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Sport

Transparency: Mehr Druck auf FIFA durch Sponsoren

Nachdem mehrere leitende FIFA-Funktionäre Woche verhaftet wurden, werden die Rufe nach mehr Transparenz lauter. Doch wie hoch sind die Chancen, dass sich die FIFA öffnet? Deborah Unger von Transparency International.

DW: Inwieweit wuchern Schutzgelderpressung und Geldwäsche in der Organisation ?

Deborah Unger: Das US-Justizministerium hat es institutionalisierte Korruption genannt. Ich denke, die Anklagen betreffen hauptsächlich Dinge wie Werbung und Marketing. Ich denke nicht, dass die gesamte FIFA davon betroffen ist. Man konzentriert sich jetzt auf die Spitze, auf Leute, die die Macht haben, Entscheidungen zu treffen.

Joseph "Sepp" Blatter und Jordaniens Prinz Ali bin al-Hussein waren im Rennen um die FIFA Präsidentschaft. Hat jemand von ihnen Reformen für mehr Transparenz vorgeschlagen ?

Ich könnte mir vorstellen, dass Blatter sagen würde, er hatte einen Reformplan, den er 2011/ 2012 startete. Wir aber würden sagen, der Plan hat nicht funktioniert. Er hat einige Reformen eingebracht, die wir und ein unabhängiges FIFA-Komitee gefordert hatten. Es wurde ein Komitee aus zwei Kammern geschaffen. Eine für Untersuchungen und eine für Strafen. Beide Kammern führten eine ganze Reihe von Reformen innerhalb der gesamten FIFA ein.

Jedoch haben sie einige entscheidend wichtige Dinge nicht erreicht, die für jedes große Geschäft unabdingbar sind. So gibt es keine Aufsicht des Führungs-Komitees. Das ist das Schlüsselproblem, weil es nach den vorliegenden Anklagen die Leute ganz an der Spitze sind - die Entscheidungsträger - die für die Korruption verantwortlich sind.

Wir haben im Vorfeld der Wahl bereits alle Kandidaten befragt. Jeder sagte, er sei für mehr Transparenz. Außer Blatter, der nicht geantwortet hat. Aber niemand gab uns wirklich konkrete Antworten auf unsere Fragen.

Ist es möglich, dass das Ausmaß an Korruption bis in die letzten Weltmeisterschaften zurück reicht?

Aus der Anklage des US-Justizministeriums wird deutlich, dass auch die Meisterschaft in Südafrika untersucht wird. Jack Warner, der verhaftet wurde, soll angeblich Leute in dem Fall bestochen haben. Die ganze Korruptionsgeschichte reicht zwei Jahrzehnte zurück. Das ist einer der Gründe, warum wir glauben, Blatter sollte zurücktreten.

Was kann die FIFA tun, um die Korruption in der Organisation zu bekämpfen ?

Lasst die Leute wissen, was ihr tut. Die FIFA ist eine notorisch verschlossene Organisation. Wir wissen zum Beispiel nichts über die Gehaltsstrukturen der Führungskräfte. Unternehmen dieser Größe müssen dies normalerweise alles veröffentlichen. Wir kennen weder die Interessenskonflikte - wenn es solche gibt - noch wissen wir, wie die Entscheidungen für Verträge zustande kommen. Wenn man nicht leitende Direktoren in die Führungsebene aufnehmen würde, hätte man eine unabhängigere Übersicht.

Und noch ein Punkt: Wenn leitende Fürhungskräfte eingestellt werden, sollten sie mit gebotener Sorgfalt auf ihren gesamten Hintergrund und ihre Eignung geprüft werden. Die FIFA hat das immer zurückgewiesen. Das führte dazu, dass verschiedene Verbände einfach selbst ernannte Leute platziert haben.

Welcher Druck könnte die FIFA zu Veränderungen drängen ?

Wir erleben, dass Sponsoren jetzt deutlicher und strenger auftreten als zuvor. Ich denke, Sponsoren können jetzt mehr Druck auf die FIFA begründen. Jetzt geht es an den Geldbeutel. Sie bezahlen der FIFA schließlich Millionen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Sponsoren zu einer FIFA stehen, die 14 Anklagen gegen ihre Führungskräfte erhalten hat. Sie wollen nichts mit einer korrupten Organisation zu tun haben. Sie wollen, dass man sie mit wundervollen Spielen in Verbindung bringt. Ich denke, sie sollten den Druck aufrecht erhalten. Sie sollten die FIFA drängen, sich zu verändern.

Deborah Unger leitet bei Transparency International die schnelle Reaktionseinheit und hat sich intensiv mit den Untersuchungen der FIFA-Praktiken beschäftigt.

Das Interview führte Lewis Sanders.

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