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Wirtschaft

BP ringt um seine Existenz

Steht der Ölkonzern BP vor der Zerschlagung? Die Katastrophe im Golf von Mexiko wird zu einer existentiellen Bedrohung für das Unternehmen. Staatsfonds aus Nahost und Asien sollen helfen, Übernahmeversuche abzuwehren.

Ölverschmierter Vogel (Foto: AP)

Ein Desaster für die Umwelt - und auch für BP?

Zweieinhalb Monate sind seit dem Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" vergangen. Es sind die teuersten Wochen, die der einst stolze Konzern BP je erlebt hat. Und womöglich kommen die wirklich harten Zeiten erst noch. Jedenfalls werden britischen Zeitungsberichten zufolge in London schon Notfallpläne geschmiedet: Für den Fall, dass das Unternehmen die Krise nicht überleben sollte, weil es die milliardenschweren Lasten nicht mehr tragen kann. Die Regierung stelle sich auf "alle Eventualitäten" ein, wurden mit der Situation vertraute Kreise zitiert. Schließlich berühre ein Kollaps von BP unmittelbar britische Interessen. So gehört dem Konzern der größte Teil der Energie-Infrastruktur auf der Insel.

Stolz der Briten

BP-Logo (Quelle: BP)

Das neue Logo von BP - wie lange noch?

Das Kürzel BP zählte zu den wertvollsten Markennamen der Welt. Es stand für "British Petroleum" und war einmal das größte britische Unternehmen. Doch nach der Übernahme des US-Konkurrenten Amoco passte das nicht mehr, und erst recht nicht passte es den Marketing-Strategen: So stand BP plötzlich für "Beyond Petroleum": Das grüne Feigenblatt für die Zeit nach dem Öl. Die Nummer Drei der Öl-Multis dieser Welt beschäftigt über 80.000 Menschen, machte im vergangenen Jahr 239 Milliarden US-Dollar Umsatz. Davon blieben 14 Milliarden als Gewinn übrig. Das klingt viel – doch schon jetzt hat die Ölpest im Golf von Mexiko das Unternehmen über drei Milliarden Dollar gekostet. Das ist noch lange nicht das Ende: Analysten schätzen die Gesamtkosten mittlerweile auf über 64 Milliarden US-Dollar. Diese Szenarien legen allerdings zu Grunde, dass es irgendwann gelingt, das große Loch in der Tiefe wirklich bis zum August zu stopfen. Und der Imageverlust, er lässt sich für BP wahrscheinlich gar nicht in Zahlen ausdrücken.

Wird BP zerschlagen?

Demonstranten gegen BP-Chef Hayward (Foto: AP)

BP-Chef Hayward könnte das erste Opfer sein

Der Marktwert des Unternehmens hat sich durch die Ölkatastrophe mittlerweile halbiert. Die Aktie ist zwar mit derzeit rund 340 Pence noch immer kein Schnäppchen, aber so billig war sie zuletzt vor 13 Jahren. Das lockt natürlich die Konkurrenten an, die jetzt eine Chance wittern, einen Mitbewerber aus dem Markt zu drängen – und ihn vergleichsweise günstig zu übernehmen. Es muss ja nicht das ganze Unternehmen sein, denn schließlich weiß ja niemand, was die Ölpest am Ende wirklich kostet – und welches Risiko man sich damit womöglich mit einkauft. Aber an Teilbereichen haben Konzerne wie der US-Rivale Exxon Mobile oder Total aus Frankreich bereits Interesse signalisiert. Total wird derzeit an der Börse teurer bewertet als BP.

Kommen jetzt Staatsfonds zum Zug?

Logo des Total-Konzerns vor dem Firmensitz (Foto: AP)

Würde Teile von BP gerne haben: Der Ölkonzern Total

Ende Juni hatte sich BP finanziell jedenfalls erst einmal Luft verschafft und sich 20 Milliarden Dollar an Bargeld und Krediten besorgt. Darüber hinaus wird in der Unternehmenszentrale in London auch über den Verkauf von Beteiligungen und Geschäftsfeldern nachgedacht. Damit will man weitere zehn Milliarden Dollar erlösen. Und schließlich hat das Management noch eine andere Geldquelle ausgemacht: Staatsfonds in Asien und im Nahen Osten. Sie waren zuletzt schon auf Einkaufstour und sind bei großen Konzernen wie der US-Bank Citigroup oder dem deutschen Autobauer Daimler eingestiegen. Jetzt suche BP, so berichtet es die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine Quelle aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, einen strategischen Partner, um nicht von anderen großen Ölgesellschaften übernommen zu werden. Selbst Libyen überlegt nach Angaben der Agentur Dow Jones, BP-Aktien zu kaufen. Analysten sehen das allerdings kritisch: Mit dem Einstieg eines Großinvestors aus dem Nahen Osten, aus China oder gar Libyen könnte man seine Position in Regionen wie den USA aufs Spiel setzen, heißt es bei der Bank Societe Generale. Allerdings ist diese Position seit dem Öldesaster im Golf von Mexiko sowieso schon mehr als geschwächt. Insofern hat BP wohl nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Autor: Henrik Böhme (mit dpa,rtr)

Redaktion: Monika Lohmüller

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