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Anschlag in Kabul

Tote bei Explosionen auf Beerdigung in Kabul

In der afghanischen Hauptstadt Kabul sind erneut Bombenanschläge verübt worden. Es gab viele Tote und Verletzte während der Beisetzung eines bei Protesten getöteten Mannes.

Über die Zahl der Toten und Verletzten gibt es unterschiedliche Angaben: Nach Mitteilung eines Polizeisprechers gab mindestens 20 Todesopfer - das Gesundheitsministerium sprach von mindestens sechs, etwa 120 Menschen seien verletzt worden. Zu den Tätern gibt es bislang keine Hinweise. Die radikalislamischen Taliban wiesen in einer Botschaft über einen Whatsapp-Kanal jegliche Beteiligung zurück.

Augenzeugen berichteten von drei Explosionen in Folge. Sie ereigneten sich während der Beerdigung von Mohammad Salem Isedjar, dem Sohn des stellvertretenden Senatspräsidenten. Er hatte zusammen mit anderen gegen den Anschlag vom Mittwoch im Kabuler Diplomatenviertel demonstriert, bei dem etwa 90 Menschen getötet und mindestens 400 verletzt worden waren. Er gilt als einer der schwersten Terroranschläge in Kabul seit dem Sturz der Taliban 2001. Die Autobombe riss einen vier Meter tiefen Krater. Die Gebäude zahlreicher Botschaften, unter anderem auch der deutschen Vertretung, wurden zum Teil schwer beschädigt. Zwei Mitarbeiterinnen der deutschen Botschaft wurden verletzt und ein afghanischer Wachmann kam bei dem Anschlag ums Leben. Die Botschaft bleibt bis auf weiteres für den Besucherverkehr geschlossen.

Hinweise auf weitere Anschläge

Vor den Explosionen am Samstag hatten die Behörden aus Sorge, dass es weitere Anschläge geben könnte, Straßen im Stadtzentrum gesperrt. Es gebe Geheimdiensthinweise darauf, dass "unsere Feinde erneut versuchen, Versammlungen oder Demonstrationen anzugreifen", sagte ein Garnisonskommandeur. Er rief die Menschen auf, nicht zu protestieren.

Dennoch versammelten sich erneut dutzende Demonstranten in der Nähe des Präsidentenpalasts. Sie forderten Ghanis Regierung auf, zurückzutreten. Ein Sprecher der Demonstranten warnte die Regierung, dass jedweder Versuch, die Demonstrationen zu unterbinden, sie als "Komplizen von Terrorgruppen und der Urheber der Attacken vom Mittwoch" erscheinen lasse. Es sei vielmehr die "Pflicht der Regierung, die Sicherheit der Demonstranten zu gewährleisten".

Die Vereinten Nationen in Afghanistan forderten die Demonstranten zur Zurückhaltung auf. In einer Erklärung der US-Botschaft hieß es, die "Feinde wollen den Volkszorn und die -trauer manipulieren, um Spaltung und Instabilität zu säen". Doch sie würden nicht siegen.

GIZ fliegt Personal aus

Die staatliche deutsche Organisation für Entwicklungshilfe, GIZ, hat nach dem Bombenanschlag in Kabul vom Mittwoch nahezu ihr gesamtes deutsches und internationales Personal aus Afghanistan ausgeflogen. Das berichtet die Deutsche Presseagentur unter Berufung auf GIZ-Kreise. Zurückgeblieben seien weniger als zehn Mitarbeiter, darunter die Landesdirektion und Sicherheitsberater. Nach eigenen Angaben beschäftigt die GIZ in Afghanistan rund 100 deutsche und internationale Fachkräfte sowie rund 1400 Afghanen.  

Kabul inzwischen die unsicherste Stadt Afghanistans

Als Reaktion auf den Anschlag am Mittwoch hat die Bundesregierung Abschiebungen nach Afghanistan weitgehend ausgesetzt. Das Auswärtige Amt werde bis Juli eine neue Lagebeurteilung vornehmen, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstagabend nach Beratungen mit den Ministerpräsidenten der Länder. Sogenannte Gefährder und Straftäter sollen aber weiter nach Afghanistan zurückgeführt werden.

Kabul war lange einer der sichersten Orte in Afghanistan, doch die zahlreichen Attentate der vergangenen Monate haben das Blatt gewendet: Die Vier-Millionenstadt gehört inzwischen zu den unsichersten Teilen des Landes.

HF/hk (dpa, afp)