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Kultur

"Topographie des Terrors" wird neu gebaut

Nach jahrelangen Verzögerungen soll auf dem Gelände der ehemaligen Zentralen von SS und Gestapo in Berlin bis zum Jahr 2010 ein Ausstellungsgebäude entstehen, in dem an die Opfer des Nazi-Terrors erinnert wird.

Computervisualisierung eines Pavillions (Quelle: Heinle, Wischer und Partner)

So soll das Ausstellungsgelände 2010 aussehen

Noch ist das Areal neben dem Martin Gropius-Bau eine innerstädtische Brache. Schutt, Morast, aus dem Erdreich ragende Mauer-Reste und mittendrin ein Magnolien-Wäldchen, das gerade erst zu wachsen begonnen hat. Ein unwirtlicher Ort, den dennoch zahllose Menschen aufsuchen - 400.000 allein im vergangenen Jahr. Eine provisorische Ausstellung ist es, die sie anzieht, Fotos und Dokumente des nationalsozialistischen Terrors, gepinnt an grobe Holzwände, zwischen denen bröckelndes Mauer-Werk aufragt. Es sind freigelegte Überbleibsel der Keller-Räume ehemaliger Gestapo-Gefängnisse.

"Es geht nicht darum, eine Ausgrabungsstätte zu machen, sondern es geht darum zu markieren, von welchem Ort in Berlin die Befehle ausgegangen sind, um diese Terror-Politik zu machen", erläutert Andreas Nachama, Direktor der Stiftung "Topographie des Terrors".

Ort von Himmlers Schreibtisch

Nach jahrelangen Verzögerungen ist am Freitag (02.11.2007) in Berlin mit dem Neubau des Dokumentationszentrums "Topographie des Terrors" begonnen worden. Auf dem Gelände der ehemaligen Zentralen von SS und Gestapo soll bis zum Jahr 2010 ein Ausstellungsgebäude entstehen, in dem an die Opfer des Nazi-Terrors erinnert wird.

Plakatwand in einem Graben (Quelle: Stiftung Topographie des Terrors)

Die 'Topographie' ist bislang eine behelfsmäßige Freiluft-Ausstellung

Auf dem so genannten Prinz-Albrecht-Gelände befanden sich von 1933 bis 1945 die Zentralen der nationalsozialistischen Repressions- und Verbrechenspolitik: das geheime Staatspolizei-Amt, die SS-Führung, der Sicherheitsdienst und das Reichssicherheits-Hauptamt. Hier standen die Schreibtische von Himmler und Heydrich, hier wurde die gewaltsame Beseitigung politischer Gegner beschlossen, hier traf man erste Entscheidungen für den Völkermord an den Juden und die Ermordung sowjetischer Kriegs-Gefangener. Und, sagt Herman Schäfer, Ministerial-Direktor im Kanzleramt, dieses Gelände war auch ein Ort der Opfer: "Hier wurden insgesamt 15.000 politische Gegner des NS-Regimes Tage, Wochen und Monate inhaftiert. Verhöre, Isolation und Folter trieben viele der Häftlinge in den Selbstmord."

Erster Entwurf zu kompliziert, teuer

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude weitgehend zerstört, bis 1956 trug man die Ruinen ab. Die Geschichte schien vergessen. Erst mit der Wiedereröffnung des benachbarten Martin Gropius-Baus im Jahre 1981 wurden schließlich Forderungen nach einer würdigen Gestaltung der mauernahen Brache laut. Sechs Jahre später entstand dann die Dokumentation zur "Topographie des Terrors". Ein Provisorium unter freiem Himmel, das es nach dem Willen der 1992 gegründeten Stiftung zum Bau und Unterhalt eines Dokumentations-Zentrums mit angegliederter Dauer-Ausstellung längst nicht mehr geben dürfte. Tatsächlich war bereits 1993 ein Wettbewerb für einen Museums-Komplex ausgeschrieben worden, den der Schweizer Architekt Peter Zumthor mit einem Aufsehen erregenden Entwurf gewonnen hatte.

Bagger hinter Mauerresten (Quelle: Stiftung Topographie des Terrors)

Beginn des Bauaushubs für das neue Dokumentationszentrum

Aufsehen erregend, kompliziert und am Ende zu teuer: "Wir wissen, dass die komplizierte Struktur von Herrn Zumthors Entwurf über Jahre die Sache in der Diskussion gehalten hat, die Kosten explodierten. Das als Erfolg zu bezeichnen, würde selbst mir, der sehr optimistisch formulieren kann, sehr, sehr schwer fallen", bilanziert Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit die Entwicklung der Idee zwischen 1997 und 2004. Die Kosten für Zumthors feine Stabkonstruktion stiegen ins Unermessliche, beteiligte Baufirmen gingen pleite. Immer wieder ruhte der Betrieb. Bis zum Jahr 2000 waren 14 Millionen Euro ausgegeben worden, auf dem Gelände aber standen nur drei Treppentürme.

Pavillon für die Erinnerung

Computervisualisierung eines Innenraums (Quelle: Heinle, Wischer und Partner)

Innenanblick des neuen Pavillions

Im Frühjahr 2004 sah sich die damalige Kulturstaatsministerin Christina Weiss schließlich zum Eingreifen veranlasst. Zumthor verlor den Auftrag, der Bund stieg als Bauherr mit ein, die Türme wurden abgerissen und ein neuer Wettbewerb ausgeschrieben. Und nun wird tatsächlich gebaut, der Entwurf der Architektin Ursula Wilms. Ein schlichter einstöckiger Pavillon für Ausstellungen und Seminare, der sich, wie Hermann Schäfer lobt, dem Gelände mit seinen historischen Spuren unterordnet: "Offenheit und Transparenz kennzeichnen die Architektur. Sie wird dem Besucher innerhalb des Gebäudes weitgehend den Blick nach außen, auf die Topographie, ermöglichen."

Für den 8. Mai 2010, den Tag, an dem sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 65. Mal jährt, ist die Fertigstellung des Gebäudes geplant. Dann soll auch die umliegende Brache landschaftlich gestaltet sein, als historischer Parcours. Über die Baukosten von gerade mal 38 Millionen Euro dürften sich Bund und Land Berlin freuen. Für Peter Zumthors Entwurf hatten sie nämlich 76 Millionen bereitstellen wollen.

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