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Musik

Toningenieur Buff: "Prince war insgesamt ein Projekt"

Auch ein Musikgenie wie Prince war auf die Zusammenarbeit mit Profis angewiesen. Der deutsche Toningenieur Hans-Martin Buff war vier Jahre lang Prince' Mann am Mischpult. Im DW-Gespräch erinnert er sich an diese Zeit.

DW: Herr Buff, Sie haben vier Jahre lang als Toningenieur mit Prince zusammengearbeitet. Wie lang liegt das zurück?

Hans-Martin Buff: Ich habe 1995 angefangen, für sein Studio zu arbeiten. Für ihn direkt habe ich ziemlich auf den Tag genau vier Jahre gearbeitet: von 1996 bis 2000.

Bei welchen Prince-Projekten waren Sie der Mann am Pult?

Ich war bei ganz vielen Projekten dabei. Unter anderem bei diesen: Ich hab ungefähr ein Drittel des Albums "Emancipation" von 1996 gemacht, dann war ich bei der akustischen Platte "The Truth" dabei. Außerdem habe ich bei einem von drei "Newpower Soul"-Alben und 1999 bei "Rave Un2 the Joy Fantastic" mitgearbeitet. Dann habe ich auch noch bei diversen Platten seiner Freunde das Pult bedient: Chaka Khan, Larry Graham. Ich war auch an der Produktion für einzelne Songs bei Leuten wie George Clinton oder der US-Rockband No Doubt dabei.

Hans-Martin Buff im Studio (Foto: Hans-Martin Buff)

Bloß nicht zuviel verraten! Für Toningenieure ist Schweigen eine Grundeigenschaft


Wie würden Sie Prince bei der Studioarbeit mit Ihnen beschreiben?

Prince war im Studio unglaublich willensstark und fokussiert. Der Unterschied zu anderen Künstlern war, dass er sich nicht Zettel mit To-Do-Listen gemacht hat. Der wollte jeden Tag und jede Minute seines Lebens Musik machen. Und das hat er auch getan. Nach dem Studio ist er nach nebenan in sein Haus gegangen, hat ein paar Stunden geschlafen - und dann ging's weiter.

Konnte sich Prince denn dann überhaupt auf ein neues Projekt vorbereiten?

Es gab nie ein neues Projekt. Prince war insgesamt ein Projekt. Das fing mit dem ersten Plattenvertrag an und hat seitdem nicht aufgehört. Ab und an wurde ein Schlussstrich gezogen, wo der augenblickliche Stand der Dinge auf eine Platte gepackt wurde. Das, was die Welt von seinen Platten kennt, sind die Ausschnitte ein Tages. Der viel größere Rest wartet jetzt im Keller auf seine hoffentlich baldige Veröffentlichung.

Wie war die Rollenverteilung bei der Studioarbeit zwischen Ihnen und Prince?

Die Frage von Prince "Wie soll ich das bitte jetzt machen?" habe ich nie gehört. Er war sich nie darin unsicher, wie es an einer bestimmten Stelle weitergehen sollte. Es kamen aber durch aus manchmal die Sätze: "Ich möchte gerne das erreichen. Wie soll ich das machen?" Und dann hab ich versucht, die Technik so einzurichten, dass er es machen konnte.

Was machte Prince Ihrer Meinung nach zu dieser Ausnahmeerscheinung?

Er war nie langweilig! Selbst wenn man einmal seine vermeintlich schlechteste Platte hören würde, würde man immer noch sagen: "Mensch, was war Prince doch für ein interessanter Vogel!"

Was bedeutet der Tod von Prince für die Pop-Fans?

Nun, ich denke, dass die Genießer von Pop- und Rockmusik nie wieder die Chance haben werden, Prince live zu sehen. Das war optisch wie musikalisch ein grandioses Ereignis. Das, was er da auf die Bühne brachte, war einfach Prince. Deshalb gab es auch den Künstler Prince nicht als Privatmensch oder umgekehrt.

Das Gespräch führte Conny Paul.

Hans-Martin Buff ist einer der erfahrensten deutschen Recording Engineers und Produzenten. Seine internationale Reputation hat er sich vor allem in Prince' Paisley Park Studios in Minneapolis erarbeitet. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland holte ihn der deutsche Hitproduzent Mousse T. in seine Peppermint Park Studios nach Hannover. Als Kolumnist räumt Buff im Musikerfachmagazin "Sound and Recording" mit Mythen und Lügen der Studioszene auf.

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