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Reise

Türkei: Terror trifft Tourismus

Ein erneuter Anschlag in Istanbul erschüttert das Urlaubsland Türkei. Die ohnehin schon krisengeschüttelte Tourismus-Industrie rutscht weiter ab. Es wird vom "Schwarzen Juni" gesprochen.

Seit 15 Jahren ist Mehmet Tekerek im Geschäft - aber so eine schlechte Saison habe er noch nie erlebt. "Dieses Jahr ist die reinste Katastrophe. Es sind keine Touristen da." Dabei ist Konyaalti einer der bekanntesten Strände in Antalya. Schuld an der Misere ist seiner Meinung nach eine falsche Politik. "Ständig explodiert irgendetwas, und die Außenbeziehungen sind auch schlecht." Hinzu kämen der Fastenmonat Ramadan und die Fußball-EM. Seine Forderungen an die türkische Regierung sind deutlich: "Sie muss ihre Beziehungen zu anderen Ländern verbessern, und sie muss die Tourismus-Industrie stützen."

Normalerweise tummeln sich hier Urlauber aus Russland, Deutschland und anderen Ländern Europas. Doch dieses Jahr steckt der Tourismus in der Türkei in einer schweren Krise.

Schon Ende des vergangenen Jahres blieben russische Besucher weg, nachdem Präsident Wladimir Putin wegen des Abschusses eines Kampfflugzeuges Sanktionen gegen die Türkei beschlossen hatte. Damals hofften die Unternehmer, bis zum Sommer die eingebrochenen Zahlen mit Urlaubern aus Europa auszugleichen. Doch Anschläge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf Touristen in Istanbul verunsicherten viele. Auch die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK hat immer wieder angedroht, in Zukunft Urlauber anzugreifen - auch wenn das bisher noch nicht geschehen ist.
Laut dem türkischen Tourismus-Ministerium ist die Zahl der Besucher, die im April im Vergleich zum Vorjahresmonat ins Land kamen, um 28,07 Prozent gesunken.
Betrachtet man die Region Antalya, wo die Menschen hauptsächlich vom Tourismus leben, sind die Zahlen noch dramatischer. Türkische Medien berichten unter Berufung auf Angaben des Flughafens in Antalya, in den ersten zwei Juni-Wochen seien rund 59 Prozent weniger Besucher angekommen - 45 Prozent weniger Deutsche, fast keine Russen. "Schwarzer Juni" titelten denn auch die Zeitungen.

Für Wassersportanbieter Tekerek bedeuten diese Zahlen die drohende Pleite. 2015 habe er etwa 500 Euro am Tag verdient. Nun seien es mal 100 Euro - und manchmal komme überhaupt kein Geld rein. Er zählt seine Ausgaben auf: Miete für den Liegeplatz, Steuern, Gehalt und Versicherung für seine Mitarbeiter. Von fünf Angestellten habe er vor Saisonbeginn zwei entlassen müssen. Mit dem Geld vom Sommer müsse er eigentlich noch über den Winter kommen, erzählt Tekerek. Ähnlich klagen viele in der Region. Händler verkaufen nichts, Hotels werden ihre Zimmer nicht los und müssen mit den Preisen runter.

Im Ferienort Side, rund 60 Kilometer östlich von Antalya, ist es am Strand etwas lebendiger - glaubt man den Einheimischen, ist es jedoch totenstill im Vergleich zum Vorjahr. Hier machen vor allem Deutsche Urlaub. Viele der Urlauber, die hier sind, gelten schon als Stammgäste. "Viele haben Angst vor Terror, aber das kann überall passieren, deswegen haben wir uns nicht abschrecken lassen", sagt die Touristin Ingeborg Wackelnagel. Viele ihrer Freunde hätten allerdings gefragt, ob sie sich das auch gut überlegt hätten. Ihr Mann Ekkehard ist außerdem der Meinung, dass es keinen besseren Urlaubsort als die Türkei gibt: "Der Service ist super, die Preise günstig, das Hotel sauber und die Menschen sehr freundlich."
Reiseführer Hajo Hayati Simsek sagt, die Stammgäste hätten ohnehin keine Angst. Es gelte, diejenigen zu überzeugen, die die Türkei noch nicht kennen, meint er in fließendem Deutsch. Trotz der schlechten Aussichten will er positiv bleiben: "Nächste Saison wird sich garantiert was ändern. Die, die jetzt in Spanien oder Italien Urlaub machen - die werden die Freundlichkeit der Türken vermissen."

is/at (dpa)

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