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Nahost

Syrien: Russland will weiter bomben

Dramatische Streicher. Verwackelte Bilder. Männer mit Mikro im Dreck. Das russische Fernsehen zieht alle Register, wenn es um die Syrien-Berichterstattung geht, wie DW-Russland-Korrespondent Juri Rescheto beobachtet hat.

Jeden Abend melden sich russische Korrespondenten aus Kampfgebieten. Ihr Job ist gefährlich, sie riskieren das Leben. Aber sie sind wichtig, sehr wichtig, gefragter denn je, denn sie füllen das Abendprogramm.

Gefühlte 90 Prozent der besten Sendezeit sind dem Thema Syrien gewidment. Die meisten Berichte zeigen russische Luftangriffe. Aber anders als im Westen werden sie nicht kritisch hinterfragt, sondern frenetisch bejubelt. Denn für die Russen auf dem Sofa vor dem Fernseher ist dieser Krieg vor allem Medienkrieg, Unterhaltung.

Moskau zeigt Stärke - das ist die Botschaft, auf die es hierzulande ankommt. Und die kommt an. Nach den letzten Umfragen des unabhängigen Meinungsforschungsinstituts Lewada-Zentrum finden 59 Prozent der Russen, dass die Luftschläge ihrer Streitkräfte fortgesetzt werden sollen. Beflügelt wird diese Zustimmung durch Erfolgsmeldungen von der Front: Russische Bombardements haben allem Anschein nach eine militärische Wende erwirkt, Regierungstruppen Assads haben zur Zeit militärisch die Oberhand.

Baldiger Frieden in Syrien? Daran glaubt hier niemand. Im besten Fall kann man über die "Reduzierung der Intensität von Kampfhandlungen" sprechen, meint der Experte Nikolay Kozhanov vom Carnegie Moscow Center: "Sowohl die USA als auch Russland gehen vom Standpunkt aus: Gott sei Dank sprechen wir miteinander! Niemand erwartet Wunder von einer Feuerpause. Man betrachtet sie allenfalls als eine Basis für weitere Verhandlungen."

München Sicherheitskonferenz . Foto: Reuters/M. Dalder

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz wird weiter um eine Lösung des Syrien-Konflikts gerungen

Ob eine für den 20. Februar bei der Münchener Sicherheitskonferenz angedachte Feuerpause nun kommt oder nicht, spielt für die Russen ja auch gar keine Rolle. Moskau will Syrien weiterhin bombardieren. Denn: "Es ist klar, dass aus der Waffenruhe schon im Vorfeld terroristische Verbände ausgeschlossen werden, so dass unser gemeinsamer Kampf mit der Regierung Syriens gegen die Terroristen fortgesetzt wird", versicherte Russlands Außenminister Lawrow am 12. Februar in München.

Sonst müsste noch das russische Fernsehen über das Wirtschaftschaos, die Korruptionsenthüllungen und die immer gefährlicheren Angriffe auf die politische Opposition der letzten Tage berichten. Wo bliebe dann die heldenhafte Streichermusik!

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