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Amerika

Streit um BP-Gutachten

In dem vorgelegten Gutachten zur Ölkatastrophe im Golf von Mexiko gibt BP anderen Unternehmen eine Mitschuld an der Katastrophe. Die angesprochenen Unternehmen weisen die Vorwürfe von sich.

BP-Logo

Firmenlogo des britischen Ölkonzerns BP

Das 193-seitige Gutachten, das BP am Mittwoch (08.09.2010) auf seiner Homepage veröffentlicht hat, war mit Spannung erwartet worden. Schließlich geht es im Kern um die Frage wer Schuld an dem Untergang der Bohrinsel und der damit verbundenen Ölpest im Golf von Mexiko hat. Das Wort "Schuld" taucht allerdings in dem Bericht nicht auf. Stattdessen geht es immer um "Verantwortung". Und die liegt nicht alleine bei BP - sagt BP.

Die Zeit für Schuldzuweisungen scheint gekommen

Der britische Ölkonzern nennt in seinem Bericht nicht einen Fehler als Ursache für die Katastrophe, sondern macht eine Serie von technischen und menschlichen Fehlern dafür verantwortlich. "Die Tragödie der Macondo-Quelle wurde nicht von einem einzigen Faktor ausgelöst. Vielmehr führte ein reihenweises Versagen mehrerer Parteien zu der Explosion und dem Brand, die elf Menschen töteten und ausgedehnte Verschmutzungen im Golf von Mexiko auslösten", beschreibt der BP-Bericht die Situation. Es handle sich um eine komplexe Verkettung von Umständen, die "technisches Versagen, menschliche Urteile, die Konstruktion" sowie ein Versagen der Kommunikation beträfen.

Porträt des künftigen BP-Chefs Bob Dudley (Foto: ap)

Ab 1. Oktober BP-Chef: der Amerikaner Bob Dudley

Laut dem Bericht missachtete das mit der Bohrung beauftragte Subunternehmen Transocean die Gefahrenzeichen. Wegen mehrerer Fehler sei zu viel Gas in das System der Bohrinsel geraten. Die Mitarbeiter von Transocean haben 40 Minuten lang den Ernst der Lage nicht erkannt und nichts gegen das Problem unternommen. Zudem sei das Bohrloch von der Firma Halliburton nur mangelhaft zementiert gewesen. "Wir haben von Anfang an gesagt, dass mehrere Beteiligte Verantwortung für die Explosion auf der Deepwater Horizon tragen", sagte der künftige BP-Chef Bob Dudley, der am 1. Oktober das Amt von Tony Hayward übernehmen wird. Ähnlich äußerte sich der Autor des Berichts, BP-Sicherheitschef Mark Bly: "Es ist offensichtlich, dass eine Reihe komplizierter Vorgänge und nicht ein einzelner Fehler zu der Tragödie führte. Viele Parteien, darunter BP, Halliburton und Transocean waren daran beteiligt."

Die Beschuldigten schlagen zurück

Hochhaus: die Konzernzentrale von Halliburton in Texas (Foto: ap)

Aus der Konzernzentrale von Halliburton in Dallas kommt Kritik an BP

Halliburton erklärte, der BP-Bericht weise gravierende Fehler auf. Man habe eine Reihe von Lücken und Ungenauigkeiten in dem Bericht gefunden. Zudem sei Halliburton sicher, die Zementarbeiten nach den Vorgaben von BP erledigt zu haben. Der Eigentümer der Bohrinsel, Transocean, sieht die Schuldzuschreibungen von BP als einen egoistischen Versuch, sich der Verantwortung zu entziehen und von der wahren Ursache der Katastrophe abzulenken. Die wahre Ursache seien Kontruktionsfehler in den BP-Plänen der Quelle. Der Bericht ignoriere die stark fehlerhafte Konstruktion des Bohrlochs. Transocean warf BP eine "fatal fehlerhafte Planung" vor. Lou Colasuonno von Transocean sagte, dass BP in dem Bericht versuche, wesentliche Ursachen des Unfalls zu "verschleiern". Von BP getroffene Enscheidungen zur Kosteneinsparung bei Planung und Bau der Plattform hätten die Risiken zum Teil stark erhöht. Das in der Schweiz ansässige Unternehmen Transocean kündigte eine eigene Untersuchung an, benötige dazu aber noch entscheidende Daten von BP.

Kritik an dem Bericht kommt aber auch von anderer Seite. "BP übernimmt in diesem Bericht keine Verantwortung", sagte der Abgeordnete Edward J. Markey, Mitglied des Untersuchungsausschusses des US-Kongresses zur Ölpest. "Von den acht in dem Bericht formulierten Haupterkenntnissen übernimmt BP gerade mal die Verantwortung für einen halben Punkt. BP ist nur daran interessiert die Verantwortung aufzuteilen und am Ende mit dem kleinsten Stück dazustehen." Ähnlich äußerte sich auch Jörg Feddern von der Umweltschutz-Organisation Greenpeace: "Der Ölmulti versucht, einen Teil der Verantwortung auf die andern beteiligten Unternehmen abzuwälzen."

Die Schuldfrage ist entscheidend

Die Ergebnisse des Berichts gelten als richtungsweisend für die Verteidigungsstrategie von BP vor Gericht. Denn wer die Hauptschuld trägt, muss auch für den größten Teil der Kosten aufkommen. Ein Schuldeingeständnis von BP könnte den Konzern teuer zu stehen kommen. Bei grober Fahrlässigkeit könnte der Ölriese zu Schadenersatz in Milliardenhöhe verurteilt werden. Immerhin hat das Unternehmen zugegeben, dass es einen Drucktest nicht korrekt interpretiert habe. Man wolle aber aus den Fehlern lernen und habe daher 25 Verbesserungsvorschläge für BP und andere beteiligte Unternehmen in dem Bericht genannt.

Helfer in Warnwesten säubern einen Strand (Foto: ap)

Nur eine Küste von vielen: Rund 300 BP-Arbeiter reinigen die Küste von Biloxi im US-Bundesstaat Mississippi. Die Beseitigung von Ölverschmutzungen kostet BP Milliarden

Der britische Ölkonzern BP muss nach der Ölkatastrophe mit Forderungen in Milliardenhöhe rechnen und hat dafür nach eigenen Angaben bis zu 32 Milliarden US-Dollar (25 Milliarden Euro) bereitgestellt. Für den Kampf gegen das Öl hat BP bisher bereits rund acht Milliarden US-Dollar (6,3 Milliarden Euro) ausgegeben. In dem vergangenen Quartal hatte der Ölkonzern den ersten Verlust seit 1992 gemacht. Zur Finanzierung von Entschädigungen plant BP, Unternehmensteile im Wert von bis zu 40 Milliarden Dollar zu veräußern. Die Risiken aus der Katastrophe werden jetzt auch für Transocean fühlbar. Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte die Kreditwürdigkeit des Unternehmens mit der Begründing herab, dass unabsehbare Zahlungsverpflichtungen wegen der Ölkatastrophe auf das Unternehmen zukommen könnten.

Autor: Marco Müller (ap, rtr, afp, dpa)
Redaktion: Oliver Pieper

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