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Wirtschaft

Tesla will den Durchbruch

US-Milliardär Elon Musk will die E-Mobilität in der Mittelklasse etablieren - dafür soll Teslas "Model 3" sorgen. Erstmals soll ein Auto des kalifornischen Stromautobauers auch für Normalverdiener erschwinglich sein.

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Tesla: Das Elektroauto für den Massenmarkt

Am Donnerstagabend kalifornischer Zeit stellte Elon Musk, der schillernde Chef des Branchenpioniers Tesla, der Weltöffentlichkeit ein Modell für den Massenmarkt aus seinem Haus vor - der erste Tesla in der automobilen Mittelklasse. Die Erwartungen an das Elektroauto "Model 3" sind riesig - die Spannung vor der Präsentation war es auch. Auf Twitter hatten bereits einen Tag vor dem Event Fotos von Tesla-Anhängern die Runde gemacht, die vor den Showrooms warteten, um sich als Erste in die Listen für die Vorbestellungen eintragen zu können. 115 000 Interessenten hätten schon bestellt, so Musks erste Bilanz bei der Vorstellung.

Elon Musk Tesla Hong Kong

Elon Musk, der Geldgeber hinter Tesla

Nicht nur bei den Tesla-Fans, auch bei einigen Analysten war große Aufregung bereits vor der Präsentation zu spüren: Der Wagen habe "das Potenzial, den Gesamtmarkt für Elektroautos dramatisch auszuweiten", frohlockte die Investmentbank Goldman Sachs kurz vor der Premiere. Die Schweizer Credit Suisse kalkuliert schon mal mit 100 000 Vorbestellungen für das Model 3, das nicht vor 2017 in die Produktion geht - damit würde sich die Zahl der Tesla-Besitzer schlagartig fast verdoppeln, wenn die Interessenten auch wirklich kaufen.

Keine Angst vor der Konkurrenz

Das Model 3 soll für einen Preis ab etwa 35.000 US-Dollar (rund 31.000 Euro) angeboten werden. Etwaige und in manchen Ländern bereits beschlossene staatliche Kaufhilfen würden das Auto für den Kunden noch verbilligen. Zurzeit verkauft Tesla zwei andere Modelle: das Model S Sedan, das ab 71.000 Dollar kostet, und das SUV Model X, das ab 80.000 Dollar zu haben ist.

Die Reichweite des Model 3 soll bei rund 345 Kilometern liegen. Das wäre ungefähr doppelt so viel wie andere E-Autos in dieser Preisklasse leisten, etwa der Nissan Leaf oder der BMW i3. Daher ist sich Patrick Min, Senior-Analyst der Autokäufer-Seite TrueCar.com, sicher, dass das "Model 3 das entscheidende Modell" für die Zukunft von Tesla sein wird. Von null auf 100 km/h kommt der Neue übrigens in sechs Sekunden.

Während der neue Tesla erst ab 2017 produziert werden soll, geht Konkurrent GM bereits Ende dieses Jahres mit einem E-Modell an den Start: Der Chevrolet Bolt, ungefähr genauso teuer wie das Model 3 und mit einer vergleichbaren Reichweite, hätte dann ein gutes Jahr Vorsprung vor dem neuen Tesla. Noch früher kommt der Hyundai Ioniq - gleiche Preisklasse, Reichweite ungefähr 200 Kilometer - auf den Markt. Elon Musk sagte im Februar, diese Konkurrenz mache ihm keine Sorge. Er sieht die Haupt-Mitbewerber um die Kundengunst in den Elektro-Modellen des Audi A4 und der BMW 3-er Serie.

"Eine wirkliche Bühne für das Elektroauto"

"Mit dem Tesla 3 hat das Elektroauto die Chance, in die Mittelklasse vorzudringen", meint auch Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut der Uni Duisburg Essen. Bislang ist Tesla mit der Limousine "Model S" und dem Luxus-SUV "Model X" ausschließlich mit Premium-Angeboten für dicke Geldbeutel am Markt. Der Bannerträger des Elektro-Antriebes liefere im Grunde nur Spielzeug und Status-Symbole für Reiche, spotten Kritiker. Das soll sich nun ändern.

Bildergalerie Detroit-Automesse

Konkurrent aus den USA: Chevrolet Bolt EV

Auf Tesla setzt die Fachwelt vor allem wegen der Strahlkraft der Marke. Self-Made-Milliardär Musk, der ein Vermögen als Mitgründer des Bezahldienstes Paypal gemacht hat, ist ein Superstar des Silicon Valley, bei Fans genießt er Kultstatus und auch die Investoren feiern ihn. Das Unternehmen gebe dem Elektroauto eine wirkliche Bühne, sagt Dudenhöffer: "Dabei hat Tesla gezeigt, dass man als Start-up der Branche wirklich einen innovativen Impuls geben kann."

Dem Nischenmarkt entwachsen

Bislang fristen Elektroautos nur ein Nischendasein im Automarkt. Insgesamt hatten im vergangenen Jahr nur 0,3 Prozent der insgesamt knapp 17,5 Millionen verkauften Neuwagen in den USA einen E-Antrieb. Das sind nur wenige Zehntausend. Dank verschiedener Fördermaßnahmen dürfte ihre Bedeutung aber zunehmen. Teslas Model 3 und der Chevy Bolt von GM stellen eine Art Nagelprobe für die Massenmarkt-Tauglichkeit des Batterie-Antriebs dar.

Deutschland BMW i3

Konkurrent aus Deutschland: BMW i3

Dennoch bleibt der Vorstoß in die Mittelklasse für Tesla und seine Aktionäre auch ein großes Wagnis. Das Unternehmen, das seit Gründung 2003 noch keinen Jahresgewinn geliefert hat, nimmt hohe Kosten in Kauf. Der riskante Plan muss aufgehen.

Das "Model 3" gilt als wichtiger Mosaikstein, um in Zukunft einmal richtig Geld zu verdienen. Ein weiterer entscheidender Faktor ist der Aufbau einer riesigen Fabrik für Batterien, mit denen die Fahrzeuge eines Tages betrieben werden sollen. Diese "Gigafactory" entsteht in Nevada und verschlingt Milliarden. Bislang ist Tesla für Aktionäre nur ein großes Versprechen. "Ob sich das langfristig auszahlt, weiß heute noch niemand", sagt Autoexperte Dudenhöffer.

dk/ tko (ape/dpa)

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