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Fokus Osteuropa

Tadschikistan will wieder Uran produzieren

Mit dem Zerfall der UdSSR endete in Tadschikistan die Uranproduktion. Heute steigt auf dem Weltmarkt der Uranpreis und damit auch das Interesse an neuen Vorkommen. Tadschikistan sieht dringend benötigte Einnahmequellen.

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Tadschikistan werde eine Uranindustrie aufbauen, erklärte der Präsident des Landes Emomali Rahmon am 25. April in seiner jährlichen Ansprache an das Parlament und die Regierung. Das Staatsoberhaupt beauftragte die zuständigen Behörden, ein staatliches Konzept für die Erschließung von Uranvorkommen zu erarbeiten. Rahmon zufolge verfügt Tadschikistan über etwa 14 Prozent der weltweiten Uranvorkommen. Diese wertvollen Ressourcen sollten dem Wohl der Wirtschaft dienen, so der Präsident.

Weit größere Vorkommen vermutet

Genau Zahlen über den tatsächlichen Umfang der Uranvorräte in Tadschikistan hat niemand. Einige Experten meinen, dass sie viel größer sind, bis zu 40 Prozent der weltweiten Vorräte. Mitte des 20. Jahrhunderts fanden sowjetische Geologen Uranerze in Nord-, Zentral- und Ost-Tadschikistan. Bis 1991 wurde im Norden des Landes Uranerz gefördert. Dort befindet sich das Unternehmen " Wostokredmet", wo das Erz verarbeitet wurde. Experten zufolge wurde die erste sowjetische Atombombe unter Verwendung tadschikischen Urans gebaut. Mit dem Zerfall der Sowjetunion und der Abwanderung von Spezialisten wurde die industrielle Uranproduktion in Tadschikistan eingestellt.

Lösung für soziale und wirtschaftliche Probleme?

Angesicht des heutigen Energiedefizits bekommt das von Rahmon eingebrachte Thema "Uran" eine ganz neue Bedeutung. Der Leiter der Stiftung INDEM, der Politikwissenschaftler Sajmiddin Dustow, meint, die Initiative des Präsidenten sei in Wirklichkeit eine Einladung an interessierte Investoren, die er für die Entwicklung der Uranindustrie in Tadschikistan gewinnen wolle. Die Idee, so Dustow, sei sehr pragmatisch: Der schnell steigende Uranpreis auf dem Weltmarkt diktiere die Notwendigkeit, das Potential des Landes zu erschließen. Der unabhängige Politologe Parwis Mullodschanow meint ebenfalls, dass dem Bemühen des Präsidenten vor allem ein ökonomisches Interesse zugrunde liege. Tadschikistan suche heute nach möglichen zusätzlichen Einnahmen zum Staatshaushalt, um soziale und wirtschaftliche Probleme lösen zu können.

Auf ausländische Unterstützung angewiesen

Zugleich rechne man in Duschanbe bewusst mit einer politischen Resonanz, meinen Beobachter. An der Entwicklung der Atomenergie seien heute China, Russland und die USA interessiert, ganz zu schweigen von Indien, Iran und Pakistan. Allein in China werden derzeit mehrere neue Atomreaktoren gebaut. In diesem Zusammenhang steigt das Interesse an den zentralasiatischen, darunter auch tadschikischen Uranvorkommen weiter. Das Interesse jeder Großmacht an den tadschikischen Vorkommen stellt in den Händen der Führung des Landes einen politischen Trumpf dar. Unter Berücksichtigung der neuen Anweisungen des Präsidenten wird man aber nun die nationalen Pläne und Strategien korrigieren müssen. Und wenn Tadschikistan tatsächlich die Uranindustrie entwickeln will, dann wird das ohne ausländische Investitionen und Spezialisten unmöglich sein. Auch müssten die Gesetze geändert werden, denn diese verbieten ausländischen Gesellschaften, in Tadschikistan nach Uranvorkommen zu forschen und sie zu erschließen.

Nigora Buchari-sade

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