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Amerika

"Todesliste" auf Facebook

Im Internet veröffentlichte "Todeslisten" mit Dutzenden von Namen versetzen Kolumbien in Aufregung. Bereits drei Jugendliche, deren Namen auf einer Facebook-Liste standen, sind im Süden in Puerto Asis getötet worden.

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Die Regierung ordnete inzwischen eine Untersuchung an, um herauszufinden, wer hinter den Listen stehe. Junge Leute aus verschiedenen Teilen Kolumbiens hatten in den vergangenen Tagen angezeigt, dass sie über Facebook bedroht worden seien. "In der Stadt herrscht Panik und totales Chaos", sagte eine Mitarbeiterin der Bürgerbeauftragten von Puerto Asis am Mittwoch (25.08.2010). Viele Eltern schickten ihre Kinder zu Verwandten in andere Städte, andere verriegelten ihre Häuser.

Auf der Liste in Puerto Asis im Distrikt Putumayo stünden die Namen von über 100 Jugendlichen. Die meisten dort Genannten sind unter 18 Jahre alt. Sie wurden ultimativ aufgefordert, den Ort zu verlassen. Die Drohungen erfolgten über das soziale Internetnetzwerk Facebook und auf Flugblättern. Betroffen sind neben Puerto Asis auch Ortschaften in den Bezirken Antioqiua (Nordwesten), Cundinamarca (Zentrum) und Nariño (Süden).

Rechte Gruppen als Urheber vermutet

Paramilitärs in Kolumbien

Rechte bewaffnete Gruppen sollen hinter den "Todeslisten" stehen

Die kolumbianischen Behörden gehen davon aus, dass Nachfolger von in den vergangenen Jahren aufgelösten paramilitärischen Gruppen hinter den Drohungen stecken. Die Paramilitärs der "Autodefensa Central Independiente del Sur de Bolívar" kündigten zum Beispiel in San Pablo im Distrikt Bolívar eine "soziale Säuberung" an. Nicht nur Jugendliche werden mit dem Tod bedroht, sondern auch Lokalpolitiker, Prostituierte und Personen, die angeblich der Guerilla angehören. Die Polizei war zunächst von einem makabren Scherz unter Jugendlichen ausgegangen.

Zwischen 2003 bis 2006 hatten fast 32.000 Mitglieder der rechtsgerichteten Paramilitärs im Rahmen der Demobilisierung ihre Waffen abgegeben, mittlerweile sind aber wieder bewaffnete Banden wie die "Águilas Negras" oder "Los Rastrojos" entstanden. Gegründet von ehemaligen Paramilitärs, finanzieren sie sich vor allem über den Drogenhandel. In Kolumbien herrscht seit über einem halben Jahrhundert ein bewaffneter Konflikt. In der Vergangenheit sind immer wieder "Todeslisten" der Paramilitärs oder auch der Guerilla aufgetaucht.

Autor: Oliver Pieper (dpa, afp)
Redaktion: Anne Herrberg

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