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Aktuell Deutschland

Tarifverhandlungen bei der Bahn gescheitert

Die Lokführergewerkschaft GDL hat der Bahn "eine Rolle rückwärts" vorgeworfen und die Tarifgespräche platzen lassen. Bahn-Personalvorstand Weber zeigte sich konsterniert. Nun drohen neue Streiks.

Wieder einmal sind die Tarifgespräche zwischen Deutscher Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) gescheitert. Dabei schien alles auf einem guten Weg. Nun wollen die Spitzengremien der GDL am 18. Februar über das weitere Vorgehen entscheiden. GDL-Chef Claus Weselsky machte nach dem Abbruch der Verhandlungen in Berlin deutlich: "Die Wahrscheinlichkeit von Arbeitskämpfen ist mit dem heutigen Tag enorm gestiegen."

GDL-Chef Weselsky vor Journalisten (Foto: dpa)

Er war gar nicht zufrieden, GDL-Chef Weselsky vor Journalisten

Weselsky begründet die Entscheidung, die Gespräche platzen zu lassen, damit, dass der Konzern darauf bestehe, ein Tarifabschluss mit der GDL müsse identisch mit dem Ergebnis sein, das die Bahn mit der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) erzielen werde. "Das werden wir nicht zulassen. Wir sind eine freie Tarifvertragspartei, die keine Abhängigkeit von anderen hat", empörte Weselsky sich.

Weber ist konsterniert

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber zeigte sich nach dem Aus nach den neunstündigen Verhandlungen völlig überrascht. "Wir standen kurz vor dem Durchbruch und einer Einigung über eine Grundstruktur zum Flächentarifvertrag. Und dann verweigert die GDL sich grundlos", monierte er. Das Verhalten sei vollkommen unverständlich und "nicht rational nachvollziehbar".

Ulrich Weber (Foto: dpa)

Personalvorstand Weber ist fassungslos

Die Bahn habe ein Papier vorgelegt, in dem die zentrale Forderung der GDL erfüllt werde, den Flächentarifvertrag für Lokomotivführer auch um Zugbegleiter, Bordgastronomen und Disponenten zu erweitern, wies Weber darauf hin. Das würde der GDL ermöglichen, auch für diese Gruppen die Arbeitsbedingungen auszuhandeln. Dies sei bislang der Kern der Auseinandersetzung gewesen.

GDL-Sprecherin Gerda Seibert kritisierte dagegen, die Bahn wolle die alte Struktur des Flächentarifvertrags weitgehend behalten und sei nicht bereit, im gebotenen Umfang auf die GDL einzugehen.

Sehr komplizierter Tarifstreit

Beide Seiten befinden sich seit dem vergangenen Juli in einem außergewöhnlich komplizierten Tarifkonflikt. Die GDL und die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hatten einen Tarifvertrag nicht erneuert, der bis Juni regelte, welche Gewerkschaft in Tarifverhandlungen welche Berufsgruppen bei der Bahn vertritt. Seitdem will die GDL für all ihre Mitglieder Tarifverträge aushandeln und nicht nur für die 20.000 Lokführer wie bisher. Dies führte zum Konflikt auch mit der EVG.

Um ihre Forderungen zu untermauern, streikte die Lokführergewerkschaft mehrmals im vergangenen Jahr und legte den Zugverkehr in weiten Teilen Deutschlands lahm.

se/wl (dpa, rtr, afp)