Thailändisches Todesurteil sorgt für Empörung | Aktuell Asien | DW | 25.12.2015
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Aktuell Asien

Thailändisches Todesurteil sorgt für Empörung

"Rettet die armen Jungs aus Myanmar!" In dem asiatischen Staat sind viele Bürger davon überzeugt, dass zwei im banachbarten Thailand verurteilte Wanderarbeiter keinen Doppelmord an britischen Touristen begangen haben.

Nach dem Todesurteil gegen zwei Männer wegen des Mordes an zwei jungen britischen Urlaubern in Thailand sind in Myanmar hunderte Menschen gegen den Urteilsspruch auf die Straße gegangen. An der Protestkundgebung vor der thailändischen Botschaft in Rangun beteiligten sich auch mehrere Mönche.

Auf vielen Schildern hieß es: "Lasst unsere unschuldigen Bürger frei". Andere Demonstranten hielten Bilder des thailändischen Königs Bhumibol Adulyadej hoch, um den Monarchen um Gnade zu bitten.

Protest gegen thailändisches Todesurteil in Rangun (Foto: Reuters)

Protest in Rangun: "Wir wollen Gerechtigkeit"

Erschlagen im Touristenparadies

Die nackten Leichen der Opfer, einer 23-jährigen Frau und eines 24-jährigen Mannes, waren Mitte September vergangenen Jahres an einem Strand der Insel Koh Tao im Süden Thailands gefunden worden. Sie wiesen schwere Kopfverletzungen auf. In etwa 30 Metern Entfernung fanden die Ermittler eine blutbefleckte Hacke.

Zuletzt hatten Freunde das Paar in einer Bar der wegen ihrer Traumstrände und ihres kristallklaren Wassers beliebten Insel tanzen sehen. Danach sollen die beiden zusammen gegangen sein, wenig später waren sie tot.

Die beiden im Oktober 2014 festgenommenen Männer seien "des Mordes schuldig, wofür das Strafmaß die Todesstrafe ist", sagte der Richter bei der Urteilsverkündung am Donnerstag. Die Gastarbeiter wurden überdies der Vergewaltigung der 23-jährigen Britin für schuldig befunden.

Leichenfundort auf Koh Tao (Foto: picture alliance)

Tod am Strand: Leichenfundort auf Koh Tao

Nur zwei "Sündenböcke"?

Die Verurteilten bestreiten die Vorwürfe. Nach Angaben ihrer Verteidiger kamen ihre Geständnisse, die sie später widerrufen hatten, unter Folter zustande. Die Anwälte hatten immer wieder erklärt, die beiden Einwanderer dienten der Polizei lediglich als "Sündenböcke".

Fest steht: Die Behörden standen unter Druck, das Verbrechen möglichst schnell aufzuklären, um den Ruf Thailands als sicheres Ferienziel nicht zu gefährden. Der Tourismus macht zehn Prozent der thailändischen Wirtschaft aus. Im vergangenen Jahr besuchten rund 25 Millionen Menschen das Land.

"Zutiefst verstörend"

Menschenrechtler forderten Thailands Justiz auf, die Verhandlung neu aufzurollen. In einem Prozess, in dem Foltervorwürfe nicht untersucht und angebliche DNA-Beweise von der prominentesten Gerichtsmedizinerin des Landes angezweifelt worden seien, seien die verhängten Todesurteile zutiefst verstörend, meinte Phil Robertson von Human Rights Watch. So hatte die Forensikerin Porntip Rojanasunand während des Prozesses ausgesagt, dass die DNA-Spuren, die auf der mutmaßlichen Mordwaffe gefunden worden waren, nicht identisch mit denen der beiden Angeklagten seien.

In Thailand kam derweil Myanmars Botschafter mit hochrangigen Regierungsvertretern zusammen, um über den Fall zu sprechen. Persönlich habe er den Urteilsspruch "mit Bedauern" zur Kenntnis genommen, sagte der Diplomat Win Maung. Er hoffe nun darauf, dass der Fall mit "besonderer Sorgfalt" weiterverfolgt werde und die Beziehungen zwischen beiden Ländern nicht belastet würden.

wa/rb (afp, epd, dpa)

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