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Politik

Tote bei blutigen Unruhen in Madagaskar

Die vor Afrikas Ostküste gelegene bitterarme Tropeninsel wurde unvermittelt zum Schauplatz ungezügelten Volkszorns: Bei Protesten gegen die Regierung kamen mindestens 60 Menschen ums Leben.

Zerstörtes Geschäft in der Hauptstadt Antananarivo (Foto: picture alliance)

Zerstörtes Geschäft in der Hauptstadt Antananarivo

In den Trümmern einer in Brand gesetzten Einkaufspassage in der Hauptstadt Antananarivo wurden am Dienstag (27.01.2009) nach Angaben von Rettungskräften 25 Leichen entdeckt, sechs weitere in einem geplünderten Einkaufszentrum. Die Einkaufspassage im Zentrum der Hauptstadt war nach Ausschreitungen am Montagabend angezündet worden. Das geplünderte Einkaufszentrum gehörte dem madegassischen Präsidenten Marc Ravalomanana. Der Rundfunk meldete auch aus der im Südwesten der Insel gelegenen Hafenstadt Tulear Unruhen mit mindestens 20 Toten. Am Vortag waren nach Rundfunkberichten drei Demonstranten erschossen und elf weitere zu Tode getrampelt worden. Insgesamt sollen bei den Unruhen nach Agenturangaben mindestens 60 Menschen ums Leben gekommen sein.

Proteste außer Kontrolle

Staatspräsident Marc Ravalomanana (Foto: dpa)

In der Kritik: Präsident Ravalomanana

Am Montag waren zehntausende Menschen einem Aufruf des Oppositionsführers Andry Rajoelinas zu Protesten gegen Ravalomanana gefolgt, dem die Opposition Korruption und die Errichtung einer Diktatur vorwirft. Die Proteste gerieten außer Kontrolle, nachdem die drei Demonstranten erschossen worden waren. Nachdem die Polizei durch einen Rückzug zunächst ein Machtvakuum hatte entstehen lassen, reagierte sie am Dienstag mit scharfen Schüssen auf Plünderungen. Eine Ausgangssperre für die gesamte Insel wurde verhängt.

Der Volkszorn richtet sich in erster Linie gegen den Reichtum von Präsident Ravalomanana, den er überwiegend während seiner Amtszeit angehäuft hatte. Das präsidiale Firmen-Imperium löste sich im Wutrausch der Demonstranten nach und nach in schwarzen Rauch auf: Inventar und Waren wurden hemmungslos geplündert. Es folgten Übergriffe auf andere Geschäfte. Kinder schleppten Computer weg, Hausfrauen rissen sich TV-Geräte unter den Nagel, Jugendliche rollten große Speiseöl-Fässer von der Firma des Präsidenten nach Hause, meldeten Korrespondenten.

Oppositionsführer Rajoelina vermutet hinter den Plünderungen Provokateure von Ravalomanana, um ihn und die Protestbewegung in Misskredit zu bringen. Er sagte ein geplantes Treffen mit dem Staatschef ohne Angabe von Gründen ab.

Gegen präsidiale Verschwendung

Ausgebranntes Hochhaus Foto: picture alliance)

Angriffsziel: TV-Station

Ravalomananas Gegner werfen ihm vor allem die Anschaffung eines neuen Dienst-Flugzeugs für 60 Millionen US-Dollar (45 Millionen Euro) als Verschwendung vor, aber auch schwere Eingriffe gegen die Pressefreiheit. Auch der Bau riesiger Silos im wichtigsten Reis-Anbaugebiet geriet in die Kritik, zumal der Präsident nach Ansicht seiner Gegner die Einkaufspreise diktiert.

Ravalomanana übernahm 2002 die Präsidentschaft und wurde im Dezember 2006 im Amt bestätigt. Eskaliert ist die Situation Mitte Dezember 2008, als die Regierung Rajoelinas populären Fernsehsender "Viva" nach der Ausstrahlung eines Interviews mit dem früheren Präsidenten Didier Ratsiraka schließen ließ. Ratsiraka lebt seit 2002 im Exil in Frankreich. (sam)

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