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Kultur

Tod einer umstrittenen Legende

Leni Riefenstahl ist tot. Die wegen ihrer Arbeiten in der Nazi-Zeit höchst umstrittene Regisseurin starb am Montag (8.9.03) im Alter von 101 Jahren in Pöcking am Starnberger See.

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Leni Riefenstahl an ihrem 100. Geburtstag am 22. August 2002

Riefenstahl sei gegen 22.50 Uhr sanft eingeschlafen, sagte ihr Lebensgefährte Horst Kettner. "Ihr Herz ist einfach stehen geblieben." Riefenstahl war am 22. August 101 Jahre alt geworden. Sie litt an einer Krebserkrankung.

"Modernste Filmemacherin überhaupt"

Wegen ihrer NS-Propagandafilme war Leni Riefenstahl wohl die umstrittenste Regisseurin der Filmgeschichte. Das amerikanische "Time"-Magazin zählte Riefenstahl als einzige Frau zu den "100 einflussreichsten und beeindruckendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts", Hollywood-Regisseur George Lucas nannte sie einmal "die modernste Filmemacherin überhaupt", andere sahen in ihr den klassischen Fall des von der politischen Macht verführten Künstlers. Sie selbst hat sich immer als politisch naive Film- und Fotokünstlerin verstanden und doch geriet sie, darin ähnlich dem Theatermann Gustaf Gründgens und dem Bildhauer Arno Breker, in den Strudel von Kunst und Politik.

Leni Riefenstahl beim Schneiden des Filmmaterials von Olympia

Leni Riefenstahl beim Schneiden des Filmmaterials von "Olympia"

Leni Riefenstahl wurde am 22. August 1902 in Berlin geboren. Sie hatte ihre berufliche Laufbahn als Ausdruckstänzerin begonnen. Nach einem Unfall erlernte sie Filmtechnik und wurde Schauspielerin. Ihren Durchbruch als Regisseurin hatte sie 1932 mit ihrem Film "Das blaue Licht". Danach lernte sie Adolf Hitler kennen. Mit ihren 1933 und 1934 gedrehten Filmen über die Reichsparteitage der NSDAP machte Riefenstahl Propaganda für die Nationalsozialisten.

Berühmt und berüchtigt durch Propaganda

Nach dem Krieg beschäftigte sie sich hauptsächlich mit Fotografie. Sie hatte großen Erfolg mit ihren Bildbänden über den Nuba-Stamm im südlichen Sudan. Zusammen mit ihrem Kameramann und Lebensgefährten Kettner drehte sie bis zuletzt Unterwasserfilme. Wie nur wenige Kunstschaffende wurde Riefenstahl aber auch noch Jahrzehnte nach dem Ende des Dritten Reiches mit dem NS-Staat identifiziert. Der glorifizierende "Triumph des Willens" vom Nürnberger Reichsparteitagsgelände hat sie ebenso berühmt wie berüchtigt gemacht und hing ihr ein Leben lang an. Den einen galt und gilt dieser Film als künstlerisches Markenzeichen wegen der einmaligen und unter Cineasten auch nie bestrittenen Ästhetik des Films. Für die anderen ist es ein Mach- und Blendwerk der NS-Propagandamaschinerie, eine pathetische Manifestation des Machtwillens.

In ihren letzten Lebensjahren war eine zunehmende sachlichere Beurteilung ihrer Filme beobachten - dazu gehörte auch der zweiteilige Film über die Olympischen Spiele in Berlin 1936 ("Fest der Völker" und "Fest der Schönheit"). Man entdeckte wieder mehr die Filmkünstlerin in ihr und interessierte sich zu ihrer Freude für den Ästhetizismus in ihren Arbeiten, während die Inhalte immer weniger störten.

Kein Schuldbewusstsein

Riefenstahl hat stets gereizt reagiert, wenn sie auf ihre Schuld in der NS-Zeit angesprochen wurde und unzählige Prozesse geführt - im Keller ihres Hauses am Starnberger See lagern die Akten von über 50 gewonnenen Verleumdungsprozessen.. "Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass ich irgendetwas getan habe, was Unrecht war. Was habe ich denn wirklich verbrochen?" Sie habe nichts getan, was sie heute bereuen müsste. "Aber man wäre wohl froh, wenn ich nicht mehr lebte", sagte sie einmal in einem Interview. (sams)

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