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Wirtschaft

Tourismus leidet unter dem Terror

Terrorismus hat die Reiselust der Deutschen in den vergangenen Jahren nicht dämpfen können. Doch die Anschläge in Istanbul bringen neue Unsicherheit.

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Terror bedroht Türkei-Tourismus

Am Abend nach dem Anschlag seien zehn seiner 15 Gäste fluchtartig abgereist, erzählt Volkan Özkan, der ein kleines Hostel in der Nähe der blauen Moschee betreibt. Viele Reiseveranstalter bieten kostenlose Umbuchungen oder Stornierungen für Türkei-Reisen an. Das Auswärtige Amt spricht einen Reisehinweis für die Türkei aus: Reisenden in Istanbul und anderen Großstädten der Türkei werde dringend geraten, Menschenansammlungen auch auf öffentlichen Plätzen und vor touristischen Attraktionen zu meiden. "Der Terrorismus wendet sich direkt und ohne Umschweife gegen Touristen. Das ist eine neue Dimension", sagt Martin Lohmann vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Kiel.

Dabei gehörte die Türkei in den vergangenen Jahren eigentlich zu den Gewinnern unter den Mittelmeerländern. Nach Untersuchungen im Auftrag des Welttourismusverbands WTTC hängen in der Türkei rund zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts und mehr als zwei Millionen Jobs direkt oder indirekt am Tourismus. Seit 2012 strömten jedes Jahr mehr Deutsche in das Land. 2015 waren es nach türkischen Behördenangaben 5,5 Millionen Gäste aus Deutschland. Das Land war nach Spanien und Italien zuletzt das beliebteste Auslandsreiseziel der Deutschen. Ob das allerdings nach dem tragischen Jahresauftakt so bleiben wird, ist noch unklar. Derzeit laufen die Buchungen für den Sommer. "Die Wirkung solcher Anschläge ist meist regional und zeitlich begrenzt", sagt Lohmann.

Am Dienstagvormittag waren bei einem Selbstmordanschlag im Zentrum Istanbuls zehn deutsche Touristen getötet und weitere Personen zum Teil schwer verletzt worden. Für den Anschlag hatte der Attentäter eine von Touristen stark besuchten Gegend in unmittelbarer Nähe der Hagia Sophia und der Blauen Moschee gewählt.

Nach Terror in Tunesien bleiben die Touristen weg

Wie schnell sich Urlauber von einem Reiseland abwenden können, zeigt das Beispiel Tunesien: Das Land zählt mit mehr als 400.000 Urlaubern aus Deutschland in den vergangenen Jahren zu den beliebtesten Reisezielen in Nordafrika und erholte sich nach einem Einbruch im Jahr des arabischen Frühlings schnell wieder. Nach den Attacken auf das Bardo-Museum in Tunis und auf Urlauber am Strand von Sousse im vergangenen Jahr blieben die für Tunesien so wichtigen Touristen allerdings erneut weg. Der Deutsche Reise-Verband (DRV) spricht von einem Rückgang im zweistelligen Prozentbereich - dabei hatte Deutschland keine Reisewarnung für das Land ausgesprochen.

Das relativ stabile Marokko profitierte dagegen von der Unsicherheit anderer Länder in der Maghreb-Region. Die Zahl der deutschen Urlauber konnte sich von 2012 bis 2014 mehr als verdoppeln. Im vergangenen Jahr notierte der DRV noch einmal zehn Prozent Plus.

In der Branche ist jetzt schon sicher, dass sich die Reiseströme am Mittelmeer in diesem Jahr weiter nach Westen verlagern werden. Spanien dürfte von der Unsicherheit in den arabischen Ländern profitieren - und auch das liebste Reiseland der Deutschen: Deutschland selbst.

hmf/uh (afp, dpa)

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