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Asien

Studenten-Streik in Hongkong

In Hongkong protestieren die Studenten für mehr Demokratie und boykottieren Lehrveranstaltungen. Dozenten zeigen sich solidarisch.

Hongkonger Studentenverbände haben zum Boykott von Lehrveranstaltungen aufgerufen. Eine Woche lang sollen die Studenten statt zu büffeln auf Kundgebungen Druck auf die Regierung der Finanzmetriopole und auf Peking ausüben, um demokratische Reformen einzufordern.

Die 13.000 Studenten (von insgesamt rund 32.000), die sich am Montag nach Angaben der Veranstalter auf dem Campus der Chinesischen Universität von Hongkong versammelten, sind zwar noch weit von der Zahl der 800.000 Teilnehmer der Demonstrationen von Ende Juni entfernt. Aber wie es aussieht, geht in Hongkong der Sommer des Protests nahtlos in den Herbst des Protests über. Eine Woche lang wollen die Studenten streiken, dann werden die Organisatoren der Bürgerrechtsbewegung "Occupy Central" wieder das Ruder der Demokratiebewegung übernehmen, um am 1. Oktober, dem chinesischen Nationalfeiertag, klare Signale in Richtung Peking zu senden.

Dozenten solidarisch

Tausende streikende Studenten auf dem Campus der Chinesischen Universität (Foto: Amy XChan)

Tausende streikende Studenten auf dem Campus der Chinesischen Universität

"Die Studenten sind sehr engagiert. Ich habe ein Seminar mit 50 Teilnehmern, etwa zehn sind gekommen. Bei den anderen bin ich sicher, dass sie protestieren gegangen sind", sagte Sze Chi Chan, Dozent für Philosophie und Religion an der Hongkonger Baptist University, der Deutschen Welle. Für sie werde er Extra-Veranstaltungen abhalten, damit die den Stoff nachholen können. Chan sagt, dass er mit rund 100 weiteren Dozenten in den nächsten vier Tagen an den Versammlungsorten der Studenten Veranstaltungen zu den Themen Demokratie und allgemeines Wahlrecht abhalten werde.

Warum engagieren sich die Studenten so stark in der Frage, wie genau der künftige Regierungschef der Sonderverwaltungsregion Hongkong gewählt werden soll? "Wir können so zeigen, dass wir uns an den Angelegenheiten der Stadt beteiligen wollen", sagt Wing Tsun Mok, Elektrotechnik-Studentin an der City University of Hongkong. "Die Stimme der Studenten sollte respektiert werden. Ich glaube, dass die Studentenbewegung einen Teil zum politischen Prozess in Hongkong beitragen kann", so Mok gegenüber der DW.

Auch Kritik an Boykott von Studenten

Transparente beim Studentenstreik in Hongkong (Foto: Amy Chan)

"Der Streik ist nötig, seid ungehorsam und nehmt euer Schicksal in die Hand"

Nicht alle Studenten unterstützen den Boykott-.Aufruf. Tang, der Wirtschaft und Finanzwesen an der City University studiert und der seinen vollen Namen nicht nennen möchte, sagte der DW: "Ich unterstütze Occupy Central und die Forderung nach allgemeinem Wahlrecht für die Einwohner Hongkongs. Aber ich bin gegen die Studentendemonstrationen. Denn man boykottiert das Seminar nicht für sich allein, sondern beeinträchtigt auch andere Studenten." Tang meint, im Kampf um gleiches und allgemeines Wahlrecht könne man sich anderen Bewegungen anschließen, aber als Bürger, nicht als Student.

Auch Psychologie-Studentin Winnie Lo von der Open University sieht die Aktionen ihrer Kommilitonen kritisch: "Bewegungen, die zu extrem sind, können eine Gegenreaktion hervorrufen. Das Problem ist, dass manche Studenten einfach den anderen folgen, ohne die Sache selbst und die komplexen Zusammenhänge der Politik in dieser Stadt wirklich zu verstehen."

Solche Einwände dürften bei Aktivisten wie Alex Chow, dem Vorsitzenden der Hongkong Federation of Students, nicht verfangen. "Wir verlangen eine Antwort auf unsere Forderung, dass die Bevölkerung Kandidaten für das Amt des Regierungschefs vorschlagen kann. Wenn wir von der Regierung nichts hören, werden die Studenten und das Volk diese Bewegung auf eine neue Stufe bringen, soviel ist sicher", verkündete Chow auf dem Campus der Chinesischen Universität.

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