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Biologie

Studie: Wenn Geckos sich nackig machen

Gefahr droht? Nichts wie raus aus dem Schuppenkleid! Eine neu entdeckte Geckoart auf Madagaskar hat einen besonderen Trick, um sich vor Gefahr zu schützen. Der raubte selbst den Forschern den letzten Nerv.

Sich von allem, was man nicht unbedingt braucht, trennen - das ist die Strategie vieler Tiere, um Feinden zu entkommen. Auch wir Menschen könnten uns da in so mancher Hinsicht vielleicht eine Scheibe von abschneiden. Aber das ist ein anderes Thema.

Während Eidechsen sich im Ernstfall zum Beispiel von ihrem Schwanz trennen und Seegurken Angreifern ihre Eingeweide entgegen schleudern, hat ein neu beschriebener Gecko noch einen ganz anderen Trick auf Lager. Denn der macht sich schlichtweg nackig, indem er seine Schuppen ablegt. Dieses Talent brachte selbst die Forscher an ihre Grenzen, als sie versuchten, die Echse einzufangen.

In dem Onlinemagazin für Biowissenschaften "PeerJ" berichten die Wissenschaftler, dass Geckos auf Madagaskar bei Angriff blitzschnell ihre gesamte Haut abstreifen können. Der Angreifer bleibe dann mit einem Maul voller Schuppen zurück. Denn die Hautschuppen der Tiere liegen nur an einigen Körperstellen an, sodass sie sich besonders leicht ablösen.

Schwieriges Unterfangen

Eben diese Eigenheit machte es auch den Forschern schwer, überhaupt einige der Tiere in die Finger zu bekommen. Man musste die Geckos fangen, ohne sie zu berühren, erklärt Mark Scherz von der Ludwig-Maximilian-Universität in München.

Früher hätten die Wissenschaftler versucht, solche Fischschuppengeckos mit Wattebäuschen einzufangen. Doch selbst beim Kontakt mit der weichen Watte hätten diese sich gehäutet.

Für die aktuelle Untersuchung lockten die Forscher die Tiere deshalb in Plastiktüten.

Gecko streift bei Angriff komplette Haut ab ACHTUNG SPERRFRIST (picture-alliance/dpa/Zoologische Staatssammlung München/F. Glaw)

So sieht ein Fischschuppengecko aus, nachdem er in die Trickkiste gegriffen hat

Die im Ankarana-Reservat im Nordwesten Madagaskars gefundene Geckoart erhielt den Namen Geckolepis megalepis. Die Tiere hätten die größten Schuppen, die man bei Geckos bislang entdeckt habe, berichten die Wissenschaftler. Sie vermuten, dass die großen Schuppen sich durch eine Art Hebelwirkung sogar noch leichter vom Körper lösen als bei verwandten Arten.

Aber nicht nur das Fangen, auch die Bestimmung der Tiere sei schwierig gewesen, da sich viele Arten sehr ähnlich sähen, erklärt Scherz. Eigentlich bestimme man Echsen anhand der Struktur und der Lage der Schuppen - doch da sich die Tiere ständig gehäutet hätten, sei das kaum möglich gewesen. "Es ist ein Albtraum, Fischschuppengeckos zu bestimmen."

Die Forscher durchleuchteten die Tiere schließlich via Mikro-Computertomografie (CT), um sie anhand ihres Körperbaus zu identifizieren. 

Doch ein Vorbild

Beeindruckend bei den Fischschuppengeckos ist auch die Geschwindigkeit, mit der die Schuppen nachwachsen: Es dauert nur wenige Wochen, bis ihr Körper wieder komplett bedeckt ist - und es bleiben keine Narben zurück, obwohl zusammen mit den Schuppen auch ein Teil der Haut abreißt.

Wie es den Tieren gelingt, sich so schnell zu regenerieren, ist noch nicht bekannt. Diese Frage ist besonders für die Medizin interessant: Denn möglicherweise ließen sich mit darauf basierenden Ansätzen Heilungsprozesse beim Menschen verbessern und beschleunigen.

hf/fs (dpa) 

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