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Welt

Touristenattraktion Costa Concordia

Das Wrack des Kreuzfahrtschiffes liegt noch immer vor der italienischen Küste. Für Touristen ist es ein beliebtes Fotomotiv. Für die Bergungsarbeiter bleibt die Costa Concordia eine riskante Herausforderung.

Es geschah am 13. Januar: Vor der Küste der italienischen Insel Giglio rammt die Costa Concordia einen Felsen. An Bord: über 4200 Passagiere und Besatzungsmitglieder. Wasser dringt ein, das Schiff gerät in Schieflage, Hektik macht sich breit. Kapitän Franceso Schettino rettet sich als einer der ersten. Die meisten Passagiere müssen dagegen Stunden ausharren, bevor sie evakuiert werden.

30 Menschen sterben, zwei werden noch vermisst. Ein halbes Jahr später liegt das gekenterte Wrack noch immer vor Giglio. Es ist zum Anziehungspunkt für Tagestouristen geworden, zum Leidwesen der Hoteliers der Insel.

1,50 Euro Eintrittsgebühr

Seit dem 1. Juli erheben die Behörden auf Giglio eine Eintrittsgebühr. "Sie betrifft die zahlreichen Touristen, die nur für einen Tag kommen, also nur um das Schiff zu sehen und sich dort zu fotografieren", sagt Mariangela Traficante, Tourismus-Expertin und Journalistin beim italienischen Reisemagazin Guida Viaggi. Der Betrag sei zwar minimal, aber die Behörden erhofften sich dadurch, die Anzahl der Tagestouristen zu reduzieren. "Die Menschen bleiben nicht über Nacht hier, sie geben kein Geld aus, das erfreut die Hoteliers überhaupt nicht", ergänzt Traficante.

Taucher mit Schlauchbooten suchen vor der Insel Giglio (Italien) wieder nach Vermissten vom havarierten Kreuzfahrtschiff Costa Concordia. (Foto: dapd)

Der 50.000 Tonnen schwere Ozeanriese soll bis Ende des Jahres an Land befördert werden

Trotzdem waren die Hotels über die Ostertage voll. Auch dank der lokalen Regierung, die die Tourismusbranche tatkräftig unterstützt. Erst vor wenigen Monaten hat die Region Toskana eine internationale Medienkampagne gestartet – auf Messen und Ausstellungen weltweit soll für die Insel Giglio geworben werden. Der Minister für Tourismus habe sogar die Region besucht und seine Unterstützung zugesichert, sagt Traficante. "Die internationalen Medien berichten nur über diese Touristen, die kurz kommen, um das Wrack zu sehen – das ist ein Problem für die Behörden hier. Sie denken, dass so das Image der Insel als beliebte Touristengegend verzerrt wird."

Die Konsequenzen für die Natur

Der Ort Giglio auf der Insel Giglio in Italien (Foto: dapd)

Die Insel Giglio liegt im Naturschutzgebiet der Toskana

Einen Monat nach der Havarie wurde mit dem Abpumpen des Öls aus den Tanks des Schiffes begonnen. Diese hochriskante Operation habe für die Umwelt keine negativen Folgen gehabt, sagt Giovanna Amorosi vom Nationalpark Arcipelago Toscano. Mehrere wissenschaftliche Analysen über den Zustand des Meeresbodens wurden seit Januar gemacht. "Alle bestätigen, dass keine Umweltverschmutzung um die Insel von Giglio nachzuweisen ist", sagt die Naturschützerin.

Doch das Schwerste steht der Umwelt noch bevor. Vor einem Monat begann die Bergung des Wracks. Ein Jahr sollen die Arbeiten dauern. "Die größte Herausforderung wird sein, die Costa Concordia als Ganzes an Land zu befördern, um so die Umwelt nicht zu gefährden", erklärt Carlo Femiani, Meeresingenieur bei der italienischen Firma Micoperi, die an den Bergungsarbeiten beteiligt ist. Es soll vermieden werden, dass Teile des Wracks abbrechen. Sie könnten zu einer Gefahr für die Umwelt werden. Der Bergungsexperte Femiani gibt sich trotzdem zuversichtlich: "Wir rechnen mit einem Erfolg der Operation."

Der Kapitän und seine Sichtweise

Porträtbild von Francesco Schettino, der Kapitän der Costa Concordia (Foto: dapd)

Francesco Schettino: der Schiffsbruch - ein "banaler Unfall"

Unterdessen macht der Kapitän der Costa Concordia, Franceso Schettino, der inzwischen aus dem Hausarrest entlassen wurde, neue Schlagzeilen: Er sei selbst "Opfer des Systems" und glaube nicht, "ein Verbrechen begangen zu haben", sagte er dem Privatsender Canale 5. Dennoch laste das "Gewicht der 32 Todesopfer" auf seinem Gewissen, und er wolle "alle um Vergebung bitten". Die Staatsanwaltschaft wirft dem Kapitän unter anderem mehrfache fahrlässige Tötung, Havarie und Verlassen seines Schiffes während der nächtlichen Evakuierung vor. Die Ermittlungen gehen jedoch schleppend voran. Bis zu einem Prozess könnten noch Jahre vergehen.