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Fokus Osteuropa

Zentralasien: AIDS-Zunahme durch Arbeitsmigration

In den Ländern Zentralasiens wissen viele Menschen zu wenig über die Gefahr einer HIV-Infektion. Nun sollen die AIDS-Aufklärungsmaßnahmen verstärkt werden. Hauptzielgruppe sind dabei Arbeitsmigranten.

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Anstieg von Neuinfektionen

In Duschanbe hat das erste Regional-Seminar begonnen, das sich gezielt mit HIV-Infektionen unter Arbeitsmigranten beschäftigt. Auf dem Seminar haben sich Vertreter von Nichtsregierungsorganisationen aus Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan versammelt. Die Experten sind der Ansicht, dass in den zentralasiatischen Staaten die Menschen, die im Ausland nach Arbeit suchen, stärker über AIDS informiert werden müssten. Gerade sie könnten in den nächsten Jahren zu der Bevölkerungsgruppe werden, die für eine starke Zunahme von HIV-Infektionen in der Region sorgen könnte.

Das Seminar findet im Rahmen eines Weltbank-Projektes statt, mit dem in diesem Jahr die Einrichtung von Fortbildungszentren in den vier zentralasiatischen Republiken finanziert wurde, in denen AIDS-Aufklärung betrieben werden soll. Dort sollen auch Mitarbeiter von gesellschaftlichen Organisationen und medizinischer Einrichtungen zu Trainern ausgebildet werden, die dann Arbeitsmigranten und deren Familienangehörigen über AIDS informieren sollen.

Zu wenig Aufklärung unter Migranten

Mechri Sulajmonowa, Beraterin am regionalen AIDS-Aufklärungszentrum in Duschanbe, hält die Aufklärung unter den Arbeitsmigranten für ein besonders aktuelles Thema, und das nicht nur in Tadschikistan: "Dies ist auch in den anderen Ländern Zentralasiens wichtig, da es jedes Jahr mehr Arbeitsmigranten gibt. Aber in den anderen Ländern wird kaum Aufklärung betrieben, obwohl sich jedes Jahr immer mehr Arbeitsmigranten mit HIV infizieren."

In Usbekistan sind offiziell über 13.000 HIV-Infizierte registriert, berichtet Indira Achmedowa, die bei der usbekischen Nichtregierungsorganisation " Istikboli awlod" für Gesundheitsprogramme zuständig ist. "Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist das eine Zunahme um mehr 2.000 Fälle. Das HIV-Problem im Zusammenhang mit der Migration ist für uns aber neu. Und die Aufklärung unter den Migranten ist unterentwickelt, wie in Tadschikistan auch. Dieses Problem müsste auch unser Staat als Problem Nummer Eins anerkennen."

Arbeiter gefährden ihre Frauen daheim

Hunderttausende Saisonarbeiter aus Tadschikistan, Usbekistan und Kirgisistan fahren jedes Jahr nach Russland, Kasachstan und in andere Länder. Eine in Tadschikistan durchgeführte Studie ergab, dass nur 17 Prozent der Migranten ausreichend über AIDS informiert sind. 87 Prozent der befragten Arbeiter wiesen ein riskantes Sexualverhalten auf. Nur sehr wenige hätten angegeben, regelmäßig Kondome zu verwenden, erläuterte Ibragim Zwetkow, Direktor der gesellschaftlichen Fortbildungsorganisation " Tadschiktraining".

"Sehr viele Arbeitsmigranten wissen immer noch nichts über AIDS, weder über die Übertragungswege, noch darüber, wie man sich schützen kann. Und wenn sie sich schützen, tun sie das nur unregelmäßig. Deswegen haben wir heute die Situation, dass nicht nur Arbeiter HIV-positiv sind, sondern dass sie auch ihre Frauen infizieren. Die Frauen bleiben in Tadschikistan, sind ihrem Mann treu und können dennoch HIV-positiv werden. Wir haben bereits solche Fälle", sagte Zwetkow.

Übertragungswege verändern sich

Die Menschen in Zentralasien wissen zu wenig über die Übertragungswege des Virus und für die Aufklärung wird zu wenig getan. Deswegen würden die Infektionen über Geschlechtsverkehr weiter zunehmen, sagte der Projektleiter der kirgisischen gesellschaftlichen Vereinigung "Weißer Kranich", Artur Sarkisow.

"Früher waren es in 95 Prozent der Fälle Übertragungen mit Spritzen bei Drogenabhängigen, die restlichen fünf bis sechs Prozent waren Übertragungen durch Geschlechtsverkehr. Heute sind es 70 zu 30 Prozent, also es infizieren sich immer mehr über Geschlechtsverkehr. Am 1. Oktober dieses Jahres waren in Kirgisistan 1826 HIV-Infektionen gemeldet", so Sarkisow. Der Vertreter der Nichtregierungsorganisation betonte, dass neben der Auslandsmigration auch die Migration im Lande selbst zunehme und dass die entsprechenden AIDS-Projekte auch dies berücksichtigen sollten.

Nigora Bucharisade