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Bildung

Studenten ehren Design-Profis

An der Köln International School of Design (KISD) verleihen Studenten jährlich den Preis 'Kölner Klopfer' für den "weltbesten Designer". Dieses Jahr ging der skurril anmutende Hase an den Deutschen Ingo Maurer.

Kölner Klopfer (Foto: Daniel Müller)

Silikonhase mit Domohren: Der Designpreis Kölner Klopfer

Spannung liegt in der Luft – und das im doppelten Sinne. Der Designstudent Michael Jurisch schraubt das Stromkabel noch schnell an den Stecker und testet die grelle 200-Watt-Birne. Gleich bei der Preisverleihung soll sie über Ingo Maurer auf der Bühne hängen – und ein schönes Licht machen. Schließlich hatte der Designer vor 40 Jahren mit dem Design einer Glühbirne großen Erfolg. Es war damals einer seiner ersten Entwürfe. Mit dieser Arbeit wurde er in die 'Design Collection' des Museum of Modern Art in New York aufgenommen.

Porca Miseria! Ingo Maurer, 2005, Porcelaine, métal Haut 120 x Diam 100 cm Collection Ingo Maurer © Ingo Maurer GmbH - photo: Tom Vack

Porca Miseria! - Leuchtendesign von Ingo Maurer (2005)



Ursprünge des Kölner Klopfers

1996 entschlossen sich die Studenten der International School of Design (KISD) gemeinsam mit dem Gründungsdekan der Fachhochschule Design, Professor Michael Erlhoff, einen Preis zu verleihen: jährlich und an den Besten ihres Faches. Studenten konnten durch die Preisverleihung ihre großen Vorbilder kennenlernen und die weltbekannten Designer behielten auf diese Weisen den Kontakt zum Nachwuchs. Der Preis wurde als Gegenstück zum Fernsehpreis 'Bambi' gedacht und designt. Er sollte einen Hasen – wie in dem gleichnamigen Walt Disney-Film 'Bambi' – darstellen. In dem Film heißt der Hase nämlich 'Klopfer' und ist fröhlich und fidel. Das Design des 'Kölner Klopfers' ist aber wahrhaft die Antithese zu einem prunkvollen Preis für Weltstars. Der weiße, wackelige Klopfer ist aus Silikon geformt und bildet mit seinen spitzen Ohren die Kölner Altstadt und den Dom nach. Den Studenten der KISD geht es dabei um Understatement: "Es hat natürlich auch einen gewissen ironischen Moment, so eine wackelige Silikonfigur zu verleihen," erklärt der Student Andreas Unteidig und zählt selbstbewusst die Namen der letztjährigen Gewinner auf. Stefan Sagmeister und James Auger sind nur zwei in der Liste internationaler Design-Profis, die sich mit dem Klopfer schmücken können.

Einer der Höhepunkte im Schuljahr

Der Designer Ingo Maurer im Gespräch mit Kölner Designstudenten (Foto: Daniel Müller)

Alter Hase trifft Jungdesigner: Preisträger Ingo Maurer im Gespräch mit Studenten

Die KISD gehört zu den renommiertesten Designschulen in Europa. Seit 1991 bietet die Schule ein projektorientiertes, interdisziplinäres Studienangebot. Design wird hier als Prozess verstanden und auf der Grundlage eines bewährten Konzeptes immer wieder neu erprobt. Einer der Höhepunkte im Jahr ist die Preisverleihung des 'Klopfers': Die Studierenden präsentieren Designerinnen oder Designer, welche den Preis bekommen sollen. Anschließend fällt in einer geheimen Wahl die Entscheidung. Michael Jurisch begründet die Entscheidung ganz einleuchtend: "Ich habe Ingo Maurer vorgeschlagen, weil es Spaß macht, seine Sachen anzuschauen. Und weil er selbst an seinen Produkten Spaß hat. Das ist oft nicht so im Leuchtendesign, das durch eine große formale Strenge ausgezeichnet ist." Der Jungdesigner bringt damit vielleicht das Erfolgsgeheimnis des "alten Hasen" auf den Punkt.

Ein Weltstar sichtlich gerührt

Der 1932 am Bodensee geborene Maurer, Sohn eines Erfinders, mochte sich nie auf eine Strategie in seiner Arbeit festlegen. Er liebe das Unbewusste im Schaffensprozess, sagt er, und hat damit weltweit Erfolg. 1960 wanderte er in die USA aus um drei Jahre später wieder nach Europa zurückzukehren. Er beschäftigte sich fortan mit Entwürfen für Lampen, die seriell hergestellt werden sollten und plante für öffentliche und private Auftraggeber Lichtinstallationen. So gestaltete er beispielsweise 2006 die Innenräume des 'Atomiums' in Brüssel.

Ein Treffen in vertrauter Runde

Die Bedingung für den Preisträger des "Kölner Klopfers" ist im Übrigen, die Auszeichnung persönlich entgegenzunehmen – und Ingo Maurer tut das mit wahrer Freude. Sichtlich gerührt tritt der agile Mittsiebziger auf die Bühne der KISD und beantwortet lieber Fragen als lange Rede zu schwingen. Außerdem muss er kurz nach der Verleihung nach New York zurück, um dort eine Ausstellung zu eröffnen.

Ein sympathischer Abend endet in geselliger Runde mit langen Gesprächen über aktuelle Designtrends. Die Kölner Design-Schule hat einmal mehr bewiesen, wie wichtig ihre Preisverleihung ist: weit ab vom geschönten Ellbogen-Business.


Autor: Daniel Müller
Redaktion: Gaby Reucher

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