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Projekt Zukunft

Talk: Die Chemie der Atmosphäre und das Leben auf der Erde

Ein Gespräch mit Dr. Markus Rex, Atmosphärenphysiker am Alfred-Wegener-Institut für Polarforschung in Potsdam

Video ansehen 03:26

DW: Auf lange Sicht, bis Ende des Jahrhunderts, wird sich die Ozonschicht erholen. Aber es kommt immer wieder zu einem hohen Ozonverlust, d.h. zu einem Ozonloch. Wie passt das denn zusammen?

Markus Rex: Dies hört sich erstmal verwirrend an. Das liegt daran, dass diese FCKWs, d.h. Fluorchlorkohlenwasserstoffe, die Ozonschicht immer nur dann besonders schädigen können, wenn es in etwa 20 km Höhe, wo die Ozonschicht liegt, sehr kalt wird.

Dann sind diese Gase am schädlichsten, wenn es sehr, sehr kalt ist?

Genau, nur bei dieser großen Kälte bildet sich ein Ozonloch. Und die ist eben nicht in jedem Winter vorhanden.

Ab und zu tritt sie aber auf. Ist das der Grund gewesen, warum es 2011 sogar über der Arktis, also über dem Nordpol, ein Ozonloch gab? Das kannte man so noch gar nicht.

Ganz genau. Wir kennen normalerweise die Ozonlöcher von der Antarktis. Auf der Südhemisphäre tritt eigentlich in jedem Jahr ein Ozonloch auf. Über der Arktis ist es bisher nicht dazu gekommen. 2011 wurden wir alle ein wenig davon überrascht, dass es dann auch dort mal so kalt geworden ist, dass wir ein voll ausgewachsenes Ozonloch über der Arktis bekommen haben.

Jetzt wissen wir ja schon relativ viel über die chemischen Prozesse, die da oben stattfinden. Warum können wir trotzdem noch kein Ozonloch vorhersagen?

Das ist ein wenig so, als wollten wir im Herbst versuchen vorherzusagen, ob wir weiße Weihnachten bekommen. Man kann zwar eine Entwicklung sehr langfristig vorhersagen - Sie sagten schon, gegen Ende des Jahrhunderts rechnen wir damit, dass es kein Ozonloch mehr geben wird - aber für ein konkretes Jahr zu sagen, ob es besonders kalt wird oder nicht, das ist genauso schwierig, wie das Wetter vorherzusagen.

Es wird hier auf unserer Erde wärmer. Der Klimawandel ist von Menschen gemacht. Wie beeinflusst das unsere Ozonschicht?

Dieses Ereignis in 2011 ist leider nicht ganz singulär, sondern es reiht sich ein in eine Kette von immer kälter werdenden arktischen Wintern, dort oben in 20 km Höhe in der Stratosphäre. Das Phänomen ist ein kleiner Bruder des Treibhauseffekts. Wir wissen ja alle, dass wir durch den Treibhauseffekt eine Erwärmung am Erdboden bekommen. Dadurch wird von der Wärmestrahlung, die von unten in die Atmosphäre eindringt, bereits ein größerer Teil hier unten zurückgehalten. Hier unten wird es wärmer, oben kommt weniger Wärme an und es wird dort ganz automatisch kälter.

Die warme Luft bleibt unten stecken und oben wird es kälter?

Die Strahlung bleibt unten stecken. Und das führt dazu, dass wir oben eine Abkühlung bekommen.

Das heißt, es wäre also notwendig, dass wir die CO2-Emissionen reduzieren. Man hat ja auch immer wieder versucht auf den Klimagipfeln rechtlich verbindliche Ziele festzulegen, und scheitert aber immer wieder daran. Warum klappt das nicht?

Es ist so viel schwieriger die Emissionen von Treibhausgasen einzuschränken, als es damals mit dem FCKW der Fall war. Wir konnten FCKW verbieten und durch Ersatzstoffe ersetzen. In den Spraydosen ist heutzutage einfach etwas anderes drin. Das funktioniert genauso gut. Treibhausgasemissionen - und das heißt ja im Wesentlichen CO2 - zu reduzieren, bedeutet weniger Energie zu verbrauchen oder mehr regenerative Energiequellen zu nutzen. Das ist ein langfristiger Prozess, der hohe Kosten verursacht, und auch Verhaltensänderungen in vielen Bereichen erfordert. Das ist sehr schwer durchzusetzen.

Tut die Wissenschaft genug, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen?

Ich denke, die Wissenschaft tut schon genug. Wir schaffen die Grundlagen dafür, dass wir verstehen, was in der Zukunft passieren wird, wenn wir verschiedene Szenarien auf der politischen Ebene verwirklichen. Das ist natürlich auch alles, was wir als Wissenschaftler tun können. Wie das dann hinterher in politische Konzepte umgesetzt wird, da müssen wir uns raushalten.

Dann hoffen wir auf eine bessere Zukunft.

(Interview: Maria Grunwald)