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Politik

Tempel-Streit in Gujarat

Seit Jahrzehnten kämpfen in Indien Moslems gegen Hindus. Die Auseinandersetzungen haben auf beiden Seiten schon Hunderte von Todesopfern gefordert. Religöser Fanatismus ist der Hauptgrund des Konflikts.

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Unruhen in Indien

Der Religionskonflikt in Indien hat erneut Todesopfer gefordert. Nach Tagen relativer Ruhe sind die Unruhen zwischen den verfeindeten Religionsgruppen im westindischen Unionsstaat Gujarat wieder ausgebrochen. Bei Zusammenstößen zwischen Hindus und Muslimen wurden dort mindestens 17 Menschen getötet, wie die Behörden erklärten. Weitere 91 wurden verletzt. Auslöser der Zusammenstöße war das Ramnavami-Fest, mit dem die Hindus den Geburtstag der Gottheit Rama feiern.

Muslime und Hindus in Indien

Muslime und Hindus in Indien

Unter den Todesopfern waren neun Muslime, die am Sonntag (21. April 2002) von Polizisten in der Provinzhauptstadt Ahmadabad erschossen wurden. Die Behörden erklärten, im Stadtteil Gomtipur seien Hindus und Muslime aufeinander losgegangen, von beiden Seiten seien Steine und Brandbomben geflogen. Die Polizei habe geschossen, um die Gewalt zu beenden. Auch ein Polizist wurde mit Messerstichen getötet.

Schlimmste Ausschreitungen seit 10 Jahren

Nach den neuen Zusammenstößen stieg die Zahl der Todesopfer der religiös motivierten Unruhen seit dem 27. Februar 2002 auf 850. Damals hatten radikale Muslime einen Zug in Brand gesetzt, in dem Hindus von einer Pilgerfahrt heimkehrten. Bei dem Überfall kamen 58 Menschen ums Leben. Seitdem kam es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern beider Religionsgruppen.

Tempel contra Moschee

Hintergrund der blutigen Auseinandersetzungen ist der Streit um einen Hindu-Tempel, der zu Ehren der Hindu-Gottheit Rama an jener Stelle errichtet werden soll, an der 1992 eine Moschee zerstört wurde. Vor gut neun Jahren stürmten tausende Fanatiker die Babri-Moschee aus dem 16. Jahrhundert in Ayodhya im Norden Indiens und verwandelten sie mit Hämmern und Meißeln in einen Haufen Trümmer. Bei den damaligen Unruhen wurden 3000 Menschen getötet.

Brennendes Haus in Indien

Brennendes Haus in Indien

In Gujarat hatte das Wiederaufflammen des Religionskonflikts eine Fluchtwelle ausgelöst. Mehr als 100.000 Menschen leben mittlerweile unter teilweise elenden Bedingungen in mehr als 100 überfüllten Notunterkünften, die nach den Unruhen Ende Februar eingerichtet wurden.

Indien nur für Hindus?

Ayodhya ist seit Jahren der Brennpunkt des Streits zwischen Hindus und Moslems. Hindu-Fundamentalisten – vertreten durch den "Welt-Hindu-Rat" Vishwa Hindu Parishad (VHP) – wollen aus Indien einen Hindu-Staat machen, so wie Pakistan nach der Teilung 1947 ein moslemischer Staat wurde. Die indische Verfassung ist aber der Trennung von Religion und Staat verpflichtet. Zugleich räumt sie Minderheiten Privilegien ein. Moslemische Männer dürfen in Indien zum Beispiel mehr als eine Frau heiraten.

Fundamentalistischen Hindus sind solche Sonderregelungen ein Dorn im Auge. 82 Prozent der eine Milliarde Inder sind Hindus, 12 Prozent Moslems. Diese sind damit neben 2 Prozent Christen die stärkste religiöse Minderheit in Indien. Nur ein winziger Prozentsatz der Hindus ist fanatisch, aber die Fanatiker geben keine Ruhe. Sie wollen mit Aktionen wie in Ayodhya die moslemische Geschichte Indiens ungeschehen machen. Früher wurden Hindu-Heiligtümer zerstört, um Moscheen zu bauen, nun würden die Moscheen eben wieder abgerissen, lautet die Logik der Eiferer.