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Aktuell Deutschland

Suche nach den Schuldigen

Nach dem Betrug mit Pferdefleisch und Bio-Eiern ist nun mit verseuchtem Futtermais der dritte Lebensmittelskandal in Deutschland innerhalb kurzer Zeit bekanntgeworden. Bessere Kontrollen sollen künftig gegensteuern.

Im Skandal um Tausende Tonnen verseuchten Tierfutters in Deutschland hat die Suche nach den Schuldigen begonnen. Zugleich wurde der Ruf nach mehr und wirkungsvolleren Kontrollen von Lebensmitteln und deren Erzeugern lauter. Der Verband der Milchindustrie erklärte Milch und Milchprodukte in Deutschland unterdessen für unbedenklich. Das hätten Proben im Januar und Februar ergeben, teilte der Verband mit. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht keinen Grund, vor dem Verzehr bestimmter Produkte zu warnen.

Aflatoxin gelangte in die Milch

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Giftige Schimmelpilze im Tierfutter

Am Freitag war bekanntgeworden, dass aus Serbien importierter Mais mit einem krebserregenden Schimmelpilz vergiftet ist. Der Mais ist auch an Rinder verfüttert worden. Aflatoxin gelangte so in die Milch. Besonders betroffen ist Niedersachsen, wo Hunderte Milchbetriebe vorsorglich gesperrt wurden. Knapp 6500 Betriebe - und damit fast doppelt so viele wie zunächst angenommen - wurden in Niedersachen mit dem verseuchten Tierfutter beliefert. Erste Laborergebnisse aus gezielten Untersuchungen in Niedersachsen sollten bald vorliegen. Futtermittel mit verseuchtem Mais ist auch an einige Höfe und Betriebe in andere Bundesländer geliefert worden. Bio-Betriebe sind nach ersten Erkenntnissen nicht betroffen.

Verbraucherministerin Ilse Aigner beklagte, im Futtermittelskandal hätten die Eigenkontrollen der Hersteller eindeutig versagt. Die Länder forderte sie auf, die Betriebe deutlich schärfer als bisher zu überwachen.

Der Generalsekretär des Bauernverbandes, Helmut Born, sieht die Schuld im gegenwärtigen Schimmelpilz-Skandal beim Importeur. "Schuld ist in Lebensmittel-Skandalen immer derjenige, der unmittelbar für das Produkt Verantwortung trägt", sagte Born der Nachrichtenagentur dpa. Im Fall des verseuchten Futtermaises habe ein großer Getreideimporteur offenbar eine große Charge Mais mit zu hohen Werten Aflatoxin in Serbien gekauft. Diese habe er an Futtermittelwerke weitergeliefert. Das sei gesetzteswidrig, sagte Born. Damit sei die Schuldfrage eindeutig. Rechtliche Konsequenzen ließ Born offen.

Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post: "Um einen Befall mit Schimmelpilzen auszuschließen, erwarte ich, dass das Futtermittelmischwerk entsprechende Kontrollen durchführt, beispielsweise Eingangskontrollen der Rohprodukte." Der Landwirt müsse sich darauf verlassen, dass geliefertes Futter einwandfrei sei. "Wenn ein Schimmelpilz wie Aflatoxin im Mischfutter steckt, hat er keine Chance, dies zu erkennen", erklärte Rukwied.

"Mehr staatliche Kontrollen notwendig"

Christian Meyer (Bündnis90/Die Grünen), Landwirtschaftsminister in Niedersachsen (Foto: dpa)

Niedersachsens Landwirtschaftsminister plädiert für staatliche Kontrollen

Niedersachsen Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) sagte, die Eigenkontrollen der Agrarindustrie hätten nicht hinreichend funktioniert. "Wir brauchen mehr staatliche Kontrollen und mehr Personal", sagte Meyer dem Magazin "Focus". Die Kosten dafür sollten der Wirtschaft in Rechnung gestellt werden. So könne der Staat 30 bis 50 Millionen Euro im Jahr sparen. Es sei nicht einzusehen, dass der Steuerzahler dafür aufkommen müsse.

Für den Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure ist es Zeit, den Bundesländern die Verantwortung für Lebensmittelkontrollen abzunehmen und die Kräfte zu bündeln, um die Probleme zentral angehen zu können. Der Verbandsvorsitzende Martin Müller forderte in der "Passauer Neuen Presse" europaweit intensivere Kontrollen von Lebensmitteln: "Wir brauchen eine Art Lebensmittel-Europol."

Foodwatch-Sprecher Martin Rücker sagte der Nachrichtenagentur dpa, der Bund habe es gescheut, die Futtermittelindustrie zu systematischen Kontrollen zu verpflichten. "Wir haben bei Futtermittelkontrollen erhebliche Schwachstellen, die eigentlich auch bekannt sind", meinte der Sprecher der Organisation.

Erst vor zwei Wochen war in Rindfleischprodukten europaweit Pferdefleisch entdeckt worden. Kurz darauf wurde bekannt, dass Millionen Eier als Freiland- und Bio-Eier verkauft worden sein sollen, obwohl die Produzenten die Richtlinien nicht einhielten. Den vergifteten Mais aus Serbien haben nach ersten Erkenntnissen außer Kühen auch Schweine und Geflügel zu fressen bekommen.

as/kis (dpa, afp, rtr)

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