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Wissen & Umwelt

Styropor-Verbot soll Simbabwe sauberer machen

Umweltverschmutzung durch Styropor ist in Simbabwe ein großes Problem. Die Regierung will das Material verbieten und grüne Alternativen fördern. Aber nicht jeder ist von dieser Idee begeistert.

Simbabwes Straßen, Flüsse, Abwasserkanäle und Seen sind voll mit weggeworfenen, nicht wiederverwertbaren Lebensmittelverpackungen aus Styropor. Verschärft wurde die Lage durch die Unfähigkeit der Behörden, regelmäßig den Müll abfahren zu lassen. Die Bewohner Simbabwes entsorgen deswegen die Verpackungen notgedrungen dort, wo sie es für richtig halten.

Diese Umweltverschmutzung soll ein Ende haben, wenn Mitte des Monats die Umweltmanagementbehörde EMA Lebensmittelverpackungen aus Styropor verbietet.

"Das ist erst der Anfang, um den Müll in unserem Land zu bekämpfen," sagt Behördensprecher Steady Kangata der DW. "Nach dem 17. Oktober gibt es kein Zurück mehr."

Die Veränderungen wurden im Juli bekannt gegeben, nachdem in der Hauptstadt Harare die Universität Simbabwe Untersuchungen veröffentlichte, die die Gefahren durch Styropor belegen. Das ultraleichte Material ist billig, die Kosten für die Umwelt aber hoch.

Lebensmittel in einem Styroporbehälter

Styropor wird oft für Lebensmittelbehälter verwendet, aber es ist nicht gut für die Umwelt

Die auf Ölbasis hergestellten Kügelchen, enthalten 57 giftige Chemikalien, die beim Verbrennen freigesetzt werden. Damit trägt Styropor zur Luftverschmutzung bei und zur "Beschädigung der Ozonschicht," wie die Behörde betont. Das Material ist nicht biologisch abbaubar, es zerbricht in immer kleinere Teile, die dann in den Wasserläufen landen. Die Chemikalien aus den Lebensmittelverpackungen können auch ins Essen und ins Trinkwasser gelangen, wie die Studie der Uni Simbabwe weiter ausführt.

Hohe Bußgelder

Die gemeinnützige Organisation "Environment Africa”, die afrikanische Lösungen für die drängendsten Umweltprobleme fordert, begrüßte die neue Politik.

"Die Gefährdung für die Umwelt durch Styropor ist schockierend, das Verbot dringend nötig," sagt die Sprecherin der NGO, Sandra Gobvu.

Weiter heißt es, dass es die Wirtschaft ermutige, innovative Ideen zu entwickeln und über andere, günstigere Alternativen für umweltfreundliche Verpackungen nachzudenken, wie zum Beispiel solche aus Papier oder Pappe. Aber das wird dauern.

"Pappverpackungen halten das Essen nicht lange warm und das mag ich überhaupt nicht. Also ich bevorzuge immer noch Verpackungen aus Styropor," erzählt Linda Kachiti, die regelmäßig Kundin in einem gut laufenden Imbiss in Harares zentralem Geschäftsviertel ist.

Kaylites litter the country / Zimbabwe (Environment Management Agency of Zimbabwe )

Da die Behörden in vielen Teilen Simbabwes nur unregelmäßig den Müll wegbringen lassen, liegt Abfall oft an den Straßen.

Aber sie wird sich, wie jeder andere in Simbabwe, an die neuen Regularien gewöhnen müssen. Denn nach Inkrafttreten des Verbots könnten bei Zuwiderhandlung Strafen zwischen umgerechnet 25 bis  4200 Euro fällig werden, wie die Umweltmanagementbehörde EMA betont. Das Gesetz zielt auf Importeure, Hersteller, Verkäufer und Geschäfte, die Styropor-Verpackungen nutzen.

Ketiwe Nyarunga, der einen kleinen Imbiss in Downtown Harare betreibt, erzählt, er habe seine Vorräte an Styropor-Verpackungen ausgehen lassen, als das Verbot angekündigt wurde. "Wir haben uns entschieden, uns auf das Datum im Oktober vorzubereiten." Auch wenn er nun für den großen Tag gerüstet ist, sagt er: "Das wird seinen Preis haben."

Abhängig davon, ob man mit der Umweltbehörde spricht oder mit Geschäftsleuten, soll der sofortige Preisanstieg zwischen einem und zehn Prozent liegen. Die EMA empfiehlt Imbissbetreibern aber auch, ihre Kunden zu ermutigen, gleich am Imbissstand zu essen und so Verpackungen und zusätzliche Kosten zu vermeiden. Das alles ist Teil einer größeren Kampagne für den Kampf gegen den Müll.

Gemischte Reaktionen

Kritik gab es am Tempo, mit dem das Verbot umgesetzt werden sollte. Die EMA wollte ursprünglich ein sofortiges Verbot von Styropor anordnen, aber nach einem Aufschrei der Lebensmittel- und Verpackungsindustrie stimmte sie einer Übergangsphase von drei Monaten zu, in der Geschäfte zu umweltfreundlicheren Verpackungen wechseln sollen.

"Diese 90-Tage-Frist ist weit besser als die spontane Umsetzung, die die Regierung wollte," erzählt Denford Mutashu, Präsident des Verbandes der Einzelhändler in Simbabwe, der DW. Und er fügt hinzu, dass er diese Übergangsfrist gern noch verlängert sehen würde.

Aber das wird wohl nicht passieren. Nicht zuletzt, weil es nicht  nur um diese 90 Tage geht. Die EMA wollte bereits 2012 ein Verbot, setzte es aber nicht durch.  "Wir wollten Firmen die Gelegenheit geben, Alternativen zu finden," sagt Kangata. "Wir vertrauen auf die Wirtschaft und wollten das nicht einfach per Gesetz durchdrücken, aber wir haben erwartet, dass sie auf die Durchsetzung des Gesetzes vorbereitet sind."

Verbot allein reicht nicht

Simbabwe ist nicht das erste afrikanische Land, das unbedingt seinen Plastikmüll loswerden will. Im August wurde in Kenia nach vier Jahren Verspätung ein Verbot von Plastiktüten durchgesetzt. Jeder, der Plastiktüten herstellt oder benutzt, kann mit bis zu vier Jahren Gefängnis bestraft werden.

Christopher Magadza / Zimbabwe (Columbus S. Mavhunga)

Christopher Magadza will, dass Simbabwe wie Kenia Plastiktüten verbietet.

Christopher Magadza, Umweltprofessor an der Universität von Simbabwe, sagt, sein Land sollte dem Beispiel folgen und ein Verbot durchsetzen, dass über das der Styropor-Verpackungen hinausgeht.

"Wenn sie am Flughafen in Ruanda sind, werden sie freundlich um die Plastikverpackungen ihrer Duty Free-Einkäufe oder ihrer Getränke gebeten und bekommen stattdessen eine wiederverwertbare Verpackung," erzählt Magadza der DW. Das Land habe dadurch eine größere Kontrolle über den Abfall.

"Es gibt kein biologisch abbaubares Plastik," sagt Magadza. "Wer an Plastik denkt, muss auch an die Verschmutzung des Wassers oder der Luft denken. Die Talsperren, Seen und Meere sind voll von Plastikmüll, der auch die Tiere vergiftet. Und wir essen sie."

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