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Kultur

Schreiben unter Lebensgefahr

Roshanak Daryoush, iranische Schriftstellerin und Übersetzerin wurde bedroht und verfolgt. Die internationale Schriftstellervereinigung P.E.N. setzt sich für sie und andere ein.

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Roshanak Daryoush

Die Schriftstellerin und Übersetzerin Roshanak Daryoush hat einen wichtigen Teil ihrer Jugend in Deutschland verbracht, hier ging sie zur Schule, hier studierte sie. Dennoch blieb die Iranerin, deren Eltern zur Zeit des Schahs den Iran verlassen hatten, ihrer Heimat immer zutiefst verbunden. Eine Heimat, die sie anzog, um sie dann wieder abzustoßen - und die sie nun nicht wieder sehen wird, denn Roshanak Daryoush ist letzte Woche nach langer schwerer Krankheit in München gestorben. Ihr Schicksal steht für viele iranische Künstler und Intellektuelle.

Nach dem Sturz des Schahs kehrt die junge Frau in den Iran zurück, ein abgeschlossenes Politik- und Soziologiestudium hinter sich und große Hoffnungen für die Zukunft in der Heimat. Schon bald aber muss sie feststellen, dass die neuen klerikalen Herrscher keine freie Gesellschaft wollen. Nicht für Frauen und nicht für Sozialisten, schon gar nicht für solche, auf die beides zutrifft.

Festnahmen und Bedrohungen

Roshanak Daryoush folgt aber nicht den Scharen enttäuschter Heimkehrer, die zurück ins Exil gehen. Sie bleibt und schlägt sich durch: Vor allem mit literarischen Übersetzungen, darunter Sartre, Lenz und Sperber. Zum Leben muss sie für deutsche Firmen dolmetschen. Lange setzt sie sich für die Bildung eines iranischen Schriftsteller-Verbandes ein und erweckt damit das „Interesse“ der Behörden. Wiederholt wird sie festgenommen, schließlich anonym bedroht.

Ernst zu nehmende Drohungen, denn im Winter 1997/98 werden mehrere Schriftsteller entführt und ermordet. Nach dem Wahlsieg der Reformer zeichnet sich eine Entspannung ab, die Gefahr ist aber nicht gebannt. Daryoush nimmt eine Einladung an, Anfang 2000 als Stipendiatin des P.E.N. nach Deutschland zu gehen. Im April findet in Berlin eine Iran-Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung statt, bei der Daryoush als Übersetzerin fungiert.

Tod fern der Heimat

Aus dem Iran angereiste Teilnehmer werden nach ihrer Rückkehr festgenommen und vor Gericht gestellt. Ebenso Khalil Rostamkhani, der Mann von Daryoush, der in Teheran bei der Vorbereitung der Konferenz geholfen hatte. Ein Geistlicher, Hasan Eshkevari, wird zum Tode verurteilt, andere erhalten Haftstrafen von mehreren Jahren. Rostamkhani wird erst zu neun, dann zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Gegen Daryoush wird Haftbefehl erlassen und sie kann nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren. Monatelang ist sie schwer krank, schließlich stirbt sie in München - ihre Heimat sieht sie nicht wieder.

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