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Kommentar: Weg mit dem Blatter-System!

Mit einer großen Show beginnt der denkwürdige 65. FIFA-Kongress - mit einer Farce wird er enden: der Wiederwahl des unvermeidlichen Sepp Blatter. Und dennoch gibt es Zeichen der Hoffnung, meint Joscha Weber.

Alles wie immer. Zumindest soll der Eindruck entstehen. Mit reichlich Spektakel beginnt am Donnerstagabend der FIFA-Kongress: Trommler, Fahnenschwenker, Violinistinnen, Opernsänger, Rapperinnen und jugendliche Breakdance-Tänzer – um nur eine Auswahl des bunten Treibens zu nennen – wirbeln über die Bühne des noblen Zürcher Theaters 11, während die meist betagten Herrschaften Funktionäre mehr oder weniger aufmerksam lauschen. Mit einer großen Show beginnt er, dieser in jeder Hinsicht außergewöhnliche Kongress des Weltfußballs, wie passend. Mit einer großen Farce wird er enden.

DW-Sportredakteur Joscha Weber (Foto: DW)

DW-Sportredakteur Joscha Weber: "Joseph Blatter trägt die politische Verantwortung"

Die erneute Krönung Joseph S. Blatters zum König des Fußballs ist beschlossene Sache. Leider. Mit der Zusicherung der Stimmen aus Asien, Afrika und einigen kleineren Nationen hat Blatter seine Mehrheit beisammen. Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen hin, wütende Proteste her. Eine absurde Situation. Blatter verantwortet das System der Provisionen und Gefälligkeiten, er selbst hat es gemeinsam mit seinem berüchtigten Vorgänger João Havelange eingeführt – und mimt doch den Ahnungslosen. Er könne nicht alle kontrollieren, sagte Blatter entschuldigend vor den Funktionären, die er seine "FIFA-Familie" nennt. Und diese Familie hält er – abgesehen von seinen europäischen Widersachern – trotz der jüngsten Enthüllungen immer noch erstaunlich gut auf Linie. Eine bemerkenswerte Fähigkeit des kleinen Conferenciers aus dem Kanton Wallis – auch mit 79 beherrscht er noch die Kunst der Manipulation. Man dürfe nicht zulassen, dass der Ruf der FIFA in den Dreck geworfen werde, so Blatter. Übersetzt heißt das: Möge der äußere Feind uns im Innern wieder vereinen.

Es ist Zeit für den Wandel

Mit dieser Taktik triumphierte der Schweizer schon bei der Wahl 2011, als ebenfalls Kritik und Korruptionsvorwürfe laut wurden – im Innern des Schweizer Hallenstadions aber heile Welt herrschte. Doch dieses Mal ist die Lage ernster. Ja, die FIFA und ihre Führungsriege haben schon einige Krisen durchgestanden. Nachgewiesene Schmiergeldzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe hat es bereits gegeben, bestechliche Funktionäre sowieso und ramponiert ist das Image des Weltverbands schon lange. Ähnliche Vorwürfe wie die aktuell im Raum stehenden Verfahren gegen hochrangige FIFA-Funktionäre gab es also. Neu sind aber die massive staatliche Untersuchung der FIFA-Mauscheleien in den USA und in der Schweiz sowie der weltweite Sturm der Empörung. Zwei Faktoren, die nun tatsächlich einen Wandel bewirken können – ja, müssen.

Michel Platini (Foto: Reuters)

À vous, Monsieur Platini: Der UEFA-Chef muss nun zeigen, dass er es ernst meint

Die parallel laufenden Ermittlungen der New Yorker Staatsanwaltschaft und der Schweizer Bundesanwaltschaft sind die lang ersehnte Chance für einen Neuanfang an der Spitze des Weltfußballs. Das, was von Blatter und seinen Gefolgsleuten als "schlechte Nachrichten" tituliert wird, ist in Wahrheit ein Segen für den Fußball. Endlich wird einer breiten Öffentlichkeit bewusst, dass die FIFA seit Jahren von Korruption durchsetzt ist, dass Selbstkontrollgremien wie die so genannte "Ethikkommission" bestenfalls Blendwerk sind und dass ein Mann dafür die politische Verantwortung trägt, der die FIFA seit 34 Jahren prägt wie kein Zweiter: Joseph. S. Blatter.

Die europäische Opposition muss nun Ernst machen

Seine Wiederwahl wird nicht zu verhindern sein. Zu sehr profitieren insbesondere die kleineren Fußball-Verbände von seinen großzügigen (Wahlkampf-)Zuwendungen in Form von Geld und Pöstchen. Dennoch darf die von Europa angeführte und durch die jüngsten Enthüllungen gestärkte Opposition den Kampf gegen Blatter nicht aufgeben. Im Gegenteil: Gemeinsam mit den mächtigen Sponsoren, die erstmals offen der FIFA mit einer Abkehr drohen, und getragen von vielen frustrierten Fußballfans müssen UEFA und Sympathisanten zeigen, dass es eine Alternative zum korrupten Blatter-System gibt, dass sie ihre Drohungen eines WM-Boykotts ernst meinen.

Die Ankündigung, dass sich die US-Ermittlungen lediglich auf der "ersten Etappe" befinden, macht Hoffnung. Längst wird über eine weitere Liste berichtet, auf der weitere 25 Personen stehen, gegen die die US-amerikanische Bundespolizei ermitteln will. Blatter selbst gibt zu, dass er noch mit weiteren Enthüllungen rechne. Dies alles ist also erst der Anfang. Hoffen wir für den Weg zu einer besseren FIFA.

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