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Asien

Taliban demonstrieren Kampfbereitschaft

Während sie im Ausland "Geheimgespräche" mit der Regierung führen, greifen die Taliban das afghanische Parlament an. Manche sehen darin ein Zeichen ihrer Stärke.

Schreie, Rauch und berstende Scheiben. Ein Video vom Anschlag auf das afghanische Parlament macht in den sozialen Medien die Runde. Die Aufzeichnung der Live-Übertragung eines lokalen Fernsehsenders zeigt, was am Montagvormittag im Inneren des Parlamentsgebäudes geschah. Parlamentssprecher Abdul Rauf Ibrahimi ist gerade dabei, die Begrüßung zu verlesen, als eine heftige Explosion Parlamentsgebäude erschüttert. Staub fällt auf den Sprecher herab. Zunächst versucht er, die Abgeordneten zu beruhigen. Es sei nur ein Stromausfall, ruft er ihnen zu. Doch die Parlamentarier sind bereits in Panik ausgebrochen, als auch der Sprecher von Leibwächtern aus seinem Sitz gehievt wird.

Es sind Bilder wie diese, die das Ausmaß der Unsicherheit in Afghanistan verdeutlichen. Eigentlich war für Montag die Wahl des neuen Verteidigungsministers vorgesehen, über ein Jahr nach dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Ashraf Ghani. Die Bestätigung des Kandidaten Masoom Stanikzai fand jedoch ein jähes Ende.

Afghanistan Explosionen und Schüsse am Parlament in Kabul (Foto: Reuters)

Dunkle Wolken über Kabul und Afghanistan

Die Taliban machten keine Aussage dazu, ob der designierte Verteidigungsminister Ziel des Anschlags war. Laut Angaben der afghanischen Polizei wurden sieben der Taliban-Angreifer getötet. Insgesamt wurden 31 Menschen verletzt. Ein Selbstmordattentäter hatte sich in seinem Auto vor dem Parlamentseingang in die Luft gesprengt, mehrere bewaffnete Komplizen versuchten anschließend, in das Parlament einzudringen.

Kundus wieder vor dem Fall

Das afghanische Parlament ist eines der sichersten Gebäude im Land. Trotzdem konnten die Taliban auf das Gelände vordringen. Mohammad Nawab Mangal, Abgeordneter und Mitglied im Ausschuss für innere Sicherheit, forderte sofortige Maßnahmen von der Regierung. "Die afghanischen Sicherheitskräfte müssen ihre Feinde endlich ausschalten, anstatt mit ihnen zu verhandeln", sagte Mangal der DW. Bisher sieht es jedoch nicht danach aus, als würde die Regierung in dieser Hinsicht Fortschritte machen.

Die Provinz Kundus im Norden des Landes steht wieder kurz davor, von den Taliban eingenommen zu werden. Ein weiterer Bezirk, Char Darah, geriet am Tag des Angriffs auf das Parlemant unter die Kontrolle der Taliban, als einer von mehreren Bezirken, die die afghanischen Sicherheitskräfte in den letzten Tagen verloren haben. Polizeichef General Abdul Saboor Nasrati sagt gegenüber der DW, dass Verstärkung bereits eingetroffen sei. "Die Gegenwehr wurde verstärkt. Während wir sprechen, wurde in Char Darah eine Offensive eingeläutet.

Afghanistan Kunduz Streitkräfte (Foto: Reuters)

Regierungstruppen in Kundus gehen gegen Taliban vor

"Unfähige Regierung begünstigt Unsicherheit"

Ob das ausreicht, bezweifeln viele afghanische Experten. So auch General Abdul Wahid Taqat, Sicherheitsexperte und ehemaliger Mitarbeiter des afghanischen Geheimdienstes. "Die afghanische Regierung kann gegen die Unsicherheit im Norden nicht ankämpfen", so Taqat. "Die Bezirke, die in die Hände der Taliban gefallen sind, liegen außerhalb der Kontrolle der afghanischen Regierung, und sie hat auch nicht die Mittel, um militärisch dagegen anzukämpfen“, sagte er gegenüber der DW.

"Die fehlende Koordinierung innerhalb der Sicherheitskräfte und das Versagen der Zentralregierung in den Provinzen sind der Grund für die schlechte Sicherheitssituation", sagte Jawed Kohistani, ein afghanischer Militärexperte, der DW. Er kritisiert die fehlende Intransparenz der afghanischen Regierung und fordert, dass diese die wahren Gründe aufdecke, weshalb Kundus vor dem Fall steht. "Solange die afghanischen Milizen im Norden und die afghanischen Sicherheitskräfte weiterhin Spitzel der Taliban beherbergen und Geheimdienstinfos an die Taliban weitergeben, kann keine Sicherheit gewährleistet werden“, so Kohistani.

Der Experte kritisiert die Bemühungen der afghanischen Regierung, mit den Taliban und dem pakistanischen Geheimdienst ISI zu verhandeln. "Solange afghanische Kräfte Hand in Hand mit dem Feind arbeiten, kann keine Sicherheit gewährleistet werden", so Kohistani. Die Regierung hatte die jüngsten Gespräche mit Taliban-Vertretern in Oslo zuletzt als "Hoffnung für den Frieden" bezeichnet.

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