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Asien

Geschlossene Gesellschaft am Everest

China hat den Mount Everest auf der tibetischen Seite bis zum 10. Mai für internationale Expeditionen gesperrt - offiziell wegen zu großen Andrangs am höchsten Berg der Erde. Doch diese Begründung ist nur vorgeschoben.

Der Mount Everest (Foto: Qi pingshu (c) dpa - Report)

Der Mount Everest soll für die Olympischen Spiele werben - dabei darf kein Bergsteiger stören.

"Starke Kletteraktivitäten, überfüllte Aufstiegsrouten und zunehmende Umweltprobleme gefährden in diesem Frühjahr die Sicherheit in der Region", heißt es in dem Schreiben des von Peking kontrollierten tibetischen Bergsteiger-Verbands an die Veranstalter. Deshalb müssten Expeditionen auf die Zeit nach dem 10. Mai verschoben werden.

Damit ist die Saison am Mount Everest so gut wie ad acta gelegt. Anfang Juni muss mit dem Monsun gerechnet werden. Die Zeit bis dahin wäre gerade für die kommerziellen Everest-Expeditionen zu kurz, um sich ausreichend zu akklimatisieren, Hochlager aufzubauen, die Route abzusichern und aufzusteigen. Die jetzt verkündete Sperrung gilt auch für den Cho Oyu, einen Achttausender in unmittelbarer Nähe des Everest.

Auch Nepal sollte den Everest sperren

Die Begründung hält einer Überprüfung der Fakten nicht stand. Schließlich haben die Chinesen in den vergangenen Jahren die nun angeprangerten Zustände am Mount Everest selbst gefördert. Sie verlangten für die Besteigung deutlich niedrigere Gebühren als Nepal und lockten damit viele Veranstalter auf die tibetische Seite des Bergs.

(Quelle: Dieter Porsche)

Die Nordwand des Mount Everest

Es liegt also auf der Hand, dass es China vielmehr darum geht, seine spektakulärste Olympia-Aktion, den Fackellauf auf den Gipfel des Mount Everest, durchzuziehen, ohne sich von Tibet-Aktivisten stören lassen zu müssen. Schließlich hatte die Führung in Peking zuvor - ohne Erfolg - an Nepal appelliert, auch die Südseite des Bergs für die Zeit der Fackel-Expedition zu sperren.

Olympische Fackel am Everest - Störung verboten!

China erhöhte für 2008 die Everest-Gebühren und verlangte überwiegend nationale Expeditionen statt bunt gemischter internationaler Gruppen. Die Zahl der Anmeldungen sank daraufhin im Vergleich zu früheren Jahren - in den Augen der chinesischen Behörden offenbar nicht weit genug.

Schon 2007 wollten sich die Chinesen am Everest nicht in die Karten sehen lassen. Um das Basislager einer Vorbereitungs-Expedition für die Fackel-Besteigung wurde ein Zaun gezogen. Chinesische Soldaten bewachten das Camp. Vier US-Bürger, die am Everest auf einem Plakat Freiheit für Tibet forderten, wurden ausgewiesen.

Ähnliches soll sich offenbar nicht wiederholen. Dafür ist China auch bereit, auf satte Einnahmen zu verzichten, die Jahr für Jahr zusammenkommen, wenn mehrere hundert Everest-Anwärter aus aller Welt nach Tibet reisen.

Jetzt werden im Mai wohl nur handverlesene chinesische Bergsteiger auf der tibetischen Seite des Mount Everest unterwegs sein, um die eigens dafür entwickelte olympische Spezialfackel auf den 8850 Meter hohen Gipfel zu tragen. Begleitet von Fernsehkameras, ohne dass Tibet-Aktivisten die PR-Aktion stören - es sei denn, diese steigen von Nepal auf.

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