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Afghanistan

Viele Tote nach Anschlag in Kabul

Bei der Explosion einer Autobombe im Diplomatenviertel von Kabul sind mindestens 90 Menschen getötet worden. Auch ein Mitarbeiter der schwer beschädigten deutschen Botschaft starb, mehrere wurden verletzt.

Afghanistan Explosion in Kabul (Reuters/M. Ismail)

Die Bombe explodierte rund 300 Meter von der deutschen Botschaft entfernt, das Gebäude wurde schwer beschädigt

Der Anschlag wurde im dichten Morgenverkehr in der Nähe mehrerer Botschaften und Ministerien verübt. Nach Angaben der Regierung wurden mindestens 90 Menschen getötet. Die Zahl der Verletzten sei auf mehr als 400 gestiegen, teilte das Gesundheitsministerium mit. Zudem seien 30 Fahrzeuge durch die Explosion beschädigt oder zerstört worden, erklärte der Sprecher des Innenministeriums, Nadschib Danisch.

Zur Zeit der Explosion um kurz nach 8.30 Uhr (Ortszeit) waren in der afghanischen Hauptstadt Tausende Menschen auf dem Weg zur Arbeit. Bilder in den sozialen Netzwerken zeigten zerfetzte Autos und blutige Körper sowie eine große, graue Staubwolke am Himmel. Nach ersten Erkenntnissen war die Autobombe in einem Tanklastwagen versteckt. In der Nähe des Anschlagsorts liegen unter anderem die deutsche, die britische und die US-Botschaft sowie das NATO-Hauptquartier und viele afghanische Ministerien.

Deutsche Botschaft massiv beschädigt

Nach Angaben der Deutschen Presseagentur wurde die deutsche Botschaft massiv beschädigt. Ein Sicherheitsmitarbeiter sei vor dem Gebäude getötet und mehrere Bedienstete verletzt worden, teilte Bundesaußeminister Gabriel in Berlin mit. Mittlerweile befänden sich alle Mitarbeiter der Botschaft in Sicherheit.

Ein ursprünglich für diesen Mittwoch geplanter Flug zur Abschiebung abgelehnter Asylbewerber nach Afghanistan wurde nach dem Anschlag verschoben, wie die Deutsche Presseagentur unter Berufung auf Regierungskreise berichtete. Hintergrund seien organisatorische Fragen. Bundesinnenminister Thomas De Maizière informierte auch den Innenausschuss des Bundestages über die geänderten Pläne, wie aus Teilnehmerkreisen zu erfahren war. Demnach erfolgte die Absage "nur für heute" und aus "Rücksicht auf Botschaftsangehörige". Die Mitarbeiter der Auslandsvertretung seien mit der Schadensaufnahme befasst und könnten sich daher nicht um die Ankunft der Ausreisepflichtigen am Kabuler Flughafen kümmern. 

Die NATO-Mission in Afghanistan verurteilte den Anschlag scharf. Er spiegele die "barbarische Natur" der Täter und deren völlige Gleichgültigkeit gegenüber Zivilisten wider, erklärte das Hauptquartier des Einsatzes "Resolute Support" in Kabul. Zugleich lobte die NATO die lokalen Sicherheitskräfte, die sich dem mit Sprengstoff beladenen Fahrzeug entgegen gestellt hätten, bevor dieses mitten im schwer gesicherten Regierungs- und Diplomatenviertel explodierte. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Ende April hatten die Taliban ihre jährliche "Frühjahrsoffensive" gestartet und ihre Angriffe verschärft.

Kabul wird immer wieder Ziel von Anschlägen von radikalislamischen Rebellen. Anfang Mai waren bei einem Sprengstoffanschlag auf ausländische Soldaten mindestens acht Menschen getötet worden. Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte diese Tat für sich.

Im März hatten Angreifer ein Militärkrankenhaus in Kabul gestürmt und mindestens 38 Menschen getötet. Mehr als 70 weitere Patienten, Ärzte und Pfleger wurden bei dem Angriff auf Afghanistans größtes Militärhospital verletzt.

stu/hk (afp, dpa, rtr)

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