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Aktuell Asien

Tod und Vertreibung in Myanmar

Bei blutigen Auseinandersetzungen zwischen Buddhisten und Muslimen in Birma sind mehr als 110 Menschen ums Leben gekommen. Im Bundesstaat Rakhine wurden fast 2000 Häuser niedergebrannt. Die UN sind äußerst besorgt.

Ausgebrochen waren die Unruhen zwischen Buddhisten und Angehörigen der muslimischen Minderheit der Rohingyas vor vier Tagen. Seitdem wurden im Westen von Birma nach Angaben lokaler Behörden bislang mindestens 112 Menschen getötet, die weitaus meisten davon Muslime. Die Zahl der Opfer könne noch steigen, sagten Sprecher des Küstenstaats Rakhine und der Muslimpartei NDPD.

Tausende Häuser in Rakhine seien bei den tagelangen Ausschreitungen niedergebrannt worden, so die jüngsten Angaben. Auslöser der neuen Eskalation sollen Proteste der Muslime gegen unzureichende Lebensmittelhilfen gewesen sein. 

Keine Lösung unter neuer Regierung

Das neue Blutbad überschattet die Bemühungen der reformorientierten Regierung Birmas unter Präsident Thein Sein und ihr internationales Image. Die Behandlung der mehr als 130 Minderheiten im Lande wird auch nach dem Ende der Militärdiktatur im Ausland aufmerksam beobachtet.

Zuletzt war es im Juni zu blutigen Auseinandersetzungen in der Grenzregion zu Bangladesch gekommen. Nach offiziellen Angaben wurden damals rund 100 Menschen getötet. Nach der Vergewaltigung und Ermordung einer buddhistischen Frau und einer Lynchjustiz an zehn muslimischen Männern war die Lage explodiert.

Zehntausende Muslime flüchteten. In den vergangenen Tagen kamen weitere tausend Vertriebene in bereits überfüllten Lagern in Sittwe, der Hauptstadt von Rakhine an.

Im August setzte die Regierung in Rangun eine Kommission ein, um die Vorfälle zu untersuchen. Eine UN-geführte Ermittlung hatte sie zuvor abgelehnt. Vor einer Woche wies Staatschef Thein Sein die Bitte der Organisation für Islamische Zusammenarbeit zurück, ein Büro zur Unterstützung der muslimischen Minderheit zu eröffnen. Eine solche Einrichtung entspreche nicht den Wünschen der Bevölkerung, so der Präsident.

Unerwünschtes Volk

Hinter den Ereignissen schwelt ein jahrzehnte alter Konflikt. Die Volksgruppe der Rohingya ist im überwiegend buddhistischen Birma in ihren Rechten erheblich eingeschränkt.

Auch buddhistische Mönche beteiligen sich an Protesten gegen die Muslime (Foto: AFP/GettyImages)

Auch buddhistische Mönche beteiligen sich an Protesten gegen die Muslime

Auch die zivile Nachfolgeregierung der jahrelang herrschenden Militärjunta verweigert ihnen die Staatsbürgerschaft. Die Rohingya gelten als Nachfahren illegaler Einwanderer aus Bangladesch. Viele von ihnen leben seit über 100 Jahren in Birma.

Die Bevölkerung in dem südostasiatischen Land ist zu fast 90 Prozent buddhistisch. Die Muslime machen etwa vier Prozent aus, darunter etwa 750.000 Rohingya. Die Vereinten Nationen betrachten sie als eine der am stärksten verfolgten Minderheiten der Welt.

Der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe in Birma, Ashok Nigam, sagte, die Vereinten Nationen seien wegen der Zusammenstöße in großer Sorge. Auch in den Nachbarländern Bangladesch und Indien sind Rohingya unerwünscht. Hunderttausende leben dort in Flüchtlingslagern.

uh/haz/sc ( afpe, rtr, dpa)