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Musik

"Swingende Notwendigkeit" - der Musikkabarettist Bodo Wartke

Seinen Karrierestart hat er einem Gewitter auf einem Festival zu verdanken. Vom Pausenfüller spielt sich Bodo Wartke in die erste Liga des Musikkabaretts in Deutschland. Jetzt wagt er einen hochpolitischen Song.

Ein ungewöhnliches Ambiente für ein Klavierkonzert. Es darf serviert werden. Im Zuschauerraum des Bonner "Springmaus"-Theaters ist eifriges Besteckklappern zu hören. Die meisten Besuchergruppen an den kleinen Tischen heute Abend sind offenbar Kenner der Szene und haben rechtzeitig bestellt. Bis zum Beginn des Bühnenprogramms sind sie fertig mit dem Essen.

Auftritt Bodo Wartke von links, mit fest entschlossenem Schritt. Klavier, Gesang, Mundharmonika ist in der Programm-Ankündigung zu lesen. Die erste Nummer, ein grandioser Text - witzig, mit feiner Ironie grundiert, gesellschaftskritisch: "Sie ist die Tochter eines Schönheitschirurgen". Wartke treibt den Schönheitswahn der Reichen und Schönen auf die Spitze. Seine "Schöne" ist das liebste Versuchsobjekt von Papa, passend zum modischen Zeitgeist geliftet und parat geschneidert. Ein knackiges Rock'n Roll-Solo auf der Mundharmonika deutet die Musikalität des Künstlers an. Das Publikum steigt mit Begeisterung auf den Rhythmus ein.

Bodo Wartke Kabarettist und Liedermacher

"Das Lied liegt mir schon lange auf der Seele" sagt Wartke.

Musikalischer Gesellschaftskritiker

"Ich bin ja ein Mann, da will ich auch ran..." Gleich mit dem zweiten Song breitet Bodo Wartke die Themenlandschaft seines Bühnenprogramms aus: Frauen, ganz klar. Auch mal das Wetter. Und Gesellschaftskritik. Das ganze virtuos am Flügel begleitet. Zwischen den Programmteilen erzählt er - mit dosierter Selbstironie - aus seinem langen, zum Teil steinigen Künstlerleben.

Angefangen hat alles mit dem Bundesgesangswettbewerb, den er zu seiner Überraschung gleich zweimal gewonnen hat. Seit 20 Jahren steht Wartke inzwischen als Kabarettpianist auf der Bühne - die Tour 2016 ist auch sein Jubiläumsprogramm. Und Bodo Wartke ist vielseitig: Parallel zu seinen Solo-Programmen geht er auch als eleganter Entertainer mit Hut auf Tournee - zusammen mit der Bigband "The Capital Dance Orchestra" aus Berlin. Und erzählt als Sänger von "Swingender Notwendigkeit".

"Ich weiß, es ist nicht gerade wenig, was Du da von Dir verlangst. Aber dies ist nicht der erste Gipfel, den Du schon bezwangst", heißt es in einem von Wartkes Liedtexten. Wartke setzt gern auf "Das falsche Pferd" oder "Alles auf Anfang", er gibt sich "Unkompliziert" und auch gern als "Clown", inklusive "Happy End", so die Titel seiner Songs. In der zweiten Hälfte seines Jubiläumsprogramms wird er für kurze Zeit ernst. Die Zuschauer dürfen sich ihre Bodo-Wartke-Lieblingssongs aussuchen.

Gedanken über den anwachsenden Radikalismus

Deutschland Konzert Bodo Wartke

Nicht nur am Klavier und als frecher Texter begabt: Bodo Wartke als Entertainer

Als Wunschtitel singt er auch das Lied, das schon am Vorabend in der Bonner Beethovenhalle für Standing Ovations gesorgt hat: "Nicht in meinem Namen" ist ein Song über den politischen Radikalismus in der Welt - aus der Sicht von Gott, der mit Sorge die extremistischen Entwicklungen beobachtet, die in seinem Namen verbrochen werden. "Das Lied liegt mir schon lange auf der Seele", erzählt Wartke auf der Bühne. "Aber beim Thema Religion läuft man schnell Gefahr, religiöse Gefühle zu verletzen. Und das ist nicht meine Absicht.“

Ein nachhaltiges Stück, lange bleibt der Refrain im Kopf. Man könnte ihn auch als Gospel in der Kirche singen. So ganz perfekt sitzt der Song zwar noch nicht, doch er begeistert auch in der "Springmaus" das Publikum: Mit lang anhaltendem Beifall dankt es Wartke seinen politischen Mut. Dessen Antwort: "Shalom, Allah, Amen". Nach dem Konzert sagt eine Zuschauerin: "Ich finde es gut, dass er damit etwas über alle Religionen sagt, die im Namen von Gott oder Allah oder anderen die Welt mit Terror und Verfolgung überziehen."

Text und Melodie hatte Wartke erst kurz vor dem Konzert in der Bonner Beethovenhalle fertig geschrieben. Auch sein Management war völlig überrascht von der starken Resonanz, die der Song auch in den sozialen Netzwerken hatte. Wartke hat damit offenbar einen Nerv getroffen. Doch für das Lied ist jetzt erst mal eine kurze Pause angesagt: Als musikalischer Perfektionist will Bodo Wartke erst weiter daran feilen, erst im Sommer werde das Lied dann auch im Netz zu hören sein.

Globalisierte Liebe per Generator

Wartkes Stärke ist seine humorvolle Unverfrorenheit, mit der er in seinen Liedern jeden Reim solange herunterbricht, bis er passt - mehr oder weniger. Kalauer wie "Rügen ist bei Regen kein Vergnügen" oder "König Artus gibt den Startschuss" kommen ihm todernst über die Lippen.

Sein größter und nachhaltigster Erfolg ist der "Liebeslied"-Generator. Im Netz kann man den weltweit als App runterladen. Seit 2009 baut Wartke ihn immer weiter aus. Mittlerweile gibt es Songstrophen in mehr als 90 Sprachen, auch auf Hindi, Plattdeutsch, Russisch und Indonesisch. Er kann sie alle singen. Und für Fans gibt es sogar eine Playback-Version, die man separat aufnehmen und in den Song einbauen kann. Deutsches Entertainment - als Kulturexportartikel. Wartke ist da ganz nah am Puls der Zeit.

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