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Fokus Osteuropa

Tadschikistan schickt Gastarbeiter nach Saudi-Arabien

In Tadschikistan herrscht Arbeitsplatzmangel. Deswegen suchen viele Tadschiken vor allem in Russland Arbeit. Doch nun hat die Regierung einen neuen Arbeitsmarkt für ihre Landsleute erschlossen: Saudi-Arabien.

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Die tadschikische Regierung hat ein Problem: Es gibt nicht genug Arbeitsplätze für die Menschen, es mangelt an Möglichkeiten, die Menschen in Lohn und Brot zu bringen. Und: Die Zahl der Erwerbsfähigen steigt stetig. Traditionell versuchen viele Tadschiken in Russland ihr Glück. Mit der neuen Initiative versuche man nun, die Abhängigkeit vom russischen Arbeitsmarkt zu reduzieren, meint der Experte für Arbeitsmigration, Raschid Gani Abdullo. "Dieses Jahr haben viele einflussreiche russische Politiker gesagt, die Migration sei der Hebel, mit dem man auf Tadschikistan Druck ausüben könne", sagte der tadschikische Experte.

Einigung mit Saudi-Arabien

Bei Gesprächen in Saudi-Arabien wurde ein Memorandum über die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern bei der Migration unterzeichnet. Das Interesse an Arbeitern aus Tadschikistan ist Abdullo zufolge in Saudi-Arabien darauf zurückzuführen, dass die Monarchie auf die Erhaltung der bei ihr bestehenden Ordnung bedacht sei und sich deswegen Migranten nicht-arabischer Herkunft wünsche. "Diese Menschen werden weniger Möglichkeiten haben, direkte politische Kontakte mit der Bevölkerung vor Ort zu knüpfen. Diese Menschen sind Fremde und werden kaum Schaden anrichten können", erläutert der Experte für Arbeitsmigration.

Präsidialamt zeigt sich zufrieden

Nach Angaben des tadschikischen Innenministeriums sind die saudischen Behörden bereit, mehr als 20.000 Arbeitsmigranten aus Tadschikistan aufzunehmen. In Riad wurde mitgeteilt, geplant sei, die Menschen mit Wohnraum zu versorgen und ihnen angemessene Löhne zu zahlen. Die sozialen Leistungen seien praktisch perfekt, sagte der Experte des Zentrums für Strategische Studien beim Präsidenten Tadschikistans, Firus Saidow. Allerdings sei ungewiss, ob Tadschikistan die angebotene Quote voll ausschöpfen könne, denn noch seien nicht alle Voraussetzungen gegeben: "Die Arbeitsmigranten müssen die Grundlagen der arabischen Sprache erlernen. Zudem muss die Qualifikation der Arbeitnehmer verbessert werden, denn der arabische Markt braucht auch Spezialisten", erläuterte Saidow.

Experten rechnen mit Anpassungsschwierigkeiten

Mehr als 95 Prozent der tadschikischen Migranten arbeiten heute in Russland. Wie viele es sind, ist nicht genau bekannt. Zuletzt war von 700.000 Menschen die Rede. Abdullo glaubt, dass den tadschikischen Arbeitsmigranten die Umstellung nicht leicht fallen werde. "Sie wissen, wenn man in Russland mit der Polizei und den Arbeitgebern eine gemeinsame Sprache findet, kann man dort leben und arbeiten. In den Golf-Staaten sind die Bedingungen härter. Nicht jeder Migrant wird sich ihnen anpassen können. Natürlich gibt es dort keine Skinheads und Fremdenfeindlichkeit, aber jede Abweichung im Verhalten wird dort sofort auffallen. Saudi-Arabien nimmt seit Jahren Arbeitsmigranten auf. Die Verfahren sind geregelt. Sie wissen, was sie wollen", betonte Abdullo.

Gemeinsamkeiten mit Russland

Tadschikische Migranten werden sich in arabischen Staaten zudem an eine andere Arbeitskultur gewöhnen müssen, sagen Experten. In Tadschikistan und Russland würden noch gemeinsame sowjetische Standards gelten. "Ein russischer Ingenieur kann einem tadschikischen Arbeitnehmer erklären, was von ihm verlangt wird. Die Menschen können einander verstehen, weil sie dasselbe Verständnis von Arbeitskultur haben", sagt Abdullo. Seiner Ansicht nach werde den Tadschiken in arabischen Ländern zudem die eigene kulturelle Umgebung fehlen. In den Städten Russlands hingegen bestünden praktisch überall tadschikische Gemeinden.

Autor: Galim Faschutdinow / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Birgit Görtz

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