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Kultur

Streit ums Einheitsdenkmal

Deutschland bekommt in Berlin ein Einheits- und Freiheitsdenkmal zur Erinnerung an die friedliche Revolution von 1989. Doch es bleibt auch nach jahrelanger Diskussion umstritten. 2013 soll der neue Knüller fertig sein.

Frontansicht des Einheitsdenkmals (Foto: Milla & Partner/ Sasha Waltz)

Das Werk wird an zentraler Stelle errichtet, gegenüber dem neu zu bauenden Schloss, an der Stelle des alten Kaiserdenkmals. Doch der Entwurf "Bürger in Bewegung" der Stuttgarter Eventagentur Milla stößt auf Befremden, Ablehnung – und Enthusiasmus

Das Modell des Einheitsdenkmals von oben(Foto: Milla & Partner/ Sasha Waltz)

Bürger in Bewegung

Zwei Kommissionen hatten nacheinander über Jahre hinweg getagt, über 500 Entwürfe aus allen Teilen der Bevölkerung waren beim ersten Verfahren eingereicht worden, doch kein einziger fand Gefallen in der Augen der Jury. Dann wurde das Vorhaben neu ausgeschrieben, nur noch ausgewiesene Künstler durften sich bewerben – auch so kamen über 300 Vorschläge zusammen. Schließlich fiel die Entscheidung auf den Entwurf der Stuttgarter Eventagentur Milla und Partner: Eine begehbare riesige Waagschale, himmelwärts geboren, die sich jeweils dort senkt, wo eine Vielzahl von Bürgern sich versammelt.

Das Werk ist ein technisch kompliziertes, auch unter Sicherheitsaspekten keineswegs unproblematisches Gebilde: Ein 55 Meter breites und 20 Meter tiefes Gebilde, das Kritiker an eine "Schaukel" erinnert.

Der Spott der Kritiker

Doch Kritiker reagieren vor allem mit Hohn und Spott. Deutschlands wohl derzeit erfolgreichster Architekt Meinhard von Gerkan hält den Entwurf für "kontraproduktiv" und lässt kein gutes Haar am "Denkmal der Einheit". Man könne sich das allenfalls auf einem Jahrmarkt vorstellen:

"Die Symbolik, die in diesem Entwurf liegt ist so vordergründig und missverständlich – man kann auf der einen Seite sagen: die Schaukel neigt sich zu der Seite, wo die Mehrheit der Bevölkerung sich versammelt. Aber es ist ja zugleich auch ein Ausdruck, wie beliebig man mit Mehrheiten verfahren kann, dass man allein auf Grund des Spiels oder der Belustigung, die dabei entsteht, Entscheidungen trifft und nicht der Sache wegen."

Skizze zum Bewegungsprinzip (Foto: Milla & Partner/ Sasha Waltz)

So sollen die Besucher einmal die Schaukel bewegen

Komplexe Debattenlage

Braucht Deutschland überhaupt ein solches Denkmal? Oder gibt es nicht genügend Bauwerke, die die Einheit bereits verkörpern? Auch das ist umstritten. Der Staatsminister für Kultur und Medien, Bernd Neumann, ein energischer Befürworter des Siegesentwurfs, ist sich der komplexen Debattenlage bewusst. Er sieht aber in "Bürger in Bewegung" letztlich ein "Monument des Glücks" - angesichts der gelungenen deutschen Wiedervereinigung:

"Im Grunde gibt es zwei Denkschienen. Die einen sagen: Wir brauchen überhaupt kein Denkmal. Reicht nicht das Brandenburger Tor? Ja, wenn man diese Auffassung hat, muss ich das akzeptieren, aber der Deutsche Bundestag hatte eine andere und ich habe als verantwortlicher Minister den Bundestagsbeschluss umzusetzen. Und dann kommt der zweite Gesichtspunkt: Dieses Denkmal, ist das nicht zu volkstümlich? Hat das nicht Kirmescharakter? Ja, und ich muss Ihnen sagen: Gott sei Dank haben wir hier nicht das klassische Denkmal, das dann bestenfalls mit Distanz und Würde von den Leuten von außen angeguckt wird, sondern wir haben ein Denkmal, das einlädt, in das Denkmal zu gehen."

Neue Attraktion für Berlin

Neumann betont, wie schwierig es in einer Demokratie überhaupt sei, ein historisches Denkmal zu beschließen, das auch politischen Signalcharakter hat. Die Diskussionen um das Holocaust-Mahnmal und um die Reichstagskuppel waren ebenfalls lang und kontrovers. Heute seien alle glücklich über die gefundenen Lösungen. Berlin sieht der Minister als Sieger: die 10 Millionen Euro seien gut angelegt. Neumann ist sicher, dass "Bürger in Bewegung" ein Publikumsmagnet wird. "Wenn das Denkmal steht, wird das eine weitere Attraktion in dieser Stadt sein. Was will man mehr?"

Ob die "Schaukel der Einheit" tatsächlich außerhalb von spielenden Schulklassen von der Bevölkerung angenommen wird, zeigt sich frühestens in zwei Jahren.

Autor: Werner Bloch

Redaktion: Conny Paul

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