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Fußball

Teurer Notnagel

Äquatorialguinea war zur Stelle, als Marokko das Turnier entzogen wurde. Nun steht der Gastgeber sogar im Halbfinale des Afrika-Cups. Doch bei dem Turnier in dem autoritären Land geht es nicht nur um Fußball.

Der Präsident von Äquatorialguinea, Teodoro Obiang Nguema (l.), mit der Trophäe des Afrika-Cups in den Händen, CAF-Präsident Issa Hayatou (r.) schaut zu (Foto: STEPHANE DE SAKUTIN/AFP/Getty Images)

Äquatorialguineas Präsident Teodoro Obiang (l.) hält die Trophäe des Afrika-Cups in die Höhe

Die Straßen sind gut. Das fällt einem schnell auf in Bata, der größten Stadt Äquatorialguineas. Außerordentlich gut für afrikanische Verhältnisse. Viele Öl-Millionen haben das Land in den letzten 15 Jahren zum reichsten Afrikas gemacht. Und der Präsident,

Teodoro Obiang,

gibt es vor allem für sich selbst und eben eine gute Infrastruktur aus.

Den Menschen im Land aber mangelt es an vielem. Im Stadtzentrum von Bata sieht man das schnell. Armenviertel ziehen sich bis ins Zentrum - geprägt von Holzhütten. Fließendes Wasser gibt es oft nicht. Auch nicht im Haus von Juan Pablo, einem jungen ehrenamtlichen Fußballtrainer in Bata, der davon träumt einmal in Europa Trainer zu werden. "In Äquatorialguinea", sagt Pablo, während er durch sein Viertel führt, "gibt es zwei Welten: die der Armen und die der Reichen. Die Reichen können sich Häuser aus Beton leisten, die anderen nicht.“

Größtes Sportereignis

Das Stadion von Bata in Äquatorialguinea (Foto: Sport Inc/PA Photos/ABACAPRESS.COM)

Prestigebau: das Stadion von Bata in Äquatorialguinea

Von der deutschen Öffentlichkeit fast unbemerkt, findet derzeit in Äquatorialguinea der Afrika-Cup statt, das größte Sportereignis Afrikas. Das

politische System

des Landes gilt als die älteste Diktatur Afrikas. Seit 35 Jahren herrscht Präsident Obiang mit harter Hand. Kaum jemand traut sich offen etwas Kritisches zu sagen.

Nachdem

Marokko

den Afrika-Cup erst 2016 austragen wollte und deswegen das Turnier Mitte November 2014 wieder entzogen bekam, war Obiang der einzige in Afrika, der

bereit

war, den Cup in acht Wochen zu organisieren. Was sich Äquatorialguinea das Turnier kosten lässt, sagt der Fußball-Verbandspräsident, Andres Jorge Mbomio im Gespräch mit dem WDR-Magazin Sport Inside allerdings nicht. "Den Afrika-Cup in zwei Monaten zu organisieren ist natürlich sehr teuer. Aber das entscheidet die Regierung, nicht wir."

Ein zweistelliger Millionenbetrag ist es mindestens. Zwei der vier Stadien waren zwar schon fertig, noch vom Afrika-Cup 2012, den Äquatorialguinea zusammen mit Gabun austragen durfte. Zwei weitere kleine Stadien wurden allerdings mit Hochdruck erst kurzfristig fertig gestellt. Ein Rollrasen wurde extra eingeflogen.

Party für alle Afrikaner

Ein Fan von Burkina Faso beim Afrika-Cup im Stadion von Bata (Foto: KHALED DESOUKI/AFP/Getty Images)

Feiern: ein Fan von Burkina Faso im Stadion von Bata

Im Stadion ist das Turnier dann ein Fest. Es wird getrötet und gejubelt, gefeiert und gesungen. Der Afrika Cup bedeutet viel für die Fans und für die Spieler wie Yaya Touré von Manchester City. Touré ist zu

Afrikas bestem Spieler

gewählt worden. Und zwar die letzten vier Jahre hintereinander. Das gab es noch nie. Er spricht mit großem Respekt von der Institution "Afrika-Cup". "Es ist der Nationalstolz, der viele Spieler wieder zurück nach Afrika zieht, die wie ich im Ausland spielen. Es gibt soviel Hunger in Afrika, da ist so ein Turnier sehr wichtig. Der Cup ist eine Party für alle Afrikaner."

Ein wirklicher sportlicher Favorit fehlt dem Turnier.

Kamerun,

Senegal und Südafrika flogen schon in der Vorrunde raus. Äquatorialguinea gewann im

Viertelfinale

überraschend gegen den Geheimfavoriten Tunesien, allerdings auch durch einige

fragwürdige Schiedsrichter-Entscheidungen.

Im Halbfinale war für den Gastgeber dann nach einer klaren 0:3 (0:2)-Niederlage gegen Ghana Schluss. In dieser Begegnung kam es zu

zahlreichen Ausschreitungen

mit massivem Polzeieinsatz. Die äquatorianischen Zuschauer bewarfen die Gästefans aus Ghana mit Wurfgeschossen, das Spiel musste für mehr als eine halbe Stunde unterbrochen werden. Ghana trifft nun im Endspiel auf die

Elfenbeinküste.

Die Ivorer hatten sich im ersten Halbfinale gegen die zweite große Überraschung des diesjährigen Afrika-Cups, die Demokratische Republik Kongo, mit 3:1 (2:1) durchgesetzt.

Ein Verlierer steht auf jeden Fall schon fest. Der Sport insgesamt. Denn in Äquatorialguinea gibt es keine Pressefreiheit, nicht einmal eine einzige Zeitung. Das Land gilt als eines der korruptesten der Welt. Und letzte Woche wurden drei Demonstranten gegen den Afrika-Cup einfach ins Gefängnis gesteckt. Aber das spielt für den Fußball natürlich keine Rolle.

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