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Aktuell Welt

Studie identifiziert Mutationen bei Ebola-Viren

Die Ebola-Epidemie in Afrika ist bei weitem größer als alle früheren. Jetzt wurde auch im Senegal ein Ebola-Fall bestätigt. Erstmals gelang es Forschern, während die Seuche andauert, das Erbgut der Viren zu analysieren.

Mehr als 1550 Menschen starben bislang an dem Virus. Nun hat ein internationales Wissenschaftlerteam erstmals während eines Ebola-Ausbruchs das Erbgut der Viren entziffert. Sie fanden eine hohe Mutationsrate und konnten den Weg der Ausbreitung nachzeichnen.

Erbgut von 99 Ebola-Viren entschlüsselt

Entziffert wurde das Erbgut von 99 Ebola-Virusproben von Patienten, die während der derzeitigen Epidemie erkrankten. Die in Westafrika grassierende Variante unterscheide sich an vielen Stellen von den Erregern früherer Ausbrüche, berichten die Forscher im Fachjournal "Science". Zudem fanden sie über 50 Mutationen, die während der Epidemie auftraten. Die Wissenschaftler um Pardis Sabeti von der Harvard University in Cambridge (US-Staat Massachusetts) stellen ihre Daten öffentlich zur Verfügung und hoffen, dass dies bei der Entwicklung schnellerer Tests sowie von Impfstoffen und Therapien hilft.

Das Forscherteam sequenzierte das Genom mit einer extrem hohen Genauigkeit. Es nutzte für die Arbeit auch drei bereits veröffentlichte Viren-Erbgutsequenzen aus Guinea und fand insgesamt 341 Mutationen im Vergleich zu Erregern früherer Ausbrüche und 55 Mutationen, die erst während der Epidemie in Westafrika auftraten. Manche davon haben direkte Auswirkungen auf Proteine und könnten damit Ziel von Therapien sein. Die untersuchten Erreger stammen von insgesamt 78 Patienten, die von Ende Mai bis Mitte Juni in Sierra Leone registriert wurden. Einigen war wiederholt Blut entnommen worden.

"Es ist das erste Mal, dass die Veränderungen von Ebola-Viren während eines Ausbruchs untersucht wurden. Man sieht, wie sich der Erreger dabei entwickelt hat", sagt Prof. Bernhard Fleischer, stellvertretender Vorsitzender des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg anlässlich der Publikation in "Sience". "Die Mutationsrate ist doppelt so hoch wie in der Natur. Möglicherweise führt das Immunsystem der Menschen dazu, dass sich mutierte Viren durchsetzen, die sich besser vermehren können." Ob die Mutationen zu einem anderen Verhalten der Viren führen, dass sie beispielsweise infektiöser oder gefährlicher werden, müsse noch untersucht werden, sagte Fleischer.

Erstübertragung von Tier zu Mensch

Der erste Patient, durch dessen Infektion mit dem Ebola-Virus die aktuelle Epidemie ausgelöst wurde, habe sich in Guinea vermutlich bei einem Tier infiziert, berichten die Forscher in "Science". Danach seien die Ebola-Erreger wohl nur noch von Mensch zu Mensch übertragen worden. Der derzeitige Virenstamm hat sich den Forschern zufolge wahrscheinlich innerhalb des vergangenen Jahrzehnts aus einer im mittleren Afrika vorkommenden Version entwickelt. Von Guinea nach Sierra Leone sei er durch Teilnehmer einer Beerdigung gekommen, schreiben sie mit Verweis auf Studien des Gesundheitsministeriums von Sierra Leone.

Krankenstation in Liberia (Foto: APF/Getty Images)

Verzweifelter Kampf gegen einen unsichtbaren Feind

Erster Ebola-Fall im Senegal

Der derzeitige Ausbruch ist der bislang größte sowohl in Bezug auf die Patientenzahl als auch auf die räumliche Verbreitung. Erstmals wurde jetzt eine Ebola-Erkrankung im Senegal bestätigt. Gesundheitsministerin Awa Marie Coll Seck sagte der Deutschen Welle, bei dem Patienten handele es sich um einen jungen Mann, der aus dem Nachbarland Guinea eingereist sei.

WHO: Sterblichkeitsrate bei 51 Prozent

Die Ebola-Epidemie begann in Guinea, kam im März nach Liberia, im Mai nach Sierra Leone und im Juli nach Nigeria. Auch aus der Demokratischen Republik Kongo im Zentrum des Kontinents wurden Ebola-Fälle gemeldet, es soll sich aber um einen anderen Erregerstamm als in Westafrika handeln.

Bislang wurden mehr als 3000 Ebola-Infizierte erfasst, von denen mehr als 1550 gestorben sind. In dieser und der vergangenen Woche ist die Zahl der Ebola-Infektionen deutlich stärker gestiegen als in jedem vergleichbaren Zeitraum seit Ausbruch der Seuche. Demnach wurden allein in der laufenden Woche bereits etwa 550 neue Fälle bekannt, in der Vorwoche waren es knapp 400 - auch diese Zahl war bis dahin beispiellos. Tatsächlich könnten die Fall-Zahlen zwei bis vier Mal so hoch liegen, warnte die WHO.

qu/mak (apf, rtr, dpa, epd)