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Syriens Freunde und Feinde

Die Revolution in Syrien hat Auswirkungen weit über die Region hinaus. Die Interessen zahlreicher Staaten werden durch den Aufstand berührt. Ihr Engagement erfolgt darum nicht allein aus selbstlosen Motiven.

Der UN-Sicherheitsrat während einer Sitzung zu Syrien, 19.7. 2012 (Foto: AP)

UN Sicherheitsrat Krieg in Syrien

Syriens geostrategische Lage: Mit Grenzen zum Libanon, zu Israel, Jordanien, der Türkei und dem Irak nimmt Syrien im Nahen Osten eine zentrale geostrategische Position ein. Das Land ist zudem Bestandteil einer Region, die religiös, politisch und ökonomisch von weltweit zentraler Bedeutung ist. In dieser Region entstanden die drei großen monotheistischen Weltreligionen - Judentum, Christentum, Islam. Die Region liegt an der Schnittstelle der drei Kontinente Europa, Asien und Afrika. Sie beherbergt die weltweit größten fossilen Energievorkommen, insbesondere Erdöl. Hier kreuzen sich die großen weltweiten Handelsrouten, deren wichtigste der Suez-Kanal ist.

Unter der Regierung der Assads hat Syrien eine Führungsrolle in der arabischen Welt beansprucht. Während ihrer Herrschaft hat sich das Land als Speerspitze gegen die als "kolonialistisch" definierte Politik des Westens, allen voran der USA und Israels, verstanden. Darüber schmiedete es Bündnisse, in deren Folge der vor anderthalb Jahren ausgebrochene Aufstand gegen Assad nicht nur nationale, sondern auch regionale und internationale Bedeutung hat.

Ein Plakat mit den Porträts der Führer der so genannten schiitschen Achse: Mahmud Ahmadinedschad Bashar al-Assad und Hassan Nasrallah. Aufgenommen in Beirut am 22.9. 2006 (Foto: AP)

Führer der schiitschen Achse: Mahmud Ahmadinedschad Bashar al-Assad und Hassan Nasrallah

Iran: Für den Iran ist Syrien der einzige Verbündete unter den arabischen Staaten. Das hat religiöse Gründe. Denn die Alawiten, deren Reihen auch die Familie Assad entstammt, gehören zu den Schiiten, deren politischer und geistlicher Führungsstaat der Iran ist. Vor allem hat das Bündnis aber politische Gründe: Mit seiner Grenze zu Israel wird Syrien aus Perspektive des mit Israel verfeindeten Iran zu einem wichtigen Verbündeten. Zugleich grenzt Syrien an den Libanon. Dort kämpft die schiitische Hisbollah ebenfalls gegen Israel. Über Syrien erhält die libanesische Organisation logistische Unterstützung - vor allem Waffen - aus dem Iran. Diese drei Länder bilden die sogenannte "schiitische Achse". Ein Regierungswechsel in Syrien könnte deren Fortbestand gefährden. Stürzte Assad, könnte Iran seinen wichtigsten Verbündeten verlieren.

Saudi-Arabien: Als Ursprungsland des Islam ist Saudi-Arabien zugleich das Zentrum eines konservativen sunnitischen Islams. So ist es in religiöser Hinsicht der größte Konkurrent des Iran. Beide Länder ringen aber auch politisch um die Vorherrschaft in der Region. Zugleich fürchtet Saudi-Arabien das iranische Atomprogramm.

Als enger Verbündeter der USA bedeutet die gemeinsam mit Washington betriebene Unterstützung der Assad-Gegner eine weitere Festigung der saudisch-amerikanischen Partnerschaft.

Baschar al-Assad trifft König Abdullah in Damaskus, 7.10.2009 (Foto: AP)

Autokraten unter sich: Baschar Assad und der saudische König Abdullah

Saudi-Arabien hat sich innerhalb der arabischen Staatengemeinschaft im Namen demokratischer und rechtsstaatlicher Ideale zum Wortführer gegen die Regierung Assad präsentiert. Zugleich hat das Land aber mit massivem Gewalteinsatz geholfen, den (schiitischen) Aufstand im benachbarten Bahrain zu unterdrücken. Auch Proteste im eigenen Land unterdrückte die Regierung gewaltsam. Schwere Menschenrechtsverletzungen sind nach Angaben von "Amnesty International" an der Tagesordnung. Die Förderung von Freiheit erscheint so als vorgeschobenes Argument.

Katar: Auch Katar ist ein enger Verbündeter der USA. Und wie Saudi-Arabien fürchtet auch das Emirat eine Vorherrschaft des Iran. Kritiker werfen dem in Doha ansässigen Sender Al Dschasira vor, insbesondere in seinem arabischsprachigen Programm tendenziös über die Revolution in Syrien zu berichten. Eigentümer von "Al Dschasira" ist Hamad bin Chalifa Al Thani, der Emir von Katar.

Irak: Nach dem Einmarsch der USA wurde 2006 mit Nuri al-Maliki ein schiitischer Politiker Ministerpräsident des Irak. Zur Regierungszeit Saddam Husseins flüchtete Maliki sowohl ins iranische wie auch ins syrische Exil. Aus dieser Zeit stammt seine Verbundenheit zum Assad-Regime. Rund 60 Prozent der Iraker sind zudem Schiiten. Auch das bindet das Land an Syrien und den Iran. Der Irak sieht in beiden Ländern auch Verbündete gegen den von sunnitischen Extremisten verübten Terrorismus, unter dem das Land bis heute leidet.

Libanon: Syriens kleiner Nachbar war und ist von der politischen Entwicklung in Damaskus traditionell am stärksten betroffen. Syrien betrachtet den Libanon als künstliches Gebilde, das eigentlich Teil des syrischen Staatsgebietes ist. Am libanesischen Bürgerkrieg 1975-1990 nahmen auch syrische Truppen teil. Nach Ende des Krieges hielt Syrien als selbsternannte Ordnungsmacht den Libanon besetzt. Nach der Ermordung des libanesischen Premierministers Rafik al-Hariri, für den zuerst Syrien verantwortlich gemacht wurde. Im gesamten Land kam es daraufhin zu anti-syrischen Protesten, unter deren Eindruck sich Syrien aus dem Libanon zurückzog.

Einen starken Verbündeten hat die Assad-Regierung in der schiitischen Hisbollah. Deren Kämpfer haben sich Berichten zufolge am Kampf gegen die Assad-Gegner beteiligt. Der nördliche Libanon ist zum Schmuggelgebiet für Waffen nach Syrien geworden. Allerdings nicht nur durch die Hisbollah, sondern auch durch die libanesischen Sunniten, die die Gegner Assads unterstützen. Zwischen Anhängern beider Parteien ist es auch auf libanesischem Boden zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Darum versucht die Regierung unter Premierminister Nadschib Mikati, das Land aus den Kämpfen so weit wie möglich herauszuhalten. Sie muss allerdings auch Rücksicht nehmen auf die im Parlament vertretene Hisbollah.

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