1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
Politik

UN: Osten Aleppos vor völliger Zerstörung

6. Oktober 2016

Bis Jahresende, so fürchten die UN, könnten die Rebellengebiete dem Erdboden gleich gemacht sein. Der UN-Sonderbeauftragte für Syrien, de Mistura, bot an, nach Aleppo zu reisen, um die Eingeschlossenen zu eskortieren.

https://p.dw.com/p/2QuDz
Syrien Zerstörung nach Luftangriff auf Aleppo
Bild: Reuters/A. Ismail

Staffan de Mistura will sich selbst in die umkämpfte syrische Millionenstadt begeben, um syrische und russische Angriffe auf den von Rebellen gehaltenen Ostteil Aleppos zu stoppen. Er bot an, bis zu 1000 Rebellen aus der Stadt zu begleiten.

Schweiz Genf Staffan de Mistura press conference
Staffan de Mistura warnt vor der völligen Zerstörung der Rebellengebiet in Aleppo Bild: picture-alliance/dpa/M. Trezzini

Sollten Syrien und Russland den Aufenthalt der Rebellen als Vorwand nutzen, um Aleppo weiter zu zerstören, und dabei den Tod von Tausenden der eingeschlossenen 275.000 Zivilisten in Kauf zu nehmen, werde dies für immer in die Geschichte eingehen, mahnte der UN-Sonderbeauftragte.Vor der Warnung de Misturas hatte die syrische Armee Zivilisten und Rebellen im Osten Aleppos dazu aufgerufen, sich aus dem Stadtteil zu entfernen.

Zivilisten sollen Rebellengebiete verlassen

 Alle, die blieben, würden sich ihrem "unausweichlichen Schicksal" ergeben, warnte das Militär. Die Versorgungswege der Rebellen im Norden der Stadt seien gekappt worden. Zudem habe man Kenntnis über sämtliche Rebellenstellungen und Waffenlager in Aleppo. Zuvor hatte das Heereskommando nach Berichten staatlicher Medien angekündigt, aus humanitären Gründen die Angriffe im Osten der Stadt zurückzufahren.

Syrisches Militär meldet Erfolge in Aleppo

Nach Angaben von Beobachtern hatten die Regierungstruppen bedeutende Geländegewinne im Kampf um die Großstadt erzielten. Wie die in Südengland ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, brachten die Soldaten von Machthaber Baschar al-Assad nach schweren Kämpfen etwa die Hälfte des Bustan-al-Bascha-Viertels unter ihre Kontrolle.

Das Stadtviertel ist eine wichtige Hochburg der Rebellen. Die Angaben der Beobachterstelle sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen, allerdings erklärte auch das syrische Militär, die Regierungstruppen seien im Bustan-al-Bascha weiter vorgerückt.

Syrien Regierungstruppen rücken weiter auf Aleppo vor
Syrische Regierungstruppen rücken weiter auf den Ostteil Aleppos vorBild: Getty Images/AFP/G. Ourfalian

Mit Hilfe russischer Luftangriffe hat die Armee den von den Aufständischen kontrollierten Ostteil der Stadt eingekesselt und bemüht sich nun, Aleppo mit einer Großoffensive vollständig einzunehmen.

Syrien-Gespräche in Paris angekündigt

Unterdessen versucht Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault in der Syrien-Krise zu vermitteln. Nach einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow verkündete dieser, Russlands Präsident Wladimir Putin wolle am 19. Oktober nach Paris reisen, und mit dem französischen Präsidenten François Hollande über den  Syrien-Konflikt sprechen. Bei dem Besuch des russischen Präsidenten werde es auch um die Ukraine-Krise gehen, sagte Lawrow laut der Nachrichtenagentur Tass. Einen französischen Resolutionsentwurf für eine Feuerpause in der umkämpften Großstadt Aleppo lehnt Russland derzeit jedoch ab und will einen eigenen Vorschlag im UN-Sicherheitsrat einbringen.

Russisches Kriegsschiff nimmt Kurs auf Syrien

Derzeit verstärkt Moskau seine militärische Präsenz in Syrien. Ein mit Marschflugkörpern bewaffnetes Kriegsschiff lief nach Agenturmeldungen aus seinem Heimathafen Sebastopol im Schwarzen Meer in Richtung Mittelmeer aus. Dort werde die Korvette "Mirasch" zu einer Gruppe weiterer russischer Kriegsschiffe stoßen, meldeten Nachrichtenagenturen unter Berufung auf einen Flottensprecher.

Die russische Regierung unterstützt im Syrien-Konflikt den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad militärisch. Weil sich Moskau auch an der Offensive auf Aleppo beteiligt, wo verheerende humanitäre Zustände herrschen, kam es zuletzt zum Zerwürfnis mit den USA. Washington brach die Syrien-Gespräche mit der Regierung in Moskau ab. Russland wiederum legte Teile seiner atomaren Zusammenarbeit mit den USA auf Eis. Trotz des Abbruchs der Syriengespräche hatten allerdings die Außenminister beider Länder, Lawrow und John Kerry wieder gemeinsam telefoniert. Auch Russlands Vize-Außenminister Michail Bogdanow sagte, sein Land wolle den Dialog mit den USA über den Syrien-Konflikt trotz schwerer Kontroversen fortsetzen.

Syrien Russische Luftangriff
Rauch über Aleppo: Russische Kampfjets bombardieren den Ostteil der syrischen GroßstadtBild: picture alliance/AA/D. Al-Din

cw/sc (dpa, afp, rtre)