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Tag der inhaftierten Schriftsteller

Der 15. November gilt als Gedenk- und Aktionstag für inhaftierte Schriftsteller. Seit 1980 erinnert das Writers-in-Prison-Komitee des PEN an verfolgte, inhaftierte und ermordete Schriftsteller.

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"Ob ich lebe oder sterbe ist bedeutungslos. Es reicht die Gewissheit, dass es Menschen gibt, die ihre Zeit, ihr Geld und ihre Energie darauf verwenden, dieses eine Übel unter so vielen anderen auf der Welt zu bekämpfen. Wenn sie auch heute erfolglos bleiben, morgen werden sie ihr Ziel erreichen. Wir müssen uns darum bemühen, diese Welt zu einem besseren Ort für die gesamte Menschheit zu gestalten. Jeder trägt dazu seinen Teil bei, auf seine oder ihre eigene Weise."

Das Zitat stammt aus einem der letzten Briefe, die Ken Saro-Wiwa an Kollegen und Freunde bei der Internationalen Schriftstellervereinigung PEN kurz vor seiner Hinrichtung 1995 schrieb. Der nigerianische Schriftsteller, Menschenrechts- und Umweltaktivist wurde vom damaligen Abacha-Regime unter falscher Mordanklage zum Tode verurteilt und zusammen mit acht seiner Mitstreiter durch den Strang hingerichtet. Ihr Verbrechen: Sie hatten die Welt auf die Umweltzerstörung im ölreichen Nigerdelta aufmerksam gemacht und den Kampf gegen das Militärregime von General Abacha und den Ölkonzern Shell aufgenommen.

Afrika bleibt der Sorgenkontinent

Sowohl der Kampf Ken Saro-Wiwas als auch das Zitat stehen auch 2005 stellvertretend für viele verfolgte Schriftsteller und die Arbeit des internationalen Writers-in-Prison-Komitees. Auch der Satz "Wenn sie auch heute erfolglos bleiben, morgen werden sie ihr Ziel erreichen", hat sich vielfach bewahrheitet, wie die Vorsitzende des Komitees, Karin Clark, meint.

In Nigeria sind im Moment keine PEN-Kollegen im Gefängnis, Schriftsteller und Journalisten können weitgehend schreiben wie und was sie wollen, ohne befürchten zu müssen, dass sie das Schicksal Ken Saro-Wiwas teilen müssen. Doch Afrika ist und bleibt ein Sorgenkontinent, auch für die internationale PEN-Vereinigung und deren Writers-in-Prison-Komitee, so Karin Clark:

"Die Sorgenländer sind weiterhin Eritrea, Äthiopien, der Sudan, Kongo. Es ist auch die Elfenbeinküste, überall da, wo Konflikte auftauchen, werden als erstes die Journalisten und Schriftsteller in die Zange genommen. Da wo in Afrika Konflikte sind, wo repressive Regimes noch an der Macht sind, leiden unsere Kollegen und Kolleginnen, und eine der Hauptsorgen in Afrika macht uns, dass eben diese Machthaber auf Anklagen des Missbrauchs, Machtmissbrauchs der undemokratischen Regierungsform, auf Anklagen der Korruption mit Klagen wegen Verleumdung antworten und die Verleumdungsklagen nehmen vor allem in Afrika enorm zu."

Auszeichnung für "Journaliste en danger"

Traditionell machen PEN und das Internationale Writers-in-Prison-Komitee an ihrem Gedenktag für inhaftierte Schriftsteller auf fünf Fälle aufmerksam, die besonderen Anlass zur Sorge um die Gesundheit und das Leben der Kollegen geben. Oft decken sich die Namen mit den Namen, die auch bei der Menschenrechtsorganisation "Amnesty International" und bei der Journalistenvereinigung "Reporter ohne Grenzen" in Öffentlichkeitsaktionen auftauchen. Die Organisationen arbeiten überall dort zusammen, wo gemeinsamer Druck gegen Machthaber sinnvoll ist.

Die Länder, die diesmal für die fünf Fälle verantwortlich sind, sind "alte Bekannte", wenn es um die Verhinderung der Meinungsfreiheit geht. In diesem Jahr sind es Sierra Leone, Kuba, China, Iran und die Türkei, sie sind Dauergäste auf der Liste verfolgter Schriftsteller, die das internationale Writers-in-Prison-Komitee regelmäßig veröffentlicht. Doch auch heute gibt es viele, die sich nicht einschüchtern lassen. Die diesjährige Hermann-Kesten-Medaille des deutschen PEN-Clubs und des hessischen Kultusministeriums wurde am Sonntag (13.11.) an die Organisation "Journaliste en danger" aus Kongo verliehen:

Diese Organisation, so Karin Clark, setzt sich für Journalisten im Lande ein. Sie helfen denen, die im Gefängnis sitzen, sie helfen auch, die Familien mitzuversorgen: "Es ist eine ganz, ganz mutige Arbeit und 'Journaliste en Danger' hat mehr als verdient, dass man sie auch mal in Europa wahrnimmt."

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