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Wirtschaft

Streik bei der Post geht weiter

Kann sich die Post höhere Löhne leisten? Ja, sagt die Gewerkschaft Verdi und setzt ihren unbefristeten Streik fort. Die Konzernleitung gibt sich unbeeindruckt.

Die Gewerkschaft Verdi hat ihren unbefristeten Streik bei der Deutschen Post am Dienstag fortgesetzt. Seit Montagnachmittag sind Beschäftigte in den Briefverteilzentren bundesweit im Ausstand. Später sollten auch Briefträger und Paketboten streiken.

"Wir werden die Menschen Zug um Zug in diesen Arbeitskampf führen", sagte Verdi-Verhandlungsführerin Andrea Kocsis am Dienstag. Millionen Briefe und Pakete dürften Verdi zufolge erneut liegenbleiben oder verspätet ausgeliefert werden.

Nach Angaben der Post sind die Auswirkungen des Streiks dagegen bislang gering. Rund sieben Millionen Briefe oder elf Prozent aller Sendungen werden ihren Empfänger erst einen Tag später erreichen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Die Streikbeteiligung liegt laut Post aktuell auf dem Niveau der vergangenen Warnstreiktage, rund 7000 Beschäftigte in Briefverteilzentren hätten sich beteiligt.

Konzernleitung will hart bleiben

Die Post ist erstmals seit ihrem Börsengang vor 15 Jahren von unbefristeten, bundesweiten Streiks betroffen. Konzernchef Frank Appel zeigte sich zuversichtlich, den Ausstand bewältigen zu können. "Wir hatten ja in diesem Jahr schon 28 Streiktage und können damit umgehen."

Sein Unternehmen setze für die streikenden Mitarbeiter Kollegen aus Verwaltung und Vertrieb sowie externe Dienstleister ein. "Und unsere rund 40.000 Beamten arbeiten auch wie jeden Tag."

Der Manager kündigte an, hart zu bleiben und wandte sie gegen die von der Gewerkschaft geforderten Lohnerhöhungen. "Unsere Löhne liegen doppelt so hoch wie bei unseren Wettbewerbern - wenn wir so weitermachen, entstehen neue Arbeitsplätze in der Paketzustellung nur noch bei der Konkurrenz", so Appel.

Verdi-Verhandlungsführerin Kocsis bezweifelt das: "Die Post gewinnt Jahr für Jahr Marktanteile von diesem riesigen, wachsenden Paketmarkt dazu." Sie forderte das Unternehmen auf, "möglichst schnell einzulenken und uns ein Ergebnis, was wir auch annehmen können, vorzulegen".

Ein Konzern, mehrere Tarife?

In dem Tarifkonflikt geht es um die Arbeitsbedingungen von rund 140.000 Beschäftigten. Vor allem wird darüber gestritten, dass die Post Paketzusteller in neu gegründeten Gesellschaften zu schlechteren Konditionen beschäftigt als die übrigen Angestellten. Davon betroffen sind derzeit rund 6000 Paketboten. Verdi sieht darin einen Bruch bestehender Vereinbarungen mit dem Management.

Der Streik bei der Post ist derzeit nicht die einzige große Tarifauseinandersetzung in Deutschland. Bei der Bahn haben die Lokführer seit dem vergangenen Herbst bereits neun Mal gestreikt. Bis Mitte Juni läuft ein Schlichtungsverfahren, bis dahin wird nicht gestreikt. Auch der wochenlange Streik der Mitarbeiter städtischer Kindertagesstätten ist derzeit wegen eines Schlichtungsverfahrens ausgesetzt. Bei der Lufthansa läuft die Schlichtung bis Ende Juli. Bis dahin wollen die Piloten der Fluggesellschaft, die in den vergangenen Monaten zwölf Mal ihre Arbeit niedergelegt haben, auf weitere Streiks verzichten.

bea/ul (dpa, reuters)