen Blumen nieder und zünden Kerzen für den langjährigen Kanzler an.

Ein Bier mit Nachbarn im Garten

Der heimatverbundene Kohl war auch in seinem Stadtviertel präsent. Er sei öfter mal in der Nachbarschaft unterwegs gewesen und habe sich mit Leuten unterhalten, selbst in Zeiten der Kanzlerschaft (1982 - 1998), sagt Rudolf Wieland der Deutschen Presseagentur (dpa). Der 71-Jährige wohnt schräg gegenüber des Kanzlerbungalows. In den letzten Jahren habe man den Kanzler aber nur noch selten zu Gesicht bekommen. "Durch die Krankheit hat sich sein Aktionsradius immer weiter verkleinert." Kohl saß seit 2008 nach einem schweren Sturz mit folgendem Schädel-Hirn-Trauma im Rollstuhl.

Wohnhaus von Altkanzler Helmut Kohl Ludwigshafen Oggersheim (picture-alliance/dpa/R.Wittek)

Das Haus der Familie Kohl in Oggersheim. Hier starb auch Kohls erste Frau Hannelore

Ein Bungalow mit Geschichte

Das Haus in der Marbacher Straße war auch Schauplatz von großer Politik – und wegen der notwendigen Sicherheitsvorkehrungen Herausforderung für die Nachbarn. Kohl lud immer wieder Staatsgäste zu sich nach Hause ein. So kamen zum Beispiel der russische Präsident Boris Jelzin, die britische Premierministerin Margret Thatcher und der amerikanische Präsident Bill Clinton zu Besuch. Sie wurden dort auch mit Kohls Lieblingsgericht, dem Pfälzer Saumagen, konfrontiert.

"Eine Figur aus meiner persönlichen Geschichte"

Zu jenen, die am Freitag Blumen zum Haus von Kohl bringen, gehört auch der 27-jährige Stefan Ehlers. Er sei im September 1989 im damaligen Ost-Berlin zur Welt gekommen, erzählt er. "Ich bin im Jahr des Mauerfalls zur Welt gekommen. Daher ist Helmut Kohl auch eine Figur aus meiner persönlichen Geschichte." Seit einem Jahr lebe er aus beruflichen Gründen in der Pfalz. Als Ehlers von Tod Kohls hörte, kaufte er Blumen und machte sich auf den Weg nach Oggersheim.

Helmut Kohl ist tot Sohn Walter Kohl (picture alliance/dpa/U. Anspach)

Jahrelang keinen Kontakt zum Vater: Walter Kohl

Trauerbesuch des Sohnes

Aufmerksamkeit erhielt auch Kohls Sohn Walter, der erst am Todestag in sein Elternhaus kam. Kohl hatte nach der Heirat seiner zweiten Frau, Maike Kohl-Richter, allen Kontakt mit seinen beiden Söhnen abgebrochen. Walter Kohl äußerte sich nach dem Besuch am Totenbett "tief betroffen". Es sei "schade, wenn man nicht in der Lage ist, Dinge in diesem Leben zu regeln", so Kohls Sohn. Er habe dies über "verschiedene Kanäle versucht", eine Aussöhnung fand jedoch nicht statt. "Sie sehen einen Menschen, der sehr traurig ist."

Kohl und der Dom zu Speyer

Der Staatsakt zu Ehren des verstorbenen Altkanzlers wird vermutlich auch in seiner Heimat Rheinland-Pfalz stattfinden. Als Ort seien sein Geburtsort Ludwighafen oder Speyer im Gespräch, teilte die Staatskanzlei Rheinland-Pfalz auf Anfrage der dpa mit. Dem Speyerer Dom war Kohl immer sehr verbunden. Der dortige Bischof Karl-Heinz Wiesemann sagte: "Er hat sich in außergewöhnlicher Weise um den Erhalt des Speyerer Doms verdient gemacht und entscheidend dazu beigetragen, Menschen für den Dom zu begeistern." Kohls letzter Besuch in dem Dom war in der vergangenen Vorweihnachtszeit. Der Organist spielte ihm Advents- und Weihnachtslieder vor, darunter "Stille Nacht, Heilige Nacht", wie das Bistum Speyer später berichtete.

fab/uh (dpa, afp)

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