Tausende Kurden fliehen aus Kirkuk im Irak | Aktuell Nahost | DW | 16.10.2017
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Kurdische Autonomie

Tausende Kurden fliehen aus Kirkuk im Irak

Die irakische Armee geht gewaltsam gegen kurdische Einheiten vor, die die ölreiche Provinz Kirkuk kontrollieren. Das Militär schickt Erfolgsmeldungen. Doch Beobachter warnen vor einem neuen Bürgerkrieg.

Irak Kirkuk Regierungstruppen übernehmen die Stadt (Getty Images/AFP/A. Al-Rubaye)

Zivilisten verlassen Kirkuk, während irakische Truppen einmarschieren

Mehrere tausend Kurden sind vor den heranrückenden irakischen Regierungstruppen aus Kirkuk geflohen. Wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtet, verließen Einwohner die Stadt in Richtung Erbil und Suleimanija. Erbil ist die Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan im Irak. Auch Suleimanija gehört zum Kurdengebiet.

Die irakische Armee nahm derweil wichtige Ziele in der Stadt Kirkuk und der gleichnamigen Provinz ein. Sie hatte eine Offensive auf die von Kurden kontrollierte Region im Norden des Landes begonnen, nachdem ein Ultimatum an kurdische Peschmerga-Kämpfer ausgelaufen war, sich aus Kirkuk zurückzuziehen.

Flughafen, Ölfelder, Kraftwerk

Nach eigenen Angaben besetzten Regierungseinheiten den westlich von Kirkuk gelegenen Militärflughafen und mehrere Ölfelder ebenso wie eine Erdgasanlage und ein Kraftwerk. Auch das Büro des Gouverneurs in der Millionenstadt steht demnach unter Kontrolle der Armee.

Irak Kirkuk Regierungstruppen im Kurdengebiet (Getty Images/AFP/A. Al-Rubaye)

Der Vormarsch verlief bisher ohne größere Gefechte, doch bei Schusswechseln wurden etliche Peschmerga-Kämpfer getötet

Wie ein Vertreter der Gesundheitsdienste in der Region Dschadschamal sagte, wurden mindestens zehn Peschmerga getötet und mehr als 20 verletzt. Bis auf einzelne Schusswechsel erfolgte der Vormarsch bisher jedoch ohne größere Gefechte.

Das Kommando der Peschmerga erklärte, die Militäraktion komme einer "Kriegserklärung" gleich. Die eigenen Kämpfer würden Kurdistan verteidigen. Unterdessen rief der irakische Präsident Haidar al-Abadi die Peschmerga auf, Teil der Streitkräfte zu werden. Abadi, der den Vormarsch angeordnet hatte, weiß die Nachbarstaaten Türkei und Iran an seiner Seite, weil diese Erhebungen unter den eigenen kurdischen Minderheiten befürchten.

Irak Kirkuk Regierungstruppen übernehmen die Stadt Kurden fliehen (picture-alliance/abaca/F. Ferec)

Die Flucht der Kurden führte zu langen Staus an den Ausfallstraßen

Hintergrund des Konflikts ist das kurdische Referendum vom September, bei dem nach Angaben der Autonomieregierung 90 Prozent der abgegebenen Stimmen auf eine Unabhängigkeit vom Irak entfielen. Die Zentralregierung bezeichnete die Volksabstimmung - ebenso wie mehrere Nachbarstaaten - als verfassungswidrig. Sie pocht auf die Einheit des Landes. Die Kurden genießen im Nordirak weitgehende Autonomierechte. Dennoch streben sie einen eigenen Staat an.

Streit um Bodenschätze

Die Provinz Kirkuk wird zwar von Kurden kontrolliert, gehört aber offiziell nicht zur Autonomen Region Kurdistan. Die kurdischen Peschmerga-Kämpfer hatten das Gebiet eingenommen, nachdem irakische Regierungstruppen vor der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) geflohen waren.

Die ethnisch gemischte Provinz ist seit langem zwischen Bagdad und der kurdischen Autonomieregion umstritten. Dies dürfte auch auf ihre wirtschaftliche Bedeutung zurückgehen, da sich dort riesige Ölfelder befinden. Internationale Beobachter warnen vor einer Eskalation des Konflikts. So erklärte das in Washington ansässige Institute for the Study of War, der Angriff gegen die kurdischen Kräfte in Kirkuk könnte zu einem offenen Krieg führen.

jj/myk (dpa, afp, rtr, ap)

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