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Politik

Tote in Tibet

Die größten antichinesischen Proteste in Tibet seit fast zwei Jahrzehnten eskalieren. In Lhasa wird geschossen, es gab mehrere Tote. Auch in anderen Städten gibt es Unruhen.

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Protestanten und Polizisten prügeln sich

Bei Protesten in der tibetischen Hauptstadt Lhasa sind am Freitag (14.3.2008) offenbar mehrere Menschen getötet worden. Dies teilte eine Sprecherin der städtischen Notfallzentrale der Nachrichtenagentur AFP mit. "Es gibt viele Verletzte. Einige sind ganz sicher gestorben, aber ich weiß nicht wie viele", sagte die Sprecherin der Rettungsdienste über Telefon. Der Rundfunksender Radio Free Asia hatte zuvor unter Berufung auf Augenzeugen berichtet, zwei Menschen seien in Lhasa getötet worden.

In Lhasa wurde offensichtlich geschossen. Dies teilte US-Botschaft in Peking am Freitag unter Berufung auf die Aussagen von US-Bürgern mit, die sich in Lhasa aufhielten und die Schüsse gehört hatten. Andere Touristen hatten zuvor telefonisch von einem massiven Aufgebot der chinesischen Sicherheitskräfte gesprochen, die gegen Demonstranten in Lhasa vorgingen. Seit Anfang der Woche gab es Proteste gegen die Herrschaft Chinas in Tibet.

China Tibet Demonstration in Lhasa Polizei

Polizei in Lhasa

Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua sprach von Verletzten. Der Flughafen von Lhasa wurde nach Angaben von Reisenden unter Militärkontrolle gestellt worden. Es könnten keine Flugtickets gekauft werden, um Tibet zu verlassen, obwohl nicht alle Sitze in Maschinen ausgebucht seien, berichtete eine Reisende.

Geschäfte in Flammen

Mehrere Geschäfte gingen in der Altstadt um den Jokhang-Tempel in Flammen auf, wie staatliche chinesische Medien berichteten. Augenzeugen berichteten, aufgebrachte Tibeter hätten Polizisten und Feuerwehrleute attackiert sowie Polizei- und Feuerwehrwagen umgestürzt und in Brand gesteckt.

In der Nacht seien alle drei buddhistischen Klöster abgeriegelt worden, berichtete die in Washington ansässige Internationale Kampagne für Tibet. Auch in der Stadt Xiahe sind nach Angaben der Kampagne Freies Tibet hunderte Mönche aus dem Labrang-Kloster durch die Straßen marschiert.

Am Freitag sind nach Angaben von Exil-Tibetern auch in der Stadt Sangchu Menschen auf die Straße gegangen. Das Tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) mit Sitz im nordindischen Dharamsala teilte mit, zunächst hätten in Sangchu rund 50 buddhistische Mönche vom Labrang-Tashikyil- Kloster demonstriert. Sie hätten die verbotene tibetische Flagge gezeigt und Unabhängigkeit für Tibet gefordert.

TCHRD teilte weiter mit, tausende Demonstranten, darunter mehrere hundert Mönche aus dem Kloster, hätten sich den Protesten angeschlossen. Die Polizei habe mit scharfer Munition in die Luft geschossen, als sich Demonstranten einem Hauptquartier der Sicherheitskräfte genähert hätten.

Dalai Lama ruft zur Ruhe

China Tibet Demonstration in Lhasa Polizei

Polizei auf dem Jokhang Platz in Lhasa (10.3.)

Angesichts der Eskalation hat der Dalai Lama die chinesische Regierung und die Demonstranten zur Gewaltlosigkeit aufgerufen. Das spirituelle Oberhaupt der Tibeter teilte am Freitag in seinem Exil im Dharamsala mit, er sei "tief beunruhigt" über die Entwicklung in seiner von China besetzten Heimat. Die friedlichen Proteste der vergangenen Tage seien "Ausdruck des tief verwurzelten Ärgers des tibetischen Volkes" unter der chinesischen Regierung.

"Einheit und Stabilität unter roher Gewalt ist im besten Falle eine kurzzeitige Lösung", erklärte der Dalai Lama. "Es ist unrealistisch, Einheit und Stabilität unter solch einer Herrschaft zu erwarten." Er appelliere an die chinesische Regierung, "aufzuhören, Gewalt zu gebrauchen, und die lange schwelenden Ressentiments des tibetischen Volkes durch Dialog mit dem tibetischen Volk anzusprechen". Seine Landsleute bitte er dringend darum, den Ausweg nicht in der Gewalt zu suchen.

US-Präsident George W. Bush setzt sich für einen Dialog zwischen der chinesischen Führung und dem religiösen Oberhaupt der Tibeter, dem Dalai Lama, ein. Darauf verwies der stellvertretende Sprecher des Weißen Hauses, Tony Fratto, am Freitag in Washington. Das Weiße Haus erwarte von Peking, die Kultur der Tibeter und die Unterschiedlichkeit der Volksgruppen in der chinesischen Gesellschaft zu respektieren. Die USA bedauerten die gegenwärtigen Spannungen zwischen ethnischen Gruppen und Peking, so Fratto.

Reisewarnung

Angesichts der Ausschreitungen hat das Auswärtige Amt von Reisen in das autonome Gebiet bis auf weiteres abgeraten. "Über das genaue Ausmaß und die Dauer der Zwischenfälle ist noch nichts bekannt. Es muss mit weiteren Ausschreitungen gerechnet werden", hieß es am Freitag auf der Internetseite des Ministeriums in Berlin. Reisende vor Ort sollten "besondere Vorsicht walten lassen und den Anweisungen der Sicherheitsbehörden Folge leisten", riet das AA weiter. Die Botschaft in Peking sei eingeschaltet und habe mit den Reiseveranstaltern Kontakt aufgenommen.

Ein Ministeriumssprecher sagte auf Anfrage, die Bundesregierung beobachte die Entwicklungen in Lhasa "mit Sorge und ruft alle Seiten auf, Gewalt unbedingt zu vermeiden". Friedliche Demonstrationen seien aus Sicht der Bundesregierung "legitimer Ausdruck des Rechts auf Meinungsfreiheit". (sams)

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