Türkei: Bitcoin ist nichts für Muslime | Wirtschaft | DW | 29.11.2017
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Wirtschaft

Türkei: Bitcoin ist nichts für Muslime

Muslime sollen die Digitalwährung Bitcoin nach Auffassung der türkischen Religionsbehörde Diyanet nicht verwenden. An den Börsen geht der Höhenflug der Digitalwährung weiter.

"Bitcoin ist nicht kompatibel mit dem Islam", so die Behörde in einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme. Als Grund nannte Diyanet, dass der Preis der Internetwährung durch Spekulationen bestimmt werde. Zudem könnte sie für illegale Aktivitäten genutzt werden und entziehe sich staatlicher Kontrolle.

Übermäßige Spekulation gilt im Islam als Sünde. Der Erwerb von Aktien ist demnach zwar erlaubt; allerdings müssen die betreffenden Unternehmen "halal" sein. Nicht zulässig ist der Kauf von Anteilen an Firmen, die etwa mit Glücksspiel, Pornografie, Alkohol oder Schweinefleisch zu tun haben. Auch Zinsnehmen gilt im Islam als sündhaft.

Freilich halten sich längst nicht alle Türken an die Vorgaben der Religionsbehörde. Auch die türkische Zentralbank sieht die Sache nüchterner und hat eine Arbeitsgruppe zum Thema Bitcoin eingerichtet. Die Währung könnte zur finanziellen Stabilität beitragen, sagte kürzlich Zentralbank-Chef Murat Cetinkaya.

Der Hype geht weiter

Ungeachtet der Bedenken aus der Türkei setzt sich die Rekordjagd des Bitcoin ungebremst fort. Am Mittwoch stieg der Kurs für eine Einheit der Digitalwährung an großen Handelsbörsen wie Bitstamp oder Coinbase über die Marke von 11.000 US-Dollar. Bei Bitstamp wurden im Hoch 11.395 Dollar erreicht. An einzelnen, kleineren Handelsplätzen lag der Kurs noch höher bei bis zu 11.800 Dollar. Seit Beginn des Jahres hat sich der Wert der Digitalwährung verzehnfacht.

Die Meinungen, ob dieser gewaltige Kursanstieg gesund und nachhaltig ist, gehen an den Finanzmärkten stark auseinander. Einige sprechen von einer Preisblase, der ein jäher Absturz droht, andere gehen von einem fortgesetzten Kursanstieg aus. Nicht nur Fachleute an den Finanzmärkten, auch ranghohe Vertreter namhafter Institutionen sehen sich zunehmend mit Fragen zum Bitcoin konfrontiert. In den großen Zentralbanken hält man sich mit Äußerungen zum jüngsten Kursanstieg aber eher zurück.

Der Bitcoin ist der bekannteste Vertreter von Digitalwährungen, auch Kryptowährungen genannt. Anders als herkömmliche Währungen werden sie nicht von Zentralbanken und Regierungen kontrolliert. Befürworter schätzen die Freiheit und Anonymität, Kritiker warnen vor Missbrauch etwa zur Finanzierung krimineller Handlungen.

zdh/uh (KNA, dpa, afp)