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Aktuell Europa

Studie: Sparpolitik trifft vor allem arme Griechen

Seit Beginn der Schuldenkrise müssen die Griechen einen dramatischen Einkommensverlust hinnehmen, so das Ergebnis einer Untersuchung. Die Armen werden besonders stark zur Kasse gebeten.

Lohnkürzungen und Steuererhöhungen haben in Griechenland die Einkommen einbrechen und die Armut wachsen lassen - das ist laut einer Studie das Ergebnis der internationalen Sparauflagen für das Krisenland. "Die nüchternen Zahlen zeigen, wie Millionen Menschen in Griechenland durch eine überharte und sozial völlig unausgewogene Austeritätspolitik wirtschaftlich abgestürzt sind", erklärte Gustav Horn vom Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).

"Chronik eines Desasters"

Für die Studie hat das IMK der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung nach eigenen Angaben auf eine repräsentative Stichprobe von Steuerdaten ausgewertet. Dazu gehörten unter anderem Datensätze von rund 260.000 Haushalten aus den Jahren 2008 bis 2012. Die Zahlen legten nun "die Chronik eines angekündigten Desasters" offen, kritisierte Horn die Spar- und Reformpolitik, die in Griechenland in den vergangenen Jahren umgesetzt wurde.

Laut der Studie sind die nominalen Bruttoeinkommen der griechischen Privathaushalte von 2008 bis 2012 im Schnitt um ein knappes Viertel gesunken. Lohnkürzungen verursachten demnach knapp die Hälfte dieses Rückgangs. "Diese Kürzungen fielen weit umfassender aus als nötig gewesen wäre, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft zu stärken", heißt es in der Untersuchung.

Arme müssen zahlen, Reiche werden geschont

Hinzu kommt, dass die Steuern im von der Staatspleite bedrohten Griechenland deutlich erhöht wurden. Dadurch seien die Nettoeinkommen um weitere knapp neun Prozent gesunken. Als besonders stark betroffen sehen die Verfasser der Untersuchung Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen unter anderem als Folge des starken Anstiegs der Arbeitslosigkeit. Insgesamt seien Angestellte in der Privatwirtschaft von den Einkommensverlusten deutlich stärker betroffen als Beschäftigte im öffentlichen Sektor. Die Steuerbelastung der unteren Einkommenshälfte habe sich seit Beginn der Krise um 337 Prozent mehr als vervierfacht, die der oberen Hälfte sei lediglich um neun Prozent gestiegen.

Kritik an Troika

Insgesamt wirft das IMK den internationalen Gläubigern eine unsoziale und kurzsichtige Politik vor. "Hunderttausende sind in ihrer Existenzgrundlage bedroht, weil die von der Troika aus EU, EZB und IWF geforderte und von den bisherigen Regierungen sehr kurzsichtig und zum Teil interessengeleitet umgesetzte Sparpolitik kaum soziale Abfederung kannte", kritisierte Horn. "Volkswirtschaftlich hatten diese Opfer keinen Sinn, weil sie das Nachfragepotenzial derart reduziert haben, dass die griechische Wirtschaft noch lange brauchen wird, um wieder auf einen einigermaßen stabilen Entwicklungspfad zu kommen."

cr/cw (afp, epd)